Kran streikt, aber Baum steht

Bild: dpa

Halleluja und Mamma mia: Das kann man in einem Atemzug sagen, weil unser Christbaum für den Papst in Rom zwar sicher angekommen ist. Aber mit dem Aufstellen am Petersplatz klappte es nicht auf Anhieb. Denn der dafür geholte Kran gab sich erstmal typisch italienisch: Er streikte.

Natürlich könnte auch der Teufel seine Hand im Spiel gehabt haben, der verhindern wollte, dass die prächtige Fichte aus unserem Landkreis den Papst ehrt und den Petersplatz schmückt. Zumindest gestern Morgen hatte er es wohl geschafft, mit einem kaputten Kran für gewisse Ernüchterung zu sorgen. Aber anstatt zu fluchen, was sich an diesem heiligen Ort eh verbietet, ließen sich unsere Baumtransporteure und Begleiter aus Hirschau und Schnaittenbach nicht entmutigen. Sie taten das, was jeder gut katholische Oberpfälzer in dieser etwas vertrackten Situation mit der italienischen Kranfirma erst mal getan hätte: Sie gingen beten.

Da hilft nur Beten im Dom

Das heißt genauer gesagt, unsere Helfer sahen sich den Petersdom an, in dem am Morgen in einigen Seitenkapellen schon die ersten Messen liefen. Fritz Dietl aus Ehenfeld, der Kontaktmann der AZ, und seine Kollegen gesellten sich dazu und konnten so nach eigener Auskunft die Zeit ganz gut überbrücken, in der die Kranleute draußen versuchten, den streikenden Stützarm instandzusetzen. Doch alles Beten half nichts. Nach fast zwei Stunden stand fest: Die Reparatur kann vor Ort am Petersplatz nicht ausgeführt werden - ein Ersatzkran muss her.

Der kam dann auch, womit unsere sechs freiwilligen Helfer und die drei Mitarbeiter der Transportfirma Markgraf wieder zu tun bekamen. Nachdem sie den Baum schon kurz nach der Ankunft auf dem Petersplatz mitten in der Nacht von seiner Transportverpackung befreit hatten, legten sie beim Herunterheben von ihrem Tieflader mit Hand an. Das Aufstellen in die Senkrechte besorgte dann der (zweite) italienische Kranwagen.

Stolz trotz Lollobrigida

Mehr als eine Stunde gönnte sich unser Papstbaum-Team anschließend noch, um die stehende Fichte von allen Seiten zu betrachten und noch einmal so richtig stolz zu sein. Stolz darauf, dass der Christbaum für den Vatikan aus Schnaittenbach und Hirschau kommt - Millionen Augen werden sich darauf in den nächsten Wochen vor Ort und auf den Fernsehschirmen rund um den Globus richten. Stolz durften unsere Helfer aber auch auf die eigene Leistung des völlig problemlosen Transports über immerhin rund 1200 Kilometer sein.

Dafür bekamen sie in den frühen Morgenstunden des Donnerstags auch eine besondere Belohnung. Nach der Ankunft mit dem Lkw auf dem Petersplatz gegen 2.15 Uhr durften sie den Rest der Nacht hier vor Ort verbringen. Das heißt, sie schliefen praktisch direkt unter dem Audienzfenster von Papst Franziskus und weiteren vatikanischen Gemächern. Das, was sonst streng verboten ist - dass hier Menschen nächtigen und Fahrzeuge stehen -, durften unsere Helfer. Klar, dass sie himmlisch schlummerten. Zumindest bis der Kran auftauchte und divenhaft wie Gina Lollobrigida rumzickte.

"Des is' halt Italien"

"Mei, des is' halt Italien", sagte Fritz Dietl gestern schmunzelnd am Telefon, der heute wohl noch weitere Geschichten erzählen kann. Denn schon gestern Nachmittag machte sich die Amberg-Sulzbacher Truppe auf die Rückreise, um vor dem Wochenende wieder daheim zu sein.

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