Krank und trotzdem stark

Starke Frauen, die mit einer schweren Krankheit zu kämpfen haben: Beim Brustkrebstag in der Neustädter Stadthalle zeigten Betroffene, dass frau trotz Krankheit lachen kann. An den Infoständen gab es Taschen, Hüte, Kleidung und noch vieles mehr zu sehen. Bild: Schönberger

Jede zehnte Frau in Deutschland erkrankt während ihres Lebens an Brustkrebs. "Aber die Krankheit ist heilbar", machte Dr. Albert Roßmann Mut. Beim Brustkrebs-Gesundheitstag in der Stadthalle bewiesen die Betroffenen, dass sie mutig und stark gegen ihre Krankheit kämpfen.

Neustadt/WN. (esc) "Wir behandeln eine Frau, nicht nur die Brust", lautet die Devise von Dr. Augustinus Harjanto Tulusan, Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Bayreuth. Er berichtete in seinem Vortrag über das Duktale Karzinom in situ (DCIS), eine krankhafte Wucherung in den Milchgängen. "Brustkrebs hat eine lange Laufzeit", sagte Tulusan. "Er entsteht nicht von heute auf morgen. Das dauert Jahre." Eine "in-situ-Erkrankung" sei eine Phase, in der der Krebs noch nicht ausgebrochen, noch lokal behandelbar ist und noch nicht streut.

Zu hohe Rückfall-Quote

Aber: Wie ist diese Wucherung zu erkennen? "Sie ist nicht zu ertasten", gab der Mediziner zu bedenken. Die sicherste Methode, die Verkalkungen im dichten Brustgewebe zu erkennen, sei die Mammografie. Eine Kernspin- oder Ultraschalluntersuchung sei hingegen schwierig: Bei diesen Auswertungen sei ärztliche Routine gefragt, "denn nur Profis erkennen in so einem Fall eine ,in-situ-Erkrankung'", wusste Tulusan. "DCIS ist eine Erkrankung des Milchgangsystems", stellte er klar. "Je ausgedehnter die Krankheit ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es Krebs wird." Bei der Entfernung der befallenen Milchdrüsen sei eine saubere Operation wichtig. "Was passiert, wenn man eine Frau mit ,in-situ' schlampig operiert oder ein Rest übrigbleibt?" Ohne Bestrahlung würden 33 Prozent und mit Bestrahlung 16 Prozent einen Rückfall erleiden. "Aber das ist immer noch zu viel." Eine Strahlentherapie sei wichtig, sei aber kein Ersatz für die OP und die Untersuchung des entfernten Tumors. Eine Zusammenarbeit der Ärzte sei des Weiteren unabdingbar.

Das Arzneimittel Tamoxifen verhindere das Risiko, dass die "in-situ-Erkrankung" zu Krebs werde. "Aber das Medikament ist eine Bombe", gab Tulusan zu bedenken. Eine Entfernung von Lymphknoten sei bei solch einer Erkrankung nicht nötig. "Die DCIS-Diagnose nimmt zu, 20 Prozent davon sind Vorstufen zu Krebs."

Dass Krebs heilbar ist, machte Roßmann, Chefarzt am Klinikum Weiden für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, in seinem Vortrag "Moderne Diagnostik des Mammakarzinoms" deutlich. "Es kommt auf die Größe an. Je kleiner der Tumor, desto größer ist die Heilungschance." Wie ist ein solches Karzinom zu erkennen? "Durch Selbstuntersuchung, ärztliche Früherkennungsmaßnahmen, Mammografie, Ultraschall und Kernspin-Untersuchung. Roßmann schloss sich dem Vorredner an: "Hier müssen die untersuchenden Ärzte absolute Profis sein, um etwas zu erkennen." Sicherste Methode sei also die Mammografie, eine Röntgendarstellung des Brustdrüsengewebes. Dabei wird die Brust zwischen zwei strahlendurchlässige Plexiglasplatten zusammengedrückt. Entdeckt der Mediziner hierbei einen weißen Fleck, müsse der Befund abgeklärt werden.

"Mutmach-Abend"

Durch eine flächendeckende Reihenuntersuchung, zu der alle Frauen ab 50 Jahre alle zwei Jahre eingeladen werden, sinke die Sterblichkeit an Brustkrebs um 20 bis 30 Prozent. Zwar sei der Ultraschall der Brust schmerz- und strahlenfrei und vor allem bei Frauen unter 35 Jahren günstig, da das Brustgewebe noch dichter ist als bei älteren Frauen. Beim MRT ergebe sich das Problem, "dass ich zu viel sehe". Sehr viele Herde würden dabei auffallen, "die eigentlich gar nichts sind".

Eine brusterhaltende Therapie sei mittlerweile Standard, führte Roßmann weiter aus. Lymphknoten werden heute nur noch entfernt, wenn sie betroffen sind - und nicht mehr alle, so wie früher. Seit 2005 gehen die Ärzte mit der sogenannten adjuvanten Therapie individuell auf die Betroffenen ein. "Die Patientin soll sich wohlfühlen, das aktiviert die Heilungsprozesse." Hinzu komme durch die Einrichtung von Brustzentren ein hoher Qualitätsstandard, der auch die Sterblichkeit senkt.

"Das soll heute ein Mutmach-Abend werden", hatte Sieglinde Schärtl von der "mamazone-oberpfalz" zu Beginn der Veranstaltung nicht zu viel versprochen. "Wir sind alle Kämpferinnen, sonst wären wir nicht hier."



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Weitere Informationen im Internet:

http://www.mamazone.de/oberpfalz http://www.kliniken-nordoberpfalz.de
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