Krankhaftes Essverhalten: Informationstag für Achtklässler des Gymnasiums
Der Druck, dünn sein zu müssen

Sozialpädagogin Katrin Venzl von der Fachambulanz für Suchtkranke in Weiden informierte zusammen mit ihrer Kollegin Alicija Florko-Broschakvon die Eschenbacher Gymnasiasten über Essstörungen und ihre Gefahren. Bild: do
Am Anfang steht eine Diät - am Ende eine Essstörung. Über Hilfe zur Selbsthilfe informierten zwei Expertinnen die Jugendlichen des Gymnasiums. Vertreterinnen der Weidener Fachambulanz für Suchtkranke gaben den Schülern der achten Jahrgangsstufe Hinweise zu Symptomen, zur Wahrnehmung der Essstörung und deren Bekämpfung: ob Magersucht, Bulimie (Ess-Brech-Sucht) oder "Binge Eating Disorder" (Esssucht) - um nur die klassischen Vertreter der Krankheit zu nennen.

Die Sozialpädagoginnen Katrin Venzl und Alicija Florko-Broschakvon schärften bei den Gymnasiasten den Blick für die Erscheinungsbilder krankhaften Essverhaltens und gaben Anstöße zur Vermeidung der besorgniserregenden "Fastenwelle". Schon von den vorgestellten Beispielen und Zahlen zeigten sich die Achtklässler überrascht. Die Referentinnen berichteten von fünf Millionen Frauen und Männern in Deutschland mit einer Essstörung. Besonders viele Schüler im Alter zwischen 14 und 18 Jahren seien anfällig für Magersucht.

Bislang gelten Magersucht und Bulimie als vorwiegend weibliche Krankheiten. Doch hier sei ein Wandel eingetreten, erklärten die Sozialpädagoginnen. Experten schätzen, dass mittlerweile jeder zehnte Essgestörte in der Risikogruppe der 10- bis 25-jährigen männlich ist. Auf die Auslöser der Krankheit eingehend, sprachen die Expertinnen von einem komplexen Ursachenfeld. Seelische Konflikte, Schönheitsideale in Werbung und Medien, Elternhaus, das Beispiel Gleichaltriger oder der soziale Druck, dünn sein zu müssen: Diese Einflüsse seien so groß, dass der Leidensdruck Übergewichtiger übermächtig werden könne. Der Wunsch nach Schlanksein führe dann geradewegs in eine Essstörung.

In einer Gruppendiskussion erörterten Referentinnen und Schüler die Übergangsschritte von normalem zu gestörtem Essverhalten und differenzierten zwischen Diäten, alternativen Essgewohnheiten - wie vegetarischer und veganer Ernährung - und einem gestörten Essverhalten. Als Diskussionsleiter vermittelte Studiendirektor Werner Dobmeier den Heranwachsenden die Einstellung für ein positives Körperbewusstsein. Die Sozialpädagoginnen verwiesen auf die Beratungsstellen mit ihren vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten besonders für Jugendliche.

Über den gelungenen Informationstag freute sich Oberstudiendirektor Dr. Knut Thielsen. Es werde immer wichtiger, über den Fachunterricht hinausweisende Beiträge in das Schulleben zu integrieren, sagte er.
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