Krankmeldung bald online

Eine Gesetzesänderung sieht die Erarbeitung eines Schulentwicklungsprogramms für alle bayerischen Schulen vor. Schulaufsicht, Schulen, Eltern und Schüler sollen Zielvereinbarungen treffen, um langfristig die Qualität des Bildungswesens zu sichern.

Windischeschenbach. (bgm) "Kaum ein anderes Thema treibt die Bürger in den letzten Jahren so um wie die Qualität von Schulen", sagte die Ministerialbeauftragte für die Realschulen Maria Kinzinger beim regionalen Schulentwicklungstag 2014 für die Oberpfalz. Das Thema Qualitätssicherung ist also keineswegs neu. Neu ist aber, dass seit einer Gesetzesänderung im August 2013 ein Schulentwicklungsprogramm den verbindlichen Rahmen setzt.

Die gesetzlichen Vorgaben sind nicht reiner Selbstzweck. "Das Wirtschaftswachstum fordert ein hohes Maß an Geist und Können", betonte Kinzinger. Auch die Eltern informierten sich bei der Wahl einer Schulart und auch innerhalb der Schulart sehr wohl über Profil und Vorzüge.

Der demografische Wandel wirkt sich auch auf die Schulen aus. Bayernweit haben Realschulen einen Rückgang der Schülerzahlen von zwei Prozent zu beklagen, in der Oberpfalz sogar von 3,45 Prozent. "Ob wir es wollen oder nicht, ein gewisser Wettbewerb um die Schüler hat begonnen", meinte Kinzinger. Für das Schulentwicklungsprogramm gebe es aber kein Patentrezept. Es soll für jede Schule individuell konzipiert werden.

Drei Datenquellen

Zum regionalen Schulentwicklungstag waren Vertreter aller Schularten aus der Oberpfalz gekommen. Arnulf Zöller, Leiter der Grundsatzabteilung des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung München, erläuterte die Einzelheiten. Das Schulentwicklungsprogramm wird aus drei Datenquellen erarbeitet. Zum einen sind das die Ergebnisse einer externen Evaluation, wobei die Evaluatoren stets Lehrkräfte sind. Von der Realschule Neustadt bewertet zum Beispiel Johannes Paetzolt Oberpfälzer Schulen. Zum zweiten sind die schul- und bildungspolitischen Vorgaben zu beachten. Drittens werden die Ergebnisse einer internen Evaluation und die schulischen Schwerpunktsetzungen herangezogen.

Aus diesen Daten erarbeitet die Schule Handlungsfelder, die wiederum zusammen mit der Schulaufsicht in Zielvereinbarungen umgesetzt werden. Im Schulforum wird dann die Entscheidung für ein aktualisiertes Schulentwicklungsprogramm getroffen. "Es geht also nicht um einen Neustart und schon gar nicht um einen Kaltstart, sondern um eine kontinuierliche Fortsetzung der alltäglichen Schulentwicklung", betonte Zöller. "Eine systematische schulische Qualitätsmanagementarbeit wird zum festen Bestandteil schulischer Entwicklungsarbeit."

Erziehungspartnerschaft

Als Schulentwicklungskoordinatorin ist Irene Sebald, die stellvertretende Leiterin der Lobkowitz-Realschule Neustadt, für alle Realschulen der Oberpfalz zuständig. Moderatoren können von den Schulen angefordert werden und unterstützen bei den einzelnen Schritten. Eine zentrale Rolle spielen die "Kesch"-Multiplikatoren. "Kesch" steht für Kooperation Elternhaus und Schule.

Annette Pruy, Schulpsychologin aus Cham, und Christiane Kiefer, Beratungslehrerin der Stadt Regensburg, erklärten die Bedeutung des Programms. Nach einer Studie des Bildungsforschers John Hattie hängt die Schulleistung zu über 50 Prozent von Schülern und Eltern ab. Ziel ist daher - wie auch im Erziehungs- und Unterrichtsgesetz gefordert - eine Erziehungspartnerschaft. "Wir wollen die Eltern stärker mit ins Boot nehmen. Sie sind nicht die Adressaten von Lehrern, sondern auf gleicher Augenhöhe", erläuterte Pruy. Vertrauen und Toleranz seien wichtig.

Das Rad solle mit Kesch nicht neu erfunden, sondern optimiert werden. Die vier Schlüsselfelder für die Erziehungspartnerschaften seien Gemeinschaft, Kommunikation, Mitsprache und Kooperation. Die Gemeinschaft könne beispielsweise durch ein Elterncafé, ein Elternforum oder einen Elternkennenlernnachmittag gestärkt werden, regte Grundschullehrerin Kiefer an. "Die Kommunikation muss anlassunabhängig, regelmäßig und erfolgsorientiert geführt werden", betonte Pruy.

Auch in Sachen Kommunikationswege gehen die Schulen mit der Zeit. So seien etwa Krankmeldungen von Schülern via Internet denkbar. Im Bereich Kooperation hält Kiefer für Grundschulen Lernentwicklungsgespräche gegenüber dem Zwischenzeugnis für überlegenswert. Das Zwischenzeugnis würde zwar gelesen, viele Eltern wüssten aber nicht, was sie damit anfangen sollen. Für die Lehrer würde das zwar eine Umstellung bedeuten, die Erstellung der Zwischenzeugnisse nähme aber auch Zeit in Anspruch. Bild: bgm
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