Kraut für (fast) alle Fälle

Der Wermut steht derzeit in voller Pracht: Johanna Eisner schwört auf die positiven Kräfte des Wermut-Frühlingssaftes, den schon Hildegard von Bingen zu schätzen wusste. Bild: stg

"Wenn der Wermut frisch ist, dann zerstampfe ihn und presse durch ein Tuch den Saft" - so hat es bereits Hildegard von Bingen geschrieben. Noch heute wird dem Wermut eine heilende und Krankheiten vorbeugende Wirkung nachgesagt. Viele nutzen die Monate Mai und Juni, um eine sogenannte Wermutkur zu beginnen.

Kemnath. (stg). "Damit bleibt man auf Vordermann", sagt Hildegard-Expertin Johanna Eisner aus Haunritz bei Kemnath. Die Heilige selbst habe das Kraut als "Meister über alle Erschöpfungen" bezeichnet. Für die Wermutkur nötig sei der sogenannte Wermutfrühlingssaft. Eisner empfiehlt dafür einen Liter Wein, 20 bis 40 Gramm Wermut sowie 150 Gramm Honig. "Der Wein und der Honig werden miteinander fünf Minuten leise gekocht", erklärt Eisner. Der frische Wermut wird durch den Fleischwolf gedreht, der Saft oder das Gepresste wird dem Wein zugegeben, allerdings nicht mehr gekocht, sondern nur noch umgerührt und abgeseiht.

Heilend wirken soll der Maiwein bei Erkrankungen von Herz, Lunge, Magen, Augen, Eingeweiden und Niere sowie bei Verdauungsproblemen. Die Wermutkur hilft, Arteriosklerose, Darmkrankheiten, Erkältungsanfälligkeit, Fußschwäche, Ausfluss sowie Unterleibsentzündungen vorzubeugen. Des Weiteren gilt Wermut als Muntermacher, der die Melancholie vertreibt.

Noch vor dem 6. Juni

Eisner rät, den Wein jeden zweiten Tag auf nüchternen Magen morgens in einer geringen Dosis zu sich zu nehmen. "Am besten in der Größenordnung eines Suppenlöffels oder eines kleinen Schnapsglases." Auch sollte Wermut nach dem 6. Juni nicht mehr geschnitten werden. Dann entstünden in dem Kraut Giftstoffe, die dem Körper schaden können.
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