Kreisgartenfachberaterin referiert im Zessauer Gemeinschaftshaus zur Fassadenverschönerung
Grünes Kleid ein alter Hut

Grün liegt im Trend - auch bei der Fassadenverschönerung. Doch kletterndes Grün an den Wänden ist weit mehr als eine Modeerscheinung: Schon vor 3600 Jahren schmückten die Ägypter ihre Behausungen mit Weinreben, und die Römer machten es ihnen später nach. "Das grüne Kleid am Haus ist eigentlich ein alter Hut", scherzte Kreisgartenfachberaterin Claudia Saller bei ihrem Vortrag für den Bauernverband Weihersberg im Zessauer Gemeinschaftshaus.

Nicht nur um der Schönheit und der Weintrauben willen hätten die antiken Kulturvölker die rankenden Reben geschätzt, sondern auch als Regulatoren für das Klima im Haus. In der Tat, so Saller, trügen Fassadenpflanzen als natürliche Außenlärm-"Schlucker", Temperaturpuffer, Luftreiniger und -befeuchter spürbar zum Wohlbefinden der Bewohner bei. Zudem fügten sie die Gebäude in ein gegebenenfalls vorhandenes grünes Umfeld ein.

Vor allem in naturfernen Städten ließen sie die Menschen unmittelbar am Jahreszeitenwandel teilhaben. Auch Insekten seien dankbar für einen natürlichen Unterschlupf, betonte Claudia Saller. Dennoch zeige die Erfahrung, dass man keine unangenehme Ungezieferbelästigung fürchten müsse. "Nicht zu vergessen ist, dass die Pflanzen Niederschlagsfeuchtigkeit und Luftschadstoffe zu einem Gutteil von den Wänden abhalten und so die Bausubstanz schützen", unterstrich die Expertin. Ferner erläuterte sie den Unterschied zwischen "Selbstklimmern", die mittels Haftwurzeln oder Haftfüßen unmittelbar an der Fassade emporwachsen, und "Gerüstkletterpflanzen", die Kletterhilfen benötigen.

"Regenfallrohre sollten nicht als Rankhilfen vorgesehen werden", empfahl Claudia Saller. Vor allem der Blauregen (Glyzinie) könnte ein solches Rohr stark verformen. Überhaupt gelte diese wegen ihres Blüten- und Blätterreichtums beliebte, hochwüchsige Schlingpflanze als "egoistisch". Ihr Wuchs sollte durch sorgfältigen Schnitt im Zaum gehalten werden, um Bauschäden zu vermeiden. Außerdem sei sie giftig. Auch Efeu und Wilder Wein könnten mit ihren Haftwurzeln oder Haftscheiben Putz und Mauerwerk angreifen. Dennoch seien die dichten, wuchernden "Blattteppiche" ein geschätzter Grünschmuck. "Diese Pflanzen können Fassadenhöhen von 20 und mehr Metern bewältigen", wusste die Referentin.

Überdies seien gerade die kleinen Blüten des Wilden Weins "Insektenweiden", seine Beeren ebenso wie die Früchte von Efeu oder Geißblatt Leckerbissen für Vögel. Für hohe Fassaden eigne sich auch die allerdings giftige Pfeifenwinde. Pflegeleicht sei die Clematis, deren kleinblütige Sorten besonders robust seien. Sie brauche Rankhilfen, die ihr eine Wuchshöhe von drei bis fünf Metern ermöglichten. An Seilen oder Gittern rankten sich auch die Kletterrosen empor. Deren ältere Sorten wiesen eine Eigenart auf, erzählte Claudia Saller: "Sie benötigen für ihr Wachstum Schwefeldioxid, das dank der Umweltschutzmaßnahmen meist nur noch in geringer Menge in unserer Luft enthalten ist, und wer eine solche 'historische' Sorte gepflanzt hat, muss sie deshalb mit Schwefelverbindungen spritzen."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.fassadengruen.de/uw/kletterpflanzen/kle...
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