Kreishandwerksmeister warnt vor "Akademisierungswahn"
Lehre als Sprungbrett

Neustadt/WN. (bey) Seit Mai 2015 ist Joachim Behrend aus Kohlberg neuer Kreishandwerksmeister der flächenmäßig größten Kreishandwerkerschaft der Oberpfalz. 600 Betriebe in Weiden sowie in den Kreisen Neustadt und Tirschenreuth gehören der Kreishandwerkerschaft Nordoberpfalz an.

Bei seiner offiziellen Vorstellung bei Landrat Andreas Meier machte Behrend deutlich, dass er dank seines beruflichen Werdeganges manche Abläufe in den Handwerksbetrieben aus anderer Sicht sieht und so die Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen würdigen möchte. Als früherer Mitarbeiter eines großen Betriebes in Nürnberg kenne er die Probleme der Arbeitnehmer, gerade wenn es um Entlassungen gehe, sagte Behrend. Während seiner Tätigkeit in Nürnberg habe er dem Betriebsrat angehört und sei auch Mitglied der Gewerkschaft gewesen.

Als in dem Unternehmen zahlreiche Mitarbeiter entlassen wurden, sei in ihm die Entscheidung gereift, die Meisterprüfung für das Elektrohandwerk abzulegen und das elterliche Geschäft in Kohlberg zu übernehmen. Sein Vater habe damals großes Verständnis dafür gezeigt. Seither sei er in der Innung aktiv, die er als Obermeister führe.

Im Februar 2016 kündigte der Kreishandwerksmeister eine "Woche der Ausbildung" und im April eine Ausbildungsmesse in Weiden an. Angesprochen auf akademische Wege im Handwerksbereich meinte Behrend, nicht jeder junge Mensch sei im Studium gut aufgehoben. Ein "Akademisierungswahn" sei nicht zu befürworten. Christina Neubauer-Kreutzer, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, hat bereits steigende Ausbildungszahlen festgestellt. Gerade für Haupt- und Mittelschüler sei die Lehre in einem Handwerksberuf geeignet, weitere höherwertige Berufsziele zu verfolgen.

Natürlich beherrschte auch das Flüchtlingsproblem die Aussprache zwischen Landrat und Kreishandwerksmeister. Hier hat Behrend aber eine klare Ansicht: Das Beherrschen der deutschen Sprache sei das A & O, gerade im Elektrohandwerk mit seinen Sicherheitsvorschriften. Die Prüfungen seien in deutscher Sprache zu schreiben. Selbst die beste Motivation eines Flüchtlings könne die Prüfung nicht ersetzen.
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