Krieg bringt nur wieder Krieg

"Der Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Er muss täglich wieder errungen werden", hob der Kreisvorsitzende des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Hartmut Schendzielorz (vorne), hervor. Dahinter Heimatvereins-Vorsitzender Hubert Haas. Bilder: sön (2)

Kriege sind in Europa schon seit dem Altertum fast an der Tagesordnung. Ihren Schrecken haben sie aber zum Glück nicht verloren, wie jetzt eine "Historische Zeitreise" in Rieden zeigte.

(sön) "Wir ziehen über die Straßen in schwerem Schritt und Tritt ...", schallte es durch die Mehrzweckhalle der Grundschule wie die Overtüre zu einer "Historischen Zeitreise". Dieser Vortrag eröffnete die Ausstellung "Leben im Krieg", die ihre Besucher auf die Spuren deutscher Geschichte lenkte und zum Nachdenken angeregte.

Mit düsterer Trommel

"Die Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens, und ihre Bedeutung wird als solche immer zunehmen." Mit Albert Schweitzers Zitat führte der Vorsitzende des Heimatvereins, Hubert Haas, in den Vortrag ein, für dessen Bild- und Textinhalte der Kreisvorsitzende des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Hartmut Schendzielorz, verantwortlich zeichnete. KSK-Vorsitzender Franz Fuchs und Ortsheimatpfleger Andre Reindl lasen mit Haas und Schendzielorz die Texte, Johannes Haas unterstrich diese mit seiner Trommel.

Bis zum Beginn der christlichen Zeitrechnung reichte die "Historische Zeitreise" zurück, zeigte auf, dass kriegerische Auseinandersetzungen im alten Europa schon fast an der Tagesordnung waren. Beispiel 24. August 1796 am Sinterbühl bei Witzlhof, wo die gesamte Nachhut der Franzosen (1800 Mann Infanterie) von den österreichischen Truppen total vernichtet wurde. Im 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, seien weit über zehn Millionen Tote zu beklagen gewesen. "Darunter auch viele zivile Opfer, die jedoch hauptsächlich durch Hunger und Krankheit umkamen." Aus dem Einzugsbereich der Gemeinde Rieden fielen 28 Männer oder erlagen in Lazaretten ihren Verwundungen.

Bilder von Gefallenen

Währen der berührenden Verlesung aus den Erinnerungen des Frontsoldaten Alfred Hein wurden Bilder und Informationen von Gefallenen aus Rieden gezeigt. Ein tragischer und unnötiger Konflikt sei der 1. Weltkrieg gewesen, so die Vortragenden. Letztendlich habe er " auf einer langen Folge politischer, wirtschaftlicher und psychologischer Rivalitäten" beruht. Nach dem Versailler Friedensvertrag folgte 1933 die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, die in den 2. Weltkrieg führte, der am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen begann. "Der 2. Weltkrieg, der über 55 Millionen Menschenleben vernichtete, war das unmittelbare Resultat des 1. Weltkrieges und im hohen Maße auch dessen Fortsetzung," so das Fazit des Vortrags. Zu gedenken sei auch der Millionen ziviler Opfer durch Internierung, Verfolgung, Zwangsarbeit, Holocaust, Widerstand gegen Nazi-Terror, Opfer durch Bombengriffe, Hunger, Flucht und Vertreibung.

Der letzte Feldpostbrief

Aus dem Einzugsbereich der damaligen Gemeinde sowie den Familien der hier gestrandeten Flüchtlinge und Heimatvertriebenen fielen im 2. Weltkrieg 51 Söhne und Väter. 33 gelten noch heute als vermisst. Ihrer gedachte man bei der Verlesung des letzten Feldpostbriefs eines 34-jährigen Obergefreiten der Wehrmacht aus dem Kurland an seine Familie in seiner Heimat Freihung.
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