Krimis mal kabarettistisch

Auf seiner Tournee machte Autor Werner Gerl auch in der Marktbücherei Station. Bild: Schieder

"Mordsgaudi" ist ein Begriff, der in Bayern häufig verwendet wird und als Synonym für viel Spaß in geselliger Runde steht. Dieses Gefühl der Heiterkeit entstand in der Marktbücherei. Und das kam nicht von ungefähr.

Seine "Geschichten aus dem bayerischen Kriminalstadl" präsentierte Werner Gerl bei seinem Tournee-Stop in der Marktgemeinde. Marion Heller vom Büchereiteam verwies darauf, dass es sich um die erste Krimilesung handle. "Das Bayerische ist eine sehr kommunikationsreiche Sprache", schickte der Autor voraus. Und: "Jeder deutsche Dialekt hat seinen eigenen Charme".

Die rote Glocke

Anhand von einigen Beispielen demonstrierte er, dass sogar sehr ernste Inhalte durch den jeweiligen Dialekt die Schärfe genommen werden könne. Doch war es nicht nur das Bayerische, das die Zuhörer in den Bann zog, sondern die Geschichten aus "Mordsgaudi", die Gerl auszugsweise in kabarettistischer Weise und damit sehr unterhaltsam vortrug. Es sind die typisch bayerischen Charakterzüge, die der gebürtige Niederbayer nur zu gut kennt und studiert hat. Seine Beobachtungen fließen in seine Werke ein.

Bei einer seiner Geschichten dreht sich alles um eine vermeintlich rote Glocke, ein angebliches Verhältnis der Frau seines Chefs mit dem örtlichen Bäckermeister und die Herstellung der Ehre des Gehörnten - durch den Beschäftigten in seiner Schreinerei. Der muss Angst haben, wegen seiner Delikte ins Gefängnis zu wandern und ist auf das Wohlwollen des Schreinermeisters angewiesen.

Ein rotes Glöckchen soll er auf dessen Geheiß aus einer Kapelle stehlen. Für den geübten Einbrecher ist deren Tür kein Problem. Doch kommt der Pfarrer mit vier Damen, denen er nach und nach die Beichte abnimmt, unter ihnen der Frau seines Brötchengebers und "Sklavenhalters". Das Kruzifix und das rote Glöckchen hat der Dieb bereits eingepackt, als er den Worten der Chefin lauscht. Von Busserln des Bäckermeisters ist die Rede, die nun mal die besten seien. Um die Ehre seines Chefs wieder herzustellen, überfällt er den Bäckermeister und mahnt ihn, sich von der Frau seines Chefs fernzuhalten. Es stellt sich aber heraus, dass der Beschäftigte seinen Chef gründlich missverstanden hat. Viele Verwicklungen gibt es auch auf dem Oktoberfest, mit falschen Polizisten und Kleinganoven bis hin zum Aneinandergeraten mit Mafiosi. Im jüngsten Werk von Werner Gerl, in "Champagner für den Mörder", jagt Kommissarin Tischler den Jäger.

Ausgerechnet Botox

Es ist der fünfte Krimi des Autors. "Der wird bald seine letzte Weißwurst gegessen haben", ist sich Fleischfabrikant Ruhland sicher, der den Scholler Toni umbringen lassen will. Dazu bestellt er einen Auftragskiller, den man den "Plastikdoktor" nennt. Und dann kommt alles ganz anders. Wegen zweier vertauschter Briefkuverts gerät die Lieblingstante von Ruhland und schließlich er selber in Gefahr.

Warum man ihn den "Plastikdoktor" nennt, sollte der Fleischfabrikant, der es mit dem Haltbarkeitsdatum nicht so genau nimmt, bald erfahren. Botulinumtoxin, kurz Botox - dieses Gift entsteht beim Verderben von Fleisch. Und ausgerechnet dieses Botox wird dem Metzgermeister nun zum Verhängnis. Die Zuhörer amüsierten sich angesichts der schauspielerischen Leistung von Werner Gerl köstlich und quittierten die "Mordsgaudi" , die sie dabei erlebt hatten, mit reichlich Applaus.
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