Kulturwissenschaftler Dr. Manuel Trummer bei Matinee in Theuern: "Landliebe, Landlust oder ...
"Gemeinsam anpacken, dann geht's auch"

Der neuen Landlust steht auch in der Oberpfalz eine Realität aus Landflucht, demografischem Wandel und Dorfsterben entgegen, sagte Dr. Manuel Trummer bei der Sonntags-Matinee in Theuern. Bild: Steinbacher
(msc) "Ich bin der Beni, und da bin i dahoam!" Mit diesem Spot und anderen Beispielen aus der Werkstatt des Bayerischen Rundfunks illustrierte Dr. Manuel Trummer seinen Vortrag "Landliebe, Landlust oder Landfrust". Er sprach über kulturwissenschaftliche Perspektiven auf neue mediale Bilder des Ländlichen. Boomt die ländliche Küche oder stehen doch mehr Dorf-Wirtshäuser leer? Wie hat sich das Leben auf dem Land verändert und wo lässt sich dies am besten feststellen?

Einfluss auf Strukturwandel

Trummer widmete sich im Kulturschloss Theuern ausführlich diesen Fragen. Als Kulturwissenschaftler am Lehrstuhl Vergleichende Kulturwissenschaft im Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur der Uni Regensburg, beschäftigt er sich intensiv mit der Frage, warum der Mensch lebt, wie er lebt. Wie der Mensch speziell auf dem Land lebte und lebt, demonstrierte er anhand von Inszenierungen des Bayerischen Fernsehens.

Wobei sich gleichzeitig die Frage stellte: "Wie beeinflussen Medien den Strukturwandel im ländlichen Raum?" Die Antwort gab er gleich selbst: "Was das Fernsehen produziert, wirkt auf unser Leben!" In den Komödienstadel-Aufführungen der Nachkriegsjahre haben noch eine feste, soziale Klassen-Hirarchie geherrscht. Stücke wie "Der Geisterbräu" seien noch geprägt gewesen von traditioneller, sozialer Ordnung. Die moralischen Wertvorstellungen seien eingehalten worden. Ob Familienfehde oder Vater-Sohn-Konflikt: Am Ende gab es laut Trummer ein Happy End.

Ganz anders die moderne Version heute - Beispiel die Heimatserie "Dahoam is dahoam". Dort würden konkrete Probleme der Zeit und aktuelle Ereignisse in alltägliche Erlebnisse eingeflochten und von Sendung zu Sendung weiterentwickelt. Der Tonfall sei ernst - mit komödiantischen Brechungen. Beide Formate zeigten eine Idylle, aber die moderne Version hebe das Modell einer zupackenden Dorfgemeinschaft heraus. So ein Erfolgserlebnis eines gemeinschaftlichen Einsatzes durch engagierte Bürger zeichne auch die Reportage "Der Wirtshausretter" nach.

Trummer meinte, die Folgen vom Rückzug staatlicher Stellen zugunsten der Zentralisierung in Kreisstädten hätten zu Verlust von Lebensqualität auf dem Land, von Leerständen und Schließungen von Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen geführt. Dort übernähmen die Medien nun verstärkt eine Rollen, fänden Schwachstellen und stellten Handlungsmuster vor - nach dem Motto "Gemeinsam anpacken, dann geht's auch!" Somit steuern die Medien bewusst oder unbewusst den Blick auf das Land.
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