Kumpfnase läuft nicht lang

Beste Stimmung bei einer Polonäse auf einem der legendären Faschingsbälle in Michelfeld.

Die Michelfelder lachen gerne. Bei den Prunksitzungen ihrer Faschingsgesellschaft konnten sie sich heuer so richtig kugeln. Unvergessen sind aber auch Günther König, Josef Höllerl und Dorfratschn Georg Gsell. Sie sind die Vorgänger der Spaßmacher von heute.

Alte Bilder belegen, dass die Michelfelder keine Faschingsmuffel waren. Nur während des Krieges bewegten die Menschen naturgemäß andere Gedanken. Doch als diese schlimme Zeit vorüber war, blühte der Frohsinn.

Die Armut der Nachkriegsjahre gebot es, Kostüme aus alten Sachen selbst zu nähen. Da tummelten sich dann auf der Straße Kasperl, Räuber und Gendarm, Hexen, die auch mal einen bösen Buben auf den Arm nahmen, Gestalten aus Grimms Märchen, aber auch böse Gesellen, die mit Ruten, Besen und Ketten Kindern Angst einjagten. Larven gab es in verschiedenen Fantasiegebilden aus Pappe. Wer partout nicht erkannt werden wollte, zeigte sich nicht nur mit einer besonderen Verkleidung, sondern schmierte sein Gesicht auch noch mit Ruß an.

Besonders in Erinnerung blieb der Strohbär. Das Binden entwickelte sich mitunter zu einer Kunst. Kostümiert war natürlich auch der Bärentreiber, der das wilde Tier an einer Kette durch den Ort führte, begleitet von den Kindern. Maskiert versuchten diese ihr Glück in den Krämer-, Bäcker- und Metzgerläden, in der Hoffnung, etwas Essbares geschenkt zu bekommen.

Weil Brauchtum die Gemeinschaft fördert, trafen sich Vereine zu Kappenabenden mit närrischen Einlagen. In vollen Zügen genossen wurden die Faschingsbälle der Feuerwehr bei der "Wognerwirts-Anna" und ihrem Mann Georg im Gasthaus Sporrer. Ihre Nachfolger waren Günther und Eva Schenk. Einige Spaßvögel gründeten vor 50 Jahren im Gasthaus Schindler aus einer Faschingslaune heraus den Verein Kumpfnase. Die Vorstandschaft mit sechs Männern wurde einstimmig gewählt. Es gab vier Paragrafen: "1. Bevor einer einem eine Nase dreht, muss sie Tobak enthalten. 2. Verschnupft sein ist nicht zulässig. 3. Die Nase in die Dose anderer zu stecken, ist nur erlaubt, wenn dieser einwilligt. 4. Wer seinen Kumpf (Nase) missbraucht, wird aus dem Verein ausgestoßen."

50 Gramm täglich

Als Vereinsfahne wurde ein überdimensionales, blau-weiß kariertes Taschentuch mit rostbraunen Flecken gewählt. Bei der Gründung trugen sich 23 Mitglieder in die Aufnahmeliste ein. Sie stellten sich der Aufgabe, täglich mindestens 50 Gramm Schnupftabak zu konsumieren. Den tüchtigsten Schnupfern mit dem saubersten Kumpf wurde versprochen, in die Vereinsmeisterschaft zu kommen. Darauf mussten sie allerdings lange warten, denn der Verein "Kumpfnase" entpuppte sich als eine Eintagsfliege.

Bekannt war in dem Gasthaus auch der Weiberfasching mit vielen lustigen Einlagen, den es leider seit einigen Jahren nicht mehr gibt. Die Fastnachtsreden bei den Prunksitzungen waren gewürzt mit Salz und Pfeffer, aber nicht verletzend - einfach menschlich. Mehrere Büttenredner besaßen das Geschick, die Leute zum Lachen zu bringen. Zu ihnen zählte Günther König. Er erzählte von den Bauern, "deren Realeinkommen von Jahr zu Jahr hat abgenommen", oder vom "armen Zwerg im Auerbacher Erzbergwerk."

Unvergessen Faschingspräsident Josef Höllerl, der als Weltenbummler und als Bruder Aloisius Erfolge feierte. Mit blonden Haaren, Pelzjacke und Spitzenhose stieg Dorfratschn Georg Gsell in die Bütt.
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