Kunst schärft die Sinne

Anton Sammet, langjähriger Rektor der Volksschule Windischeschenbach stellt seine Werke in Johannisthal aus. Eröffnung ist am Samstag. Zu sehen sind die Bilder bis 2. August. Bild: hfz

Schon als Kind lernte Anton Sammet, sich durch das Malen auszudrücken. Kunst prägt das Leben des ehemaligen Rektors seit Jahrzehnten. Nun stellt er einige seiner Werke im Haus Johannisthal aus.

Windischeschenbach. (mic) Die Vernissage am Samstag, 11. Juli, um 15 Uhr ist einer der vielen Programmpunkte des Kirchweihfestes in Johannisthal.

Welchen Schwerpunkt hat die Ausstellung?

Anton Sammet: Wie schon das Motto zur Ausstellung ankündigt, stelle ich Bilder und Holzobjekte zu Festen und Feiern im kirchlichen Jahreskreis aus. Die "Textbilder" der Bibel beflügeln die Fantasie. Ich setze meine Gedanken in eine Bildsprache um. Der Betrachter kann dann sein eigenes Kopfbild erzeugen. Dadurch vermittelt christliche Kunst in individueller Form das Evangelium.

Was malen Sie sonst noch?

Sammet: Eigentlich alles, was mich bewegt und anspricht. Motive entstehen aus inneren Wirklichkeitserlebnissen, die mich besonders beeindrucken. Zum Beispiel habe ich für meine Enkelkinder jeweils nach der Geburt Bildplastiken erstellt, die Bezug zu ihren Vornamen haben. Grundsätzlich versuche ich meine Gedanken in einem Farb- und Formenspiel auszudrücken. Mein Malstil hat immer expressionistische Züge und die Suche nach einem harmonischen Bildklang.

Wann entdeckten Sie ihre künstlerische Ader?

Sammet: Mein Vater war Porzellanmaler. Er starb 1948 an einem Kriegsleiden. Ihn kenne ich nur durch seine Blumenbilder, sie hingen in unserer Wohnung. Schon früh lernte ich die Bilder der Malgruppe des "Blauen Reiters" kennen und schätzen. Ein Kindheitserlebnis blieb mir immer im Gedächtnis. Ich war Zögling der Steyler Missionare in St. Peter in Tirschenreuth. Einen Japan-Missionar, Pater Mauerer, hatte ich aushilfsweise ein halbes Jahr in Kunsterziehung. Ihm gefiel besonders mein Hexen-Haus. Er leitete mich an, die Lebkuchen am Haus verschiedenartig zu gestalten. Wie Sie sehen brauchen Kinder Belobigungen und anregende Impulse.

Warum ist Kunst auch für Kinder wichtig?

Sammet: Im Gestalten können Kinder sich ihr Bild von der Welt machen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Bildwelt entfaltet Empfindungen und Fantasie. Durch das Betrachten der Bilder wird die Wahrnehmungsfähigkeit geschult und Vorstellungen werden gedanklich verarbeitet. Die bildsprachliche Strukturierung ist in allen Schulfächern gefragt. Natürlich soll Kunst auch Spaß und Freude machen und zur Freizeitgestaltung beitragen.

Auch als Lehrer und Rektor lag Ihnen das gestalterische Arbeiten der Schüler am Herzen.

Sammet: Mir war die musische Entwicklung der Kinder immer wichtig. Sie kann als Ausgleich zu den kopflastigen Fächern dienen. Das Aufhängen der Schülerarbeiten oder eine wirkungsvolle Präsentation stärken das Selbstvertrauen gerade der schwächeren Kinder. Die Schulhausgestaltung war mir immer ein Anliegen, denn nur wo sich das Kind wohlfühlt, wird der Kopf frei, und Aggressionen können im Vorfeld abgebaut werden.

Kommt Kunst im Schulalltag zu kurz?

Sammet: Oft wird sicherlich beklagt, dass für künstlerisches Gestalten im Schulalltag zu wenig Zeit wäre. Die findige Lehrkraft weiß, wie man Themenkreisverknüpfungen herstellt und dann mehr frei verfügbare Unterrichtszeit für die musische Gestaltung gewinnt.

Haben Sie jetzt im Ruhestand mehr Zeit für Ihr Hobby?

Sammet: Natürlich, aber auch in meiner aktiven Dienstzeit habe ich das gestalterische Arbeiten immer als ein stressreduzierendes Mittel erlebt. Dabei konnte ich die Welt der Statistiken vergessen und Kraft für den Schulalltag schöpfen.

Was geben Sie dem Betrachter der Ausstellung mit auf den Weg?

Sammet: Johannisthal ist ein Ort der Begegnung und eine Oase der Besinnung. Meine Ausstellung soll die besinnlich-meditative Komponente des Hauses verstärken. Der Besucher kann entschleunigen und sein Denken durch die Bildbetrachtung auf seine Lebensmitte lenken. Dabei ist es wichtig zu "deautomatisieren". Also nicht bloß durch die Ausstellung laufen, sondern sich mit dem einem oder anderem Bild auseinandersetzen. So kann es gelingen, wie Anselm Grün sagt "in den Bildern den Gott jenseits aller Bilder zu entdecken".
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