Kurt Engelhardts neuer Tatort

Kurt Engelhardt zeigt ein Keramikstück mit Fingertupfenleiste.

Der Kreisheimatpfleger für Archäologie spricht gerne von Indizien, die ihn zu seinen Fällen führen. Kein Wunder, Kurt Engelhardt ist pensionierter Richter. Wer mit ihm am Tatort Spuren sucht, taucht ein in den Krimi "Archäologie".

Nabburg/Pfreimd. (cv) Es ist kalt, es regnet. Das freut Kurt Engelhardt. Wasserdichte Gummistiefel, breitkrempiger Hut und bei Bedarf mit Batterien beheizte Schuheinlagen gehören zur Ausrüstung des 66-Jährigen. Im Schnitt verbringt er Tag für Tag vier Stunden für seine archäologischen Tätigkeiten. Auf noch unbestellten Äckern und Feldern sucht er nach einem schönen Regen nach zerscherbter Keramik und anderen Artefakten. Engelhardt bückt sich, dreht mit der Kelle einen kleinen Klumpen um: ein Keramikrest mit Fingertupfenleiste. Ein schöner Fund.

Mit Google Earth

Der neue Kreisheimatpfleger für Archäologie hat nach dem Ausscheiden von Ernst Thomann die Betreuung des Altlandkreises Nabburg und des Schönseer Raumes übernommen. Bereits seit acht Jahren gehörte Engelhardt dem Grabungsteam Thomanns an. Er tauchte ein in Thomanns Schatztruhe: sein Wissen aus über fünf Jahrzehnten. Bei gemeinsamen Grabungskampagnen wurde das Auge geschärft. Engelhardt kann zudem auf eine Fülle von Fundbeschreibungen und Veröffentlichungen, unter anderem von Ernst Thomann, zurückgreifen. Doch die Archäologie ist ein weites Feld, in dem es noch viel zu bestellen gibt. Kurt Engelhardt setzt einen Schwerpunkt im Raum Pfreimd/Wernberg-Köblitz, knüpft bei den aufsehenerregenden Iffelsdorfer Funden, dem slawischen Friedhof an. "Da muss noch mehr sein": Er richtet sein Auge auf den Girnitz-Rangen, den Raum um Iffelsdorf, rechts der Straße nach Damelsdorf, mit so bezeichnenden Flurnamen wie "Stockfeld" und "Sandäcker", direkt neben der großen Naabtal-Autobahnbrücke. Der Kreisarchäologe hat eine eigene Systematik: Er bemüht Google Earth, teilt das Fundgebiet dann in 300 mal 400 Meter große Parzellen ein, nummeriert sie fortlaufend. Dann bezieht er die Standortfaktoren mit ein: "Die bevorzugten Siedlungsgebiete lagen in südlicher, südwestlicher und südöstlicher Richtung", erzählt Engelhardt. Wärme, sandig-steiniger Boden und die Nähe zum Wasser waren bei den Vorfahren geschätzt.

Über all diese "Indikatoren" legt Engelhardt das Urkataster von 1808 bis 1864. Darin sind alt-überlieferte Namen von Flurstücken, Wegen, Gehöften, Gewässern, die es nicht mehr gibt, verzeichnet. Der Spurensucher deutet auf der Karte auf "Heidäcker". Das könnte ein "Verdachtsmoment" auf eine Nekropole, auf heidnische Besiedlung ein.

Die "Indizienkette"

Schon konkreter ist die Befundsituation an der Kreisstraße SAD 54. Hier hat sich das Netz verdichtet: Funde, nicht nur aus dem frühen Mittelalter, sondern auch Silex-Material, das auf eine Freilandstation von Jägern schließen lässt, Bruchstücke von Ofenlehm, zerscherbte Urnen, Holzkohle mit organischen Anhaftungen - das ist verbrannter Brei - machen die Indizienkette noch dichter. Nur unweit davon liegen im Wald zwei Hügelgräber, die Engelhardt in der Hallstatt-Zeit, 800 bis 450 vor Christus verortet.

Es gibt Rückschläge: Beim Bau der A 93 ist "vieles weg geschoben worden". Doch auch Lichtblicke: Bei Großprojekten wie der Park- und Rastanlage Schlossberg an der A 93 waren aufgrund der Nähe zu bereits verzeichneten Fundorten archäologische Begleituntersuchungen vorgeschrieben. In diesem Fall hatte sich eine wahre Fundgrube aufgetan. Der slawische Friedhof auf dem Gerresheimer-Gelände war "ein Glücksfall", so Engelhardt, da die Firma die Kosten der Grabungen und die zeitliche Verzögerung schulterte.

"Ich bin kein Traumtänzer. Nicht jede Scherbe muss und kann erhalten werden", betont Engelhardt, während er auf dem Acker Meter für Meter abgeht. Doch die Erfassung der Vorgeschichte "hat mit Heimat, mit Verwurzelung zu tun. Wenn all das nur noch stört, schneiden wir unsere Wurzeln ab". (Hintergrund)
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