Kurze Nächte fürs Ehrenamt

Wie macht der Mann das bloß und wann schläft er überhaupt? "Meine Nächte waren schon immer kurz", lacht Ludwig Berger. Den Acker hat er meist nachts gepflügt und nach der Stadtratssitzung auch schon die Krankenhauskapelle geweißelt: Bei ihm gehört das Ehrenamt seit 60 Jahren zum Alltag.

Der eine engagiert sich bei der Feuerwehr oder bei der Blaskapelle, der andere im Sportverein, in der Dorfgemeinschaft oder in der Pfarrgemeinde. Wenn Ludwig Berger seine Ehrenämter auflistet, kommen zwei A 4-Seiten zusammen (ein unvollständiger Auszug steht im Infokasten).

Keine "Posten"

"Das kannst du doch machen!" Ludwig Berger erinnert sich noch genau an diesen Satz. Der stammt vom ehemaligen Feuerwehrkommandanten Josef Zinterer, der im Januar 1964 sein Amt nicht mehr ausüben wollte und dieses dem damals 23-jährigen Ludwig Berger andiente. "Ich hab' nichts gesagt und schon bin ich Kommandant gewesen", blendet der "Luk" zurück. Daraus wurden schließlich 27 Jahre Kommandant und nahtlos fügt sich seit inzwischen 24 Jahren das Amt des Feuerwehr-Vorstands an. Dass es im Lauf der Jahrzehnte einige Dutzend Ehrenämter werden sollten, war laut Berger "nicht geplant". "Es hat sich halt so ergeben", sagt der ehemalige Nebenerwerbslandwirt und Industriemeister. Musik habe ihm schon immer Spaß gemacht. Aber um ein Instrument zu erlernen, gab es keine Gelegenheit.

"Da hab' ich mich auf das Organisieren verlegt", so Berger. Seine Ämter waren für ihn nicht "Posten" - er hat sie voll ausgefüllt und Tag und Nacht irgendwelche Ideen entwickelt. "Das könnte man mal ausprobieren", war immer seine Devise. "Wenn ich gemerkt habe, dass etwas fehlt oder etwas notwendig wäre, habe ich mich selber drum gekümmert und bin nicht woanders hingegangen", verrät Berger sein Rezept. Dabei hätten nicht immer alle gleich "Hurra" geschrieen, "aber es hat mich niemand im Stich gelassen". "Wenn ich den Leuten damit eine Freude machen konnte, war das der größte Lohn", erklärt Berger seine Motivation und fügt im gleichen Atemzug hinzu: "Wenn nicht die ganze Familie dahinter steht, wäre das alles nicht möglich". "Ausprobiert" hat Ludwig Berger viele Sachen - auch ganz spektakuläre. Gern erinnert er sich noch daran, als er Mitte der 1980er Jahre "einfach so" an den Zeremonienmeister von Papst Johannes Paul II. schrieb und die Vorzüge des Oberviechtacher Kirchenchors für die Umrahmung des Ostergottesdienstes am Petersplatz anpries. Tatsächlich kam nach einem Jahr eine Antwort aus Rom und Ostern 1987 sang der Kirchenchor beim "Urbi et Orbi". Aufsehen erregte nicht nur der Bau des Weltrekord-Bierkrugs. Von Berger organisiert, landete auch fünfmal der "Herzblatt-Hubschrauber" in Oberviechtach. Und noch heute klingt ihm der Beifall in den Ohren, als die Stadtkapelle als erster westlicher Klangkörper auf dem Wenzelsplatz in Prag auftrat. Diese Reihe ließe sich lange fortsetzen.

Keinen Dank erwarten

Auf eines hat Berger dabei immer geachtet: "Man darf nie nach dem Eigennutz schauen und man darf auch nicht erwarten, dass einem gedankt wird". Doch auch hier kann der "Luk" einiges vorweisen, angefangen von Ehrenmitgliedschaften über Bürgermedaille, Ehrenteller und Oberpfalzteller bis hin zum Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten.
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