Lambertz: Wolf auf gutem Weg

Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz erläutert das Sichtungskonzept des Deutschen Schwimmverbandes. Bild: dpa

Die Geschichte schlug hohe Wellen. Sogar der Schwimm-Bundestrainer diskutierte auf der Facebook-Seite vom Oberpfalznetz mit. "Der DSV ignoriert Philipp Wolf", titelten wir in der vergangenen Woche. "Ich ignoriere niemanden", wehrte sich Henning Lambertz in den Kommentaren auf der Plattform.

Weiden. (mr) Schwimmer Philipp Wolf aus Altenstadt/WN, der mittlerweile für die SG Stadtwerke München an den Start geht, überzeugte bei den deutschen Meisterschaften in Wuppertal vor gut einer Woche. Über die 100 Meter Kraul hatte der 22-Jährige formell auch die Qualifikationskriterien für die Kurzbahn-WM in Doha (Katar) erfüllt. Nominiert wurde er nicht. Es stand im Raum, mit einigen talentierten Schwimmern würde vonseiten des Verbandes zu wenig kommuniziert. Auch dazu nimmt der Bundestrainer in einem Interview Stellung. Lambertz ist derzeit mit dem Nationalteam in Doha, wo am Mittwoch die Titelkämpfe beginnen.

Wie sieht Ihre Kommunikation mit den Athleten an den einzelnen Standorten aus? Wie sieht die Kommunikation mit den Heimtrainern aus?

Lambertz: Ich bin erst Ende Oktober gemeinsam mit unserem Bundestrainer Diagnostik, Frank Lamodke, für ITP-Gespräche (Individuelle Trainingsplanungsgespräche; die Red.) durch ganz Deutschland gefahren. Damit erfassen wir fast jeden Kaderschwimmer in Deutschland. Vor Ort führen wir Gespräche mit den Trainern und den Schwimmern. So waren wir zum Beispiel am 20. Oktober in München, von da aus ging es weiter nach Würzburg undsoweiter. Zudem bin ich tagtäglich per Telefon oder E-Mail mit unseren Aktiven in Kontakt.

Haben es Sportler schwieriger, in den Fokus zu gelangen, wenn sie nicht in den großen Leistungszentren trainieren, ?

Lambertz: Um in den Fokus zu gelangen: Nein. In den Fokus rückt man durch Leistung, da ist es ganz egal, für welchen Verein man schwimmt. Im Anschluss ist eine Zentralisierung an den Bundesstützpunkten - unter anderem aufgrund der besseren Kommunikation - natürlich besser.

Ist jemand mit 22 Jahren vielleicht nicht mehr so interessant, als jemand, der gerade aus dem Juniorenalter kommt?

Lambertz: Für mich ist jeder interessant, der sich entwickelt und gute Leistungen bringt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein etwas älterer Schwimmer sprunghaft weiterentwickelt ist natürlich im Vergleich zu einem jüngeren Athleten geringer.

Seit wann haben Sie Philipp Wolf im Blickfeld?

Lambertz: Philipp ist seit 2011 in unserem erweiterten Fokus. Damals hatte mich der frühere Bundestrainer Dirk Lange auf ihn aufmerksam gemacht. Mit seinem Ergebnis bei den deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Wuppertal hat Philipp jetzt nochmals einen großen Sprung gemacht.

Wo sehen Sie seine Stärken, wo seine Schwächen?

Lambertz: Philipp kann sich selbst sehr gut einstellen und seine Leistung realistisch einschätzen. Er arbeitet konsequent und besitzt einen großen Ehrgeiz.

Wie weit ist er auf dem möglichen Weg zu Olympia nach Rio?

Lambertz: Ich hoffe, dass Philipp die jetzt gezeigten Leistungen auf der Kurzbahn auch im kommenden Jahr auf der langen Bahn abrufen kann. Wenn er das hinbekommt, insbesondere über die Freistilstrecken, dann schafft er sich eine gute Basis auch mit Blick auf mögliche Staffeleinsätze bei internationalen Großereignissen in der Zukunft.
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.