Landrat noch eine Stufe schöner

Landrat Andreas Meier (37) ist seit einem Jahr im Amt. Ob er sich seinen neuen Job so vorgestellt hat, wie er die Zusammenarbeit mit Weiden sieht, was er von einem Großlandkreis Nördliche Oberpfalz hält und warum die Kliniken Nordoberpfalz AG dringend Geld braucht, erzählte er im Gespräch mit Redakteur Martin Staffe.

Haben Sie das Amt des Landrats so erwartet?

Meier: Ja, ich war zwei Jahre Stellvertreter und habe so Erfahrung und Einblick gehabt, auch in die Verwaltung. Außerdem war ich schon Bürgermeister. Ich wusste also grob, was auf mich zukommt. Aber was vom zeitlichen Umfang und vom Pensum her dranhängt, ist gewaltig. Jetzt kann ich auch einschätzen, was mein Vorgänger Simon Wittmann geleistet hat.

Lässt Ihr Terminkalender ein Familienleben oder Hobbys noch zu?

Meier: Ich habe bisher nicht allzu viele Hobbys gehabt. Mein wichtigstes Hobby war die Feuerwehr. Das hat merklich zeitlich gelitten. Wenn man sich keine Freizeit selbst reserviert und im Kalender auch als Freizeit einträgt, dann hat man tatsächlich keine. Ich mache es so, dass ich mir vier bis sechs Wochen im Voraus mal einen freien Tag oder Nachmittag einplane, und der wird dann aber auch eingehalten. Und dann habe ich auch Zeit, hauptsächlich zu Hause etwas zu machen, im Garten oder im Haus. Ich versuche, ein bis zwei Mal in der Woche in ein Fitnessstudio in Weiden zu gehen.

Haben Sie da ein Lieblingsgerät?

Meier: Nein, ich mache eine Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining, um einfach den Kopf frei zu bekommen. Ohrenstöpsel rein, Musik auf und sich dann eine Stunde verausgaben.

Fahren Sie als Landrat überhaupt noch bei einem Feuerwehreinsatz mit?

Meier: Ja, erst kürzlich. Wenn ich zu Hause bin und der Funkwecker piepst, dann fahre ich raus und bin dabei. Ich mache da auch die ganz normalen Tätigkeiten wie Ölspuren kehren oder den Verkehr regeln, also keine Führungsaufgaben. Das habe ich auch als Bürgermeister schon gemacht. Da ist dann auch der Landrat als normaler Feuerwehrmann dem Wort des Kommandanten unterworfen.

Kommt es zur gemeinsamen Atemschutzübungsstrecke in Neuhaus mit den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth sowie der Stadt Weiden?

Meier: Es kommt auf alle Fälle eine gemeinsame Übungsstrecke mit Weiden. Definitiv. Ob auch Tirschenreuth dazukommt, entscheidet der Tirschenreuther Kreisausschuss in diesen Tagen. Aber es wäre schön, weil das ein tolles Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit ist und finanziell für jeden von Vorteil.

Immer wieder spukt die Idee eines Großlandkreises Nördliche Oberpfalz in den Köpfen einiger Leute herum. Was halten Sie davon?

Meier: Ich glaube nicht, dass ich in meiner Dienstzeit einen Großlandkreis erleben werde. Ich weiß ja nicht, wie lange meine Dienstzeit dauern wird, aber ich hoffe möglichst lange. Wenn jetzt die Diskussionen wieder losgehen und gewisse Ausgliederungen aus dem Landratsamt nach Vohenstrauß oder Eschenbach in die alten Verwaltungsgebäude ins Gespräch gebracht werden, dann zeigt das, dass die Nachwehen der Gebietsreform 1972 scheinbar immer noch nicht überwunden sind. Daher ist ein großes Gebilde wie der Großlandkreis Nördliche Oberpfalz politisch nicht durchsetzbar. Ich erkenne nicht die Bereitschaft, dass Weiden oder Tirschenreuth etwas zugunsten eines Großlandkreises aufgeben. Kreistage oder Stadträte müssten sich selbst auflösen, Verwaltungen müssten zusammengefasst werden, auch das Personal. Man hätte einen Personalüberhang. Natürlich müsste Personal abgebaut werden, aber das ist ein langer Entwicklungsprozess. Ich sehe nicht, dass das jetzt schon eingeleitet wird.

Ich denke, dass die Eigenständigkeit bleiben wird, aber die Kooperation wird enger. Vielleicht wird man irgendwie gegenseitig Aufgaben übernehmen, zum Beispiel in der Beihilfeabrechnung. Das könnte auch eine zentrale Stelle für alle machen.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit dem großen Nachbarn Weiden?

Meier: Sie erstreckt sich auf die bekannten Felder wie Rettungs-Zweckverband, Kliniken Nordoberpfalz AG oder Regionalen Planungsverband. Wir haben einen regen Austausch. Menschlich und atmosphärisch gibt es keine Probleme unter den Häuptlingen. Aber Weiden hat andere Schwierigkeiten und Interessen als Neustadt. Es war vielleicht in der Vergangenheit immer ein wenig ein Problem der Perspektive. Ob Weiden den Landkreis als gleichwertigen Partner gesehen hat, das wage ich zu bezweifeln. Weil die finanzielle Lage in Weiden derzeit schlecht ist, kommen sehr viele Begehrlichkeiten und Dinge auf uns zu. Wir sollen uns häufig beteiligen. Aber ich bin schon noch hauptsächlich dafür zuständig, dass der Landkreis vernünftig wirtschaftet und dass die Finanzen passen. Wir sind nicht dafür da, die Stadt Weiden zu retten. Das können wir auch gar nicht. Wo eine Zusammenarbeit für beide Seiten sinnvoll ist, ist es für uns keine Frage. Aber Sachen, die einseitig zulasten des Landkreises gehen, die können wir nicht machen. Mir wäre es auch lieber, wenn es Weiden finanziell besser ginge. Das wäre besser für die Region.

Ein anderes Thema: Noch nie haben so viele Asylbewerber zwischen Eslarn und Kirchenthumbach gelebt. Wie geht der Landkreis damit um?

Meier: Wir setzen auf die dezentrale Unterbringung. Solange es möglich ist, wollen wir große Wohnheime mit 250 Menschen vermeiden, weil die Integration der Ausländer dezentral in Privathäusern oder -wohnungen leichter ist und das Konfliktpotenzial entschärft wird. Wenn aber die prognostizierten Zahlen eintreffen - es ist ja von einer Verdoppelung die Rede - dann werden wird das auf Dauer nicht durchhalten können, weil das ein riesiger Verwaltungsaufwand für uns ist. Wir haben schon das Personal aufgestockt. Eine Wohneinheit mit 150 Leuten verwalte ich wesentlich einfacher als 70 Wohnungen. Momentan haben wir relativ wenig Probleme. Das ist hauptsächlich das Verdienst einer ganz tollen Mannschaft im Amt und der vielen Ehrenamtlichen draußen in den Gemeinden, die mit Fingerspitzengefühl und viel Empathie arbeiten.

Was sind Sonnen- und was Schattenseiten Ihres Amtes?

Meier: Die Schattenseiten sind zum Glück nur sehr wenig. Viel Freude macht der Kontakt mit wahnsinnig vielen verschiedenen Menschen, Vereinen und Organisation. Auch die Erlebnisse, die man in so einer Position machen kann. Zum Beispiel einmal einen halben Tag im Rettungshubschrauber Christoph 80 mitzufliegen oder in Grafenwöhr in einem Panzer mitzufahren oder beim Empfang des Ministerpräsidenten eingeladen zu sein oder, was mich besonders gefreut hat, dass wir es geschafft haben, bei der Behördenverlagerung dabei zu sein.

Es ist im Sommer oftmals etwas stressig, wenn der Landrat am Wochenende bei den vielen Feierlichkeiten und Umzügen gefordert ist. Man hat die ganze Woche Betrieb, und dann ist oft nicht einmal der Sonntagvormittag oder -nachmittag frei. Wenn das dann drei, vier Wochenenden komplett so durchgeht, würde man sich mal wieder einen freien Sonntagnachmittag daheim auf der Terrasse bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen wünschen. Aber das ballt sich halt in der Sommerzeit und wird dann im Herbst wieder besser. Also die hohe Taktfrequenz, da muss man sich die Kräfte schon gewaltig einteilen, weil man sonst ausbrennt. Meine Frau Jutta unterstützt mich aber sehr und nimmt auch viele gemeinsame Termine mit mir wahr, obwohl sie den Auftritt im Rampenlicht eigentlich nicht so mag. Da bin ich schon sehr stolz auf sie.

Erstmals regieren im Kreistag CSU und SPD gemeinsam. Wie läuft's?

Meier: Gerade mit Vorsitzendem Günter Stich und Margit Kirzinger als meiner Stellvertreterin ist es eine absolut vertrauensvolle, offene und ehrliche Zusammenarbeit. Es ist klar, dass man nicht erwarten kann, dass immer die ganze SPD hinter allen Vorschlägen und Ideen steht. Bei so einer Partnerschaft gibt es immer einige, die anderer Meinung sind. Das ist okay. Aber bisher haben beide Seiten gleichberechtigt irgendwo auf Augenhöhe ihre Ideen einbringen können. Es gibt keinen "Juniorpartner". Jeder im Kreistag und auch bei den Fraktionsführerbesprechungen bekommt von mir alle Informationen. Aber wenn ich merke, dass das in irgendeiner Weise ausgenutzt oder gegen mich verwendet wird, dann werde ich mir überlegen, ob ich in Zukunft diese Offenheit beibehalte. Aber bisher gibt es keinen Grund zur Klage.

Welche Aufgaben wollen Sie bis zum Ende der Amtsperiode im Jahr 2020 erledigen?

Meier: Richtungsweisend finde ich die bauliche Modernisierung des Landratsamts mit einem Neubau am Hohlweg, weil wir dadurch die Verwaltung für die nächsten Jahrzehnte fit machen. Hier werden ganz publikumsintensive Bereiche gebündelt. Hinzu kommt, dass der Neubau barrierefrei und für die Besucher übersichtlich sein wird. Ganz wichtig ist auch die Sanierung des Gymnasiums Neustadt. Nur mit einer modernen Bildungseinrichtung können wir die Schülerzahlen stabilisieren.

Im Klinikverbund Nordoberpfalz brauchen wir eine andere Konstellation. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass Liquididät fehlt. Mit 1,5 Prozent Anteil ist Neustadt nur der ganz, ganz kleine Bruder. Wir müssen es schaffen, das Ganze auf eine andere Basis zu stellen und gleichzeitig dieses Misstrauen, diese Wunden, die noch da sind und die Bevölkerung noch ein bisschen spalten, weil die Kreiskrankenhäuser geschlossen wurden, abzubauen. Wir brauchen ein anderes Klima gegenüber diesem Klinikverbund, der für die ganze Region sehr wichtig ist.

Wie könnte die Lösung konkret ausschauen?

Meier: Wir stehen noch ganz am Anfang. Aber Fakt ist, es muss Geld in das Unternehmen. Sämtliche Bauvorhaben werden über Bürgschaften finanziert. Solange das Zinsniveau so niedrig ist, geht das schon. Aber mit jedem neuen Projekt wird die Liquididät der AG schlechter. Neustadt ist in der komfortablen Lage, finanziell gut dazustehen, und das weckt Begehrlichkeiten. Auf der einen Seite haben wir die Situation, dass die Krankenhäuser zugemacht worden sind. Wie soll ich das politisch erklären, dass wir Geld einbringen sollen, aber gleichzeitig Weiden nicht von der Mehrheit im Aufsichtsrat runtergehen will. Auf Dauer kann es so nicht weitergehen. Viele Leute aus dem Landkreis arbeiten im Klinikum Weiden und lassen sich dort behandeln. Wenn wirklich einmal größere Probleme kommen, werden wir uns nicht wegducken können. Das gemeinsame Ziel muss sein, den Klinikverbund langfristig zu stabilisieren.

Würden Sie sich heute wieder zur Wahl stellen?

Meier: Ja, das ist ein klasse Job. Bürgermeister war schon schön, aber Landrat ist noch eine Stufe schöner. Ich habe es nicht bereut. (ms)
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