Landwirte aus Leidenschaft

Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen will der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) heute deutschlandweit auf die Milchproblematik aufmerksam machen. Unterstützung findet er dabei auch vom Kreisteam Tirschenreuth mit (von links) Norbert Meißner, Landwirt Wolfgang Haberkorn, Christina Kunz und Alois Riedl. Bild: jr

Heute ist Welt-Milchtag. Da preist die Branche ihre Waren in den höchsten Tönen. Und die Bauern stimmen das Klagelied an.

Die Landwirte auf dem Hof von Wolfgang Haberkorn sind sich einig. "Es ist zuviel Milch auf dem Markt. Und das muss sich ändern". Freilich ist den Bauern aber auch klar, dass die Molkereien daran kaum Interesse haben. Deshalb wollen die Milchviehhalter heute beim "Tag der Milch" mit verschiedenen Aktionen versuchen, die brennenden Probleme lösen zu helfen.

Wolfgang Haberkorn zum Beispiel hat derzeit 65 Milchkühe in seinem Stall. Seinen neuen Betrieb am Ortsrand von Großensees bewirtschaftet er seit fünfeinhalb Jahren. Seit 31. März diesen Jahres gibt es keine Milchquote mehr. Jeder Landwirt kann so viel Milch liefern, wie er möchte. "Dabei sollte die Milchmenge sich der Nachfrage anpassen", meinen die Bauern.

"Weniger Milch auf dem Markt ist gleichbedeutend mit stärkeren und stabileren Preisen." Die aktuelle Marktsituation stimmt die Landwirte keinesfalls zufrieden. 31 Cent pro Liter gibt's derzeit, wobei die Tendenz eher nach unten geht.

Mit dem "Tag der Milch" will der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter die Bedeutung und den Wert dieses gesunden und hochwertigen Lebensmittels noch mehr in den Mittelpunkt stellen. Eigenständige Aktionen sind im Landkreis nicht geplant, berichtete das Kreisteam mit Norbert Meißner, Christina Kunz und Alois Riedl in Großensees. "Wir wollen deutlich machen, dass wir Landwirte aus Leidenschaft sind, die großes Interesse an der Zukunftsfähigkeit ihres Betriebs haben." Die Bauern sehen dringenden Handlungsbedarf. Die nachhaltige Entwicklung ihrer Betriebe erfordere hohe Investitionssummen und verlässliche Rahmenbedingungen. "Gleichzeitig bewegen wir uns in einem zunehmend liberalisierten und globalisierten Markt, in dem wir das schwächste Glied in der Wertschöpfungskette sind und das Marktrisiko praktisch alleine tragen."

Auch die gesellschaftlichen Anforderungen an die Milchviehhalter würden immer anspruchsvoller und komplexer, so die Mitglieder des Kreisteams. "Die Herausforderungen nehmen wir Milchviehhalter zwar gerne an, erwarten aber im Gegenzug auch, dass die politischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Milchmengen zeitlich befristet gedeckelt werden können, um weiteren Preisdruck zu vermeiden." Die Milchbauern sind sich sicher, dass sie dafür das Verständnis der Bevölkerung ernten werden.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/milchquote
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