Landwirtschaft ohne "Doping"

Trotz der Sommerhitze lassen es sich die sieben Angus-Jungrinder auf der Öko-Weide gut gehen. Die gewaltigen Baumkronen spenden kühlenden Schatten. Bilder: Götz

"Frische und Heimatnähe - anstelle von Bioprodukten aus Fernost": Auf ökologischen Landbau in der Heimat setzt Landwirtschaftsdirektor Dr. Siegfried Kiener. Die Familie Ram zeigt mit ihrem Bio-Bauernhof, wie es geht.

Edeldorf. (cf) Alte Ahornbäume und Buchen spenden mit ihrem mächtigen Astwerk den Schatten, in dem die Angus-Rinder grasen. Wie ein natürlicher - grüner Zaun - schirmen Haselnuss-Stauden und Weißdornhecken die drei Hektar große Wiese bei Edeldorf ab. Am Himmel kreist ein Bussard.

Hubert Ram vom "Schneinderhof" Zieglmühle bei Vohenstrauß hat das idyllische Areal angepachtet: eine Wiese, die nur mit Mist gedüngt wird. "Ohne Doping für produktionssteigernde Maßnahmen", betont der Landwirtschaftsdirektor. Er verspricht sich eine Mehrung der Artenvielfalt; so ziehen die Düngerhaufen der Kühe Insekten an und diese wiederum die Fledermäuse. "Der Mist schiebt das Leben im Boden an," sagt Bio-Landwirt Ram.

Außerdem verspricht sich Dr. Kiener für den "sensibilisierten Verbraucher" eine "Erweiterung der Geschmackspalette". Da wird der nach den strengen Demeter-Richtlinien arbeitende Landwirt Ram fast philosophisch, beschwört "Mensch-Natur-Kosmos": zurück zur Natur, zu den Wurzeln. Ihm geht es vor allem auch um das Tierwohl. Unter dem "sozialen Aspekt" bleiben bei der Familie Ram die Kälber 10 bis 12 Monate bei der Mutterkuh, bis die natürliche Abnabelung erfolgt.

Demeter als "Hefe"

Zum Metzger kommen die Tiere per Einzeltransport, was offenbar entspannend wirkt. "Jüngst lag ein Bulle wiederkäuend auf dem Hänger", erzählt Ram. Ihm schwebt eine Ganz-Jahres-Weide vor. "Wir sehen die Tiere nicht als Nahrungs-, sondern als Lebensmittel." Bei dem Treffen der Fachexperten an einem heißen Hochsommertag ergreift auch Demeter-Pionier Dietrich Pax aus Coburg das Wort. Er geißelt "100 Jahre Fehlentwicklung in der Landwirtschaft" und sieht die Zukunft im ökologischen Landbau. Im Beisein von Bauernverbands-Geschäftsführer Hans Winter spricht Pax von einer "industriellen Intensivierung der Landwirtschaft". Deshalb stehe die konventionelle Landwirtschaft in der Kritik der Gesellschaft.

Pax fordert, die Erzeugnisse nicht als Futter-, sondern als Nahrungsmittel für den Menschen zu sehen. "Demeter ist dabei die Hefe in der Entwicklung zum ökologischen Landbau hin."

Der Vize-Chef des Landwirtschaftsamts, Josef Völkl, erläutert das Förderprogramm für Weidehaltung und Pflanzenvielfalt. Weil beim Bio-Landbau die Rentabilität schlechter sei, erfolge eine Förderung über das Kulturlandschafts-Programm - als eine Art Ausgleich für die Verluste.

Gabriele und Hubert Ram laden anschließend zum Genuss selbst gemachter Rindfleisch-Burger und Nudeln aus Emmer-Spirelli sowie Dinkelhütli. Sie zeigen, dass Bio-Kost ruhig auch herzhaft sein darf und zudem lecker schmeckt.
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