Lange Flucht für 24 Menschen
Im Blickpunkt

Grafenwöhr. (myd) Im August 2014 kamen die ersten acht minderjährigen Flüchtlinge in Grafenwöhr an. Im September waren es bereits 20. Das St.-Michaels-Werk hat 22 Plätze und zwei Notplätze gemeldet. Derzeit sind alle 24 Plätze belegt. Über 18-Jährige müssen wieder in eine Gemeinschaftsunterkunft, dafür kommen neue Flüchtlinge an.

Jeder der jungen Menschen hat seine eigene Geschichte, die ihn bewogen hat, Familie und Heimat zu verlassen und sich allein auf den Weg in eine bessere Zukunft zu machen. Die Jugendlichen kommen aus dem Sudan, Eritrea, Somalia, Äthiopien, Afghanistan, Syrien und von der Elfenbeinküste. "Sie haben alle eine beschwerliche Flucht von drei Monaten bis zu vier Jahren hinter sich, bis sie deutschen Boden erreichten", erzählt Ahmed El-Zein, der als Erzieher in der Einrichtung tätig ist. Die Dauer richtete sich vor allem nach den finanziellen Mitteln der Flüchtlinge. Sie alle sind über den Landweg gekommen, mussten durch die Wüste und waren Schleppern ausgeliefert. "Misshandlungen durch die Schlepper waren dabei nicht selten", erzählt der Erzieher. "Sie mussten zwischendurch immer wieder Geld für die Schleuser erarbeiten. Dazu kam, dass sie erlebt haben, wie Freunde während der Flucht gestorben sind."

Einrichtungsleiter Reinhard Thumbeck erläuterte dazu: "Unsere Schützlinge sind alle politisch verfolgt. Sie haben die Flucht auf sich genommen, weil Familienmitglieder bereits bedroht wurden, ins Gefängnis kamen oder gar ermordet wurden." Ein anderer Grund sei, dass terroristische Vereinigungen junge Männer als Soldaten rekrutieren wollen. Wenn Jungen etwa 13 oder 14 Jahre alt sind, würden sie für die radikalen Truppen als Soldaten interessant. "Das ist auch ein Grund, warum Eltern sie losschicken. In Deutschland werden sie meist im Zug zwischen Innsbruck und München aufgegriffen und anschließend an verschiedene Aufnahmestationen verteilt."

Psychologische Belastung

Grafenwöhr. (myd) Inzwischen haben die meisten der jugendlichen Flüchtlinge wieder Kontakt zu Angehörigen im Heimatland. Sehr belastend ist, wenn sie erfahren, dass ihre verbliebenen Angehörigen weiter bedroht werden oder bereits starben. Geschwister machten sich teilweise ebenfalls auf den Weg. Die ungewisse Situation belastet die jungen Männer. Psychologische Unterstützung zur Bewältigung der traumatischen Ereignisse erhalten sie von Diplom-Psychologin Ilona Rupprecht. "Übrigens", merkt Reinhard Thumbeck an, "die Handys haben sich die Jugendlichen von ihrem Taschengeld zusammengespart. Sie bekommen zehn Euro pro Woche und sparen so lange, bis sie sich eines leisten können. Manche teilen sich ein Handy."

Wer spendet ein Skateboard?

Grafenwöhr. (myd) Ein Jugendlicher wünschte sich ein Skateboard. "Sportgeräte für draußen sind allgemein sehr willkommen", sagt Einrichtungsleiter Reinhard Thumbeck. Für eine Kontaktaufnahme steht er zur Verfügung unter Telefon 0176/96303650 oder E-Mail reinhard.thumbeck@st-michaelswerk.de.
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