Langschläfer der Pfingstschwanz

So wie auf diesen Bild, das Anfang der 70er Jahre entstanden ist, werden auch in diesem Jahr die jungen Burschen mit ihrem "Lennesriether Pfingstschwanz" durch den Ort ziehen. Bild: fvo

Am Pfingstmontag ist es wieder so weit. Ein seit über 150 Jahren zelebriertes Ritual lebt in der Marktgemeinde auf. An dem Nachmittag geht es im beschaulichen Dorf Lennesrieth alles andere als leise zu.

Waldthurn. (fvo) An 364 Tagen im Jahr ist es in Albersrieth gemächlich. Lediglich der Glockenschlag der Filialkirche St. Jakobus durchdringt regelmäßig die Stille. Wenn aber am Montag die berüchtigten Pfingstschwanzfahrer durch die Straßen ziehen, erfüllt das Dorf wildes Geschrei von Junggesellen, Peitschenknallen und Schifferklaviermusik. Ab 14 Uhr haben die jungen Burschen in Lederhosen, kariertem Hemd, Hut und Flederwisch ihre Goaseln parat.

"Müder Sack"

Noch am Vormittag weiß niemand, wer am Nachmittag den Jutesack über den Kopf gestülpt bekommt und den Lennesriether Pfingstschwanz spielen muss. Dabei ist dies ganz einfach: Wer am Morgen als letzter aus dem Bett gestiegen ist, wird als Pfingstschwanz verpflichtet.

Der "müde Sack" muss zur Strafe munter springen. Es soll ihm ja schließlich die Faulheit ausgetrieben werden. Während des Tanzes rufen die Begleiter: "Pfingstschwanz, Oarschdorm, bist heit Nacht ins Bett eigfrorn. Warst eiher aufgstandn, was das doch niat worn. Oier und Schmolz hein mer gern - Krat und Fleisch essmer gern. Alleluja, Alleluja, da Pfingstschwanz is dou." Obendrein wird das tanzende Opfer mit Wasser begossen oder von Kindern mit der Wasserpistole angespritzt, um den springenden, juchzenden und nassen "Irgendjemand" für seine Faulheit und sein Langschläfertum zu bestrafen. Der arme Tropf ist außer mit einer Badehose einzig mit dem tropfnassen Jutesack bekleidet.

Und wenn er mal nicht begossen wird und tanzt - liegt er auf einem alten Mistkarren und wird mit großer Schadenfreude von Haus zu Haus geschoben.

Besucher des Spektakels sind willkommen - sie sollten für die jungen, ausgehungerten und durstigen Burschen einige Euro aus der Hosentasche zücken, damit sich die Truppe samt Langschläfer anschließend erholen und im Dorfwirtshaus "Zur grünen Linde" einkehren kann.
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