Laut Nachdenken über Ruheort

Ein Grab unter einer Eiche - für Viele eine schöne Vorstellung, die der Stadtrat in Form eines Ruheforsts im Eschenbacher Bürgerwald erwägt. Bilder: do

In der Natur kehrt Ruhe ein. Eine gute Zeit, über das eigene Ende nachzudenken. Manch Eschenbacher kann sich vorstellen, ewige Ruhe mitten im Wald zu finden. Andere stehen mit der Idee Friedwald eher auf Kriegsfuß.

Der Stadtförster und frühere Stadtrat Martin Gottsche zählt zu den Befürwortern des naturnahen Friedhofs im Wald - ohne Kränze und Lichter. Ein geeignetes Gelände hat der Forstmann zuletzt dem Stadtrat präsentiert. Dabei schwärmte er vom Ruhewald mit altem Eichenbestand am Oberen Birschling. Unter mächtigen Eichen soll die Grabpflege die Natur übernehmen. Eingezäunt und mit archaischem Andachtsplatz gehöre die Waldbeerdigung zu den würdevollen Formen des Abschieds, behaupten die Anhänger.

Das Thema beschäftigt auch die Kirchen. In einer zweiseitigen schriftlichen Stellungnahme setzt sich die evangelische Pfarrerin Anne Utz mit den Überlegungen auseinander. Zusammenfassend befürwortet die Ortspfarrerin in Absprache mit dem Kirchenvorstand unter bestimmten Voraussetzungen eine alternative Friedhofskultur in einem Ruhewald. Zur Wahrung religiöser Neutralität und zur Vorbeugung esoterischer Konzepte empfiehlt Anne Utz eine Trägerschaft in kommunaler Hand.

Den Friedwaldkriterien stellte Stadtpfarrer Thomas Jeschner die klassische Form eines Waldfriedhofs gegenüber. Über einen solchen könne man nachdenken, bemerkte der Kirchenmann und nannte als Beispiel den Waldfriedhof in Weiden. Grabstätten inmitten eines Baumbestandes seien vorstellbar, wenn für den Verstorbenen die Möglichkeit einer würdigen Bestattung bestehe und für die Angehörigen echte Trauer möglich sind. Auf jeden Fall müssen Beerdigungen in der christlich-abendländischen Trauertradition möglich sein, sagte Jeschner. Gespannt wartet der Ortspfarrer auf das bei der Ortsbegehung des Stadtrates angekündigte Gespräch.

Im Gegensatz dazu betrachtet Pfarrgemeinderatssprecherin Brigitte Metzner eine grüne Ruhestatt in der freien Natur als Herzensangelegenheit. Ein Grab im Friedhof ist für die bekennende Katholikin nicht erste Wahl. "Ich sehne mich nach einem Platz, wo Leben ist und doch ewige Ruhe herrscht, wo Vögel zwitschern und der Blätterwald rauscht." Brigitte Metzner gibt zu, mit dieser Meinung den Grundsätzen christlicher Bestattungsformen zu widersprechen. "Aber der himmlische Vater sorgt sich um alle, egal, wo wir begraben sind."

Bruno Uhl nähert sich dem Thema von einem deutlich materialistischeren Standtpunkt: Eine weitere Begräbnisstätte sei schlichtweg überflüssig. "Wir haben einen kirchlichen und einen städtischen Friedhof mit viel Leerflächen, da müssen wir nicht auch noch in den Wald gehen", findet das langjährige Mitglied der Katholischen Kirchenverwaltung. Uhl erinnert zudem an das erweiterte Angebot der Stadt an Urnengräbern. "Da wurde viel Geld in die Hand genommen". Weitere Investitionen seien hinausgeschmissenes Geld. Der ehemalige Geschäftsleiter der Stadt zweifelte auch am Bedarf in ländlichen Gegenden.
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