Lautes Gekläffe auf Facebook

"Muffin" wird seit 25. Oktober vermisst. Der kniehohe Mischlingsrüde wurde zuletzt bei Elbart, Freihung und Dürnast gesehen. Während die Familie Prockl aus Altenstadt verzweifelt nach ihm sucht, muss sich Magdalena Prockl Beschimpfungen auf Facebook gefallen lassen. Bild: bgm

"Muffin" ist fünf Jahre alt, hat schwarzes Fell mit weißer Brust und weißen Pfoten. Während seine Familie verzweifelt nach ihm sucht, wird sein Frauchen selbst zur Gejagten. Auf Facebook hetzen selbst ernannte Tierschützer gegen Magdalena Prockl.

Altenstadt/WN. (bgm) Seit Samstag, 25. Oktober, ist "Muffin" weg. Er lief gegen einen Elektrozaun und erschrak dabei offenbar so sehr, dass er nur noch gerannt ist. Prockl vermutet, dass der Hund "zu seiner Mama" wollte. Der Mischling war immer ganz auf sein Frauchen fixiert.

Unter der Woche, wenn die 22-Jährige in München Textil-Design studiert, kümmern sich normalerweise ihre Eltern um den Familienhund. Aus beruflichen Gründen mussten sie für drei Tage verreisen. "Muffin" sollte währenddessen bei einer Bekannten in der Nähe von Gebenbach bleiben, die auch einen Pferdestall mit Koppel hat. Dort war er schon öfter. "Das ist immer gut gegangen", erinnert sich Prockl. Nur dieses Mal nicht.

Große Suchaktion

Familie Prockl setzte alles in Bewegung. Sie druckte Flyer, rief bei Tierheimen an und richtete Futterstellen ein. Ihre Bekannten machten sich mit den Pferden auf den Weg, ganze Reiterstaffeln suchten nach "Muffin". "Wir haben eine Woche lang im Auto gelebt." Auch auf Ebay und in der Zeitung haben die Prockls Suchanzeigen geschaltet. Anfangs meldeten sich immer wieder Personen, die "Muffin" gesehen hatten. "Vor acht oder zehn Stunden", sagten sie. Da war "Muffin" dann längst wieder weg. Radio Ramasuri hat die Suchanzeige auf seiner Facebookseite gepostet. Prockls eigener Facebook-Eintrag wurde über 900 Mal geteilt.

Doch mit Facebook begannen auch die Probleme. Am Sonntag, 9. November, läutete gegen halb zehn am Abend das Telefon. "Ein Hund liegt in Altenstadt bei der Jet-Tankstelle im Graben. Er kann sich nicht bewegen. Er ist angefahren", sagte eine Männerstimme. Kurz darauf rief eine Frau an, mit derselben Schreckensmeldung. Die ganze Familie ist sofort los - mit Tränen in den Augen. Doch sie finden nichts. Den ganzen Montag über machten sie sich Sorgen. Haben sie in der Nacht etwas übersehen. War "Muffin" vielleicht doch dort?

Obszönes Angebot

Die Geschichte wird noch bizarrer. Am selben Abend bekommt Magdalena Prockl eine Facebook-Nachricht. "Schickst du mir ein Bild wo du im beha dastehst und ich werde dir deinen Hund bringen." Prockl denkt zuerst, dass es sich um eine Art Erpresser handelt, der "Muffin" bereits bei sich hat. "Ne ich werde ihn finden", schreibt der Landkreisbürger dann noch. Das war zu viel. Die Polizei wird bei dem jungen Mann vorstellig. Der ist ganz aufgelöst, beteuert, dass er den Hund nie hatte. Dass er sich im Bereich einer Straftat bewegte, war ihm offenbar nicht bewusst.

Auf Facebook beginnt derweil die Hetze selbst ernannter Tierschützer: ""as machst du denn? Suchst du Muffin? Halloweenparty und reiten ist natürlich wichtiger und der neue hund, da kann man den alten ja schon mal vergessen! Keine Flyer und Anwohner wissen auch nichts...", lässt sich eine Nutzerin in dem sozialen Netzwerk aus.

Von den wochenlangen Anstrengungen, die Familie Prockl bereits unternommen hatte, weiß die Nutzerin offenbar nichts. Einen neuen Hund gibt es auch nicht. "Die Dame weiß überhaupt nicht, was wir für Zeit investiert haben", empört sich Magdalena Prockl. "Ein Hund ist ein Familienmitglied, für den man Verantwortung übernommen hat und für den man, wie für ein Kind auch, Sorge tragen muss!", schreibt eine andere Nutzerin anklagend. Zwar wollten alle anfangs offenbar wirklich ihre Hilfe anbieten ("Solltet ihr eine größere Suchaktion starten wollen, einfach Bescheid gebn, wir sind auf jeden Fall dabei!!!"). Die Dynamik, mit der sich die Diskussion auf Facebook entwickelt hat, ist aber erschreckend. Neben dem Radiosender hatte auch das Weidner Tierheim eine Suchanzeige gepostet. Auf Bitte von Magdalena Prockl haben sie die Einträge gelöscht.

Einen Monat nach seinem Verschwinden ist "Muffin" noch immer nicht aufgetaucht. Eine Hoffnung der Prockls ruht noch auf den amerikanischen Siedlungen im westlichen Landkreis Neustadt und im nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach. "'Muffin' liebt Pommes und Hotdogs - mitsamt der Semmel", erzählt Magdalena Prockl. Bisher hat sie eine einzige E-Mail auf Englisch bekommen. Jemand will "Muffin" in Grafenwöhr gesehen haben.

Quälende Ungewissheit

Die Prockls, die viele tolle Erinnerungen mit dem fünfjährigen Rüden verbinden, stellen sich auch auf das Schlimmste ein. Sie befürchten, dass ihn ein Jäger erschossen hat. Das Quälendste ist aber die Ungewissheit. Magdalena Prockl ist sicher: "Es wäre für mich viel einfacher, wenn wir wüssten, was mit 'Muffin' ist."
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