Leben und Träume einer Frau

Die Regensburger Autorin Lisa Weichart las Sonntagabend in der Brucker Marktbücherei aus ihrem Debütroman. Bild: Dobler

Wo schwimmt ein Wolkenfisch? Antworten gab eine Autorenlesung in der Marktbücherei.

Von Thomas Dobler

Die Stadt Regensburg ist ein Biotop kreativer Köpfe. Nun war eine aus der Riege der Domstadt-Künstler zu Gast in der Marktbücherei. Die Autorin Lisa Weichart stammt aber nicht nur aus der Stadt an der Donau, sie macht das Leben dort selbst zum Thema.

Die moderne und einladende Bücherei war ein guter Ort für die Lesung, zu der sich auch Grünen-Politiker Rudi Sommer und Carolin Schmucker für das mitveranstaltende Volksbildungswerk eingefunden hatten. Sie und die anderen Zuhörer lernten dabei eine neue Stimme im Kanon der regionalen Literaten kennen, die sich durch ihre Fähigkeit zu nuancierter Beschreibung von Abläufen und Stimmungen auszeichnet.

Lisa Weichart las Auszüge aus ihrem Debütroman "Wolkenfisch oder: Theas Sehnsucht", der vor einem halben Jahr im Verlag Stories and Friends erschienen ist. Das Buch ist mit etwas über 140 Seiten nicht sehr dick und bietet vordergründig nur wenig spektakuläre Handlung.

Eigenes Erleben als Basis

Umso tiefer taucht die Autorin in das Seelenleben und die Wunschvorstellungen ihrer Hauptfigur Thea Hanske ein, deren Alltag sich zwischen den Anforderungen einer bürgerlichen Rumpffamilie, ihrer Arbeit in einem italienischen Spezialitätengeschäft und der von Sehnsucht und Eifersucht geprägten Beziehung zu ihrem Freund Tom bewegt. Die Arbeit im Laden gibt ihr Halt. Sie schwimmt, wie ein Fisch, durch die Gänge. Sie taucht - während sie die Regale auffüllt - auf und ab und träumt, mit dem Kopf in den Wolken davon, nach Italien zu reisen.

Wie sich zeigte, ist "Wolkenfisch" ein bewegender Text von oft beeindruckender Formulierungskraft, der einen genauen Blick auf das Innenleben einer Frau in einer schwierigen Lebens- und Liebeslage erlaubt - dabei aber auch viele amüsante Szenen bietet, gerade wenn es um den Kontakt mit den Kunden im Feinkostladen geht.

Marion Heller vom Brucker Büchereiteam stellte die Autorin anfangs nicht nur vor, sie interviewte sie nach der Lesung auch noch. Dabei erfuhren die Zuhörer, wie sich die autobiographisch gefärbten Figuren und Plätze des Romans im Prozess seines Entstehens von ihren echten Vorbildern ablösten und die Geschichte ihren fiktionalen Charakter gewann.

Es ging in dem öffentlichen Zwiegespräch auch um ein aktuelles Buch-Projekt der Schriftstellerin. "Es hat den Arbeitstitel 'Kuckucksparadies' und handelt von einem kleinen Mädchen", verriet Lisa Weichart. Augenzwinkernd gestand sie, dass es auch dafür Anleihen gebe, aus der eigenen Kindheit: "Es geht um das kleine, große Mädchen, das in uns steckt."
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