Legionäre in Lebensgröße

Die Schildkrötenformation der römischen Armee war eine besondere taktische Formation, die zum geschützten Vorrücken eingesetzt wurde.

Das Leben eines römischen Legionärs war hart: Marsch, Kampf, Training. Rund 20 bis 25 Jahre dauerte der Dienst an der Waffe im Durchschnitt. Wie es dabei genau zuging, zeigt die aktuelle Sonderausstellung im Historischen Museum Regensburg.

Es muss gewaltig gewesen sein. Wenn das Heer der Römischen Kaiserzeit aufmarschierte, donnerte der Boden. Die Ausstellung "Wir sind Legion" im Historischen Museum Regensburg widmet sich nun dem Leben und Wirken der Legionäre. Und zwar in angemessener Breite. Die Schau ist, nun ja, ausführlich. Von der Rekrutierung über Kampf, Lohn und Bestrafung bis hin zum Dasein als Veteran: Legionäre und Besucher durchlaufen hier gleichsam den Werdegang eines römischen Waffendieners vom Anfang bis zum Ende.

Dass die Protagonisten der Ausstellung in erster Linie als winzige Figürchen in Erscheinung treten, tut der Sache keinen Abbruch. Die Masse Mensch wird auf diese Weise sogar besonders anschaulich vor Augen geführt. Wie sonst kann man eine vollständige Legion in Schlachtordnung mit rund 5400 Teilnehmern ins Museum bringen?

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Tausende Zinnfiguren aus der Sammlung von Thomas Kurtz aus München bilden den Kern der Sonderausstellung im Historischen Museum. Reitereinheiten, Kohorten und ein Marschlager in der damaligen Landschaft nachempfundenen Dioramen lassen die Zeit um 100 nach Christus wieder aufleben. Ergänzt sind die Miniaturszenarien durch eine multimediale Präsentation. Originalgetreue Repliken machen die Zeit der Legionäre greifbar. Darstellungen des britischen Zeichners Graham Sumner zeigen die Legionäre in Lebensgröße. Filme und Texttafeln liefern ausführliche Informationen. Zeitgenössische Stücke aus der Sammlung des Historischen Museums runden die Präsentation ab.

Die Wechselbeziehung zwischen Sonderschau und Dauerausstellung beruht übrigens auf Gegenseitigkeit. "Die Sonderausstellung bietet die perfekte Ergänzung zur bedeutenden Abteilung Römerzeit im Historischen Museum Regensburg", heißt es von Seiten des Hauses. Das Thema hat einen örtlichen Bezug: Mit seinen Armeen, wie der in Regensburg stationierten 3. Italienischen Legion, eroberte und beherrschte Rom über Jahrhunderte ein Weltreich.

Wie dies im Detail funktionierte, wird in der Schau deutlich. Dazu gehört, dass die Legion in Regensburg zunächst einmal unter dem Zeichen des Storches stand. Etwas ungewöhnlich, wie auch der Ausstellungstext bezüglich des für jede Legion üblichen Wappentieres einräumt. Nach römischer Vorstellung kam damit jedoch das besondere Pflichtgefühl dieser Truppe zum Ausdruck.

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Dicke Socken in Sandalen

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Überhaupt wird in der Regensburger Schau ein Irrtum hinsichtlich der Homogenität des römischen Heeres ausgeräumt. Denn: Den überall gleich aussehenden Legionär gab es nicht. Allein schon aus praktischen Gründen. Den Helm zum Beispiel trug ein römischer Legionär seine gesamte Dienstzeit hindurch. Da sich die Mode hinsichtlich des Kopfschutzes aber durchaus änderte, trat ein betagter Legionär anders auf als ein Neuling. Auch die klimatischen Bedingungen der besetzten Gebiete beeinflussten das äußere Erscheinungsbild der Legionäre. Dicke Socken in Sandalen, heute ein modisches No-Go, war eine beliebte Kombination bei den Vorfahren der heute für ihre Eleganz bekannten Italiener. Zumindest bei denen, die in Germanien stationiert waren. Und das waren nicht wenige.

"Die meisten römischen Lager befanden sich an den Grenzen des Reiches." Was der Kurator der Schau, Dr. Andreas Boos, anhand einer Karte erklärt, klingt eigentlich logisch, darf aber beim Ausstellungsbesucher durch eigene Überlegung herausgefunden werden.

Auf einem großen Spielbrett kann man sich in der Schau nämlich als kriegerischer Stratege versuchen. Auch nachgebaute Schilder oder Helme dürfen angefasst werden. Nur beim Spannen einer Armbrust mahnt Kurator Boos zur Zurückhaltung. "Wir sind Legion", das darf hier nicht zu wörtlich aufgefasst werden.
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