Lehrer, die bedrohte Art

Daumen hoch für das Amberger Seminar des BLLV hieß es vor einem Jahr. Das gilt natürlich auch heuer für die in Nordbayern wohl am besten besuchte Fortbildungsveranstaltung für Lehrer. Archivbild: Hartl

"Wie heißt das Zauberwort?", fragen Eltern ihre Kinder, wenn sie ihnen beispielsweise das "Bitte" als Anstandsregel beibringen wollen. Die Schulpädagogik kennt auch eine neue magische Formel: "Kompetenzorientiert."

Amberg-Sulzbach. (zm) Dieser Begriff steht in all seinen Facetten im Mittelpunkt des 54. Amberger Seminars des Bezirksverbands des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Die Organisatoren haben diesem zweitägigen Treffen in der Kümmersbrucker Grund- und Mittelschule den Titel "Lernen und lehren ,plus'" gegeben. Sie erwarten für morgen und am Samstag, 22. Oktober, 800 bis 900 Besucher.

Bezirksvorsitzende Ursula Schroll (Neumarkt) erläuterte in einer Pressekonferenz den unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Seminar-Motto und aktuellen Veränderungen in der bayerischen Schulpädagogik. Auch der neue Lehrplan trage das Attribut "plus" auf dem Deckblatt und rücke den Begriff des "kompetenzorientierten Lernens" in den Vordergrund. "Wir wollen Ideengeber und der Diskussion immer ein Stück voraus sein", beschreib die Bezirksvorsitzende ein Anliegen des Amberger Seminars, dessen Ruf als erfolgreiche Veranstaltung der beruflichen Fortbildung beileibe nicht an den Grenzen der Oberpfalz oder einzelnen Schultypen haltmache.

Schroll legte zudem dar, als Berufsverband die Rolle des Lehrers im Unterrichtsalltag deutlich herausarbeiten zu wollen. Damit erteile der BLLV Strömungen, dass die Lehrkraft lediglich eine Begleitperson des schulischen Lernens sein solle, eine klare Absage. Lehrer müssten die Führungs- und Lenkungsperson des Unterrichts sein, Vorbild und Gestalter eines persönlich und individuell geprägten Lehrer-/Schülerverhältnisses. "Wenn diese ganze Beziehung stimmt", so Schroll, dann sei eine gedeihliche Grundlage für erfolgreiches Lernen gegeben.

Was das Herz begehrt

Der momentan so gerne zitierte Begriff des kompetenzorientierten Lehrens und Lernens passe sehr wohl in diese vom BLLV verfolgten Ansätze. Das thematisiere das umfassende Programmangebot des 54. Amberger Seminars ausdrücklich, unterstrichen die BLLV-Referentin Berufswissenschaft, Katja Meidenbauer, und ihr Stellvertreter Siegfried Hümmer. Fast 40 Vorträge, Referate und Workshops werden an den beiden Tagen angeboten. Sie richten sich gleichermaßen an Lehrkräfte aller Schultypen, Schulverwaltungspersonal und Erzieher vorschulischer Einrichtungen. Parallel werden an den beiden Seminartagen 29 Schulbuch- und Fachverlage mit ihren jeweiligen Programmen vertreten sein, ergänzte Wolfgang Prasse. Er kann ihnen rund 190 Tisch-Meter als Präsentationsfläche zur Verfügung stellen.

Ebenso programmatisch wie etwas provozierend klingt der Titel des Hauptreferats der beiden Tage am Samstag mit dem Titel "Nur Lernbegleiter? Unsinn, Lehrer! - Zur Rehabilitierung einer bedrohten Art". Dazu spricht um 11 Uhr der Kölner Gymnasiallehrer und Dozent in der Lehrerausbildung, Michael Felten.
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