Lehrer und Lese-Ingenieur

Ein Mann für Laptop und Ledereinband. Albert Hoffmann liebt Bücher. Während seiner Zeit als Grundschulpädagoge und danach hat er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Lesefreude zu vermitteln. Dabei nutzt er mit Vorliebe digitale Technik. Bild: Dominik Gierke

Mr. Antolin ist seit vier Jahren nicht mehr im Schuldienst. Doch der aus Kaltenbrunn stammende Erfinder des Internet-Leseprogramms mit weltweit fünf Millionen Nutzern kann es nicht lassen. Auch als Pensionär entwickelt er fleißig weiter Online-Portale, um Schülern den Spaß am Lesen näher zu bringen.

Fast könnte man meinen, der Ruhestand sei für Albert Hoffmann eine Qual. Sechs bis sieben Stunden tüftelt er jeden Tag daran, Lehrern und Schülern mit modernster Technik die Welt der Bücher schmackhaft zu machen. "Arbeit würde ich das nicht nennen. Es ist eher ein Hobby, das zufälligerweise recht sinnvoll ist", sagt der 67-Jährige, der sein Abitur am Augustinus-Gymnasium Weiden gemacht hat.

Von diesem Hobby könnte er finanziell locker leben, doch das Geld ist keineswegs der Antrieb des früheren Grundschulrektors, der heute in Unterreuth bei Passau lebt. Bei einem Auslandsjahr an einer Schule in Malaysia kam ihm die Idee zu "Antolin.de", das mittlerweile jeder deutsche Lehrer kennt. Er hat das Programm 2001 zusammen mit seinem ältesten Sohn geschrieben, der als Informatiker in Seattle arbeitet und ihn auch bei seinen neuesten Projekten unterstützt hat.

Schlauer Eulenfink

Da wäre "Owlfinch.com". "Das heißt Eulenfink und ist ein australischer Vogel. Es klingt international, und die Domain war noch frei", erklärt Hoffmann. Owlfinch ging vergangenes Jahr online und hat erst etwa 1000 Nutzer. Sein Schöpfer sieht aber durchaus Potenzial. So funktioniert's: Owlfinch bietet zu einem Thema aus dem Bereich Erdkunde, Geschichte, Heimatkunde oder Biologie Bilder, Texte und einen Fragenkatalog an, den der Schüler durcharbeiten kann. Beantwortet er eine Frage falsch, kann er es jederzeit nochmal versuchen und vertieft so sein Wissen.

Der Clou dabei: Hoffmann hat viel mit dem EU-Austauschprogramm Comenius gearbeitet. Daher hat jeder Schüler, der Owlfinch nutzt, in der Regel einen Partner an einer anderen Schule. "Die kann in Hamburg, Köln oder Neuseeland stehen." Das Programm gibt es in zehn Sprachen.

Jedes Kind kann den Eulenfink in seiner Muttersprache nutzen und sieht, was der Partner macht, der vielleicht Polnisch spricht. Hoffmann nennt das "Facebook-Effekt". Noch dieses Jahr nimmt der Schulbuch-Großverlag Kett aus Stuttgart "Owlfinch" unter seine Fittiche. Antolin betreut bereits der Braunschweiger Schrödel-Verlag.

Damit die Übersetzungen und die Technik funktionieren, hat Hoffmann vier Frauen und Männer fest angestellt, eine davon ist seine Tochter. Dazu kommen einige freie Mitarbeiter.

Mit ihnen hat er vor vier Jahren "Onilo.de" ins Leben gerufen. Damit will Hoffmann vor allem Grundschüler fesseln. Es handelt sich um leicht animierte Kinderlektüre, die mittels Beamer oder Whiteboard im Klassenzimmer in Bilder umgesetzt wird. Dazu werden kurze Texte eingeblendet, die die Klasse laut gemeinsam liest. "Die Kinder nehmen so ein Buch emotional wahr. Sie sind ganz bei der Sache, und der Lehrer hat eine schöne Stunde und wenig Arbeit."

Das funktioniere auch bei schwierigen Themen wie sexuellem Missbrauch. Über die Bild-Text-Verbindung lernen die Kleinen eben, dass sie sich besser aus dem Staub machen, wenn ein Fremder ihnen Süßigkeiten anbietet, wenn sie ihn begleiten. Bei Onilo.de arbeitet Hoffmann mit dem Kinderbuch-Verlag Oetinger in Hamburg zusammen.

Familie zieht mit

Weil der frühere Kaltenbrunner eine Idee nach der anderen ausbrütet, hat er sich auch noch ein Tool ausgedacht, das im Internet schnell individuelle Landkarten von Ländern erstellt und als Vektorgrafik exportiert.

Seine Frau stört dieser Eifer nicht, sie war selbst gerne Lehrerin. Und die drei Kinder unterstützen den Vater, wenn sie können. Ein Sohn, der in München bei Intel arbeitet, kam durch den Senior sogar auf die Idee, Hightech mit den schönen Künsten zu verknüpfen. Er bastelte eine Android-App, mit deren Hilfe sich Gedichte von Eichendorff oder Rilke lernen lassen. Eines davon könnte Goethe für den Einfallsreichtum der Hoffmanns geschrieben haben: "Alles geben die Götter".

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.unterreuth.de
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