Lehrer zur Umfrage unterwegs

Weil es an Kindern fehlt, stehen vielerorts Schulhäuser leer, und Klassen werden zusammengelegt. Wie es vor 50 Jahren in Michelfeld aussah, belegt eine Umfrage.

Einen Eindruck der Situation der Schulkinder vor 50 Jahren in Michelfeld vermittelt eine Erhebung, die ihre Lehrer damals anstellten. Den Anstoß dazu gab ihnen eine Bundestagung des Verbandes katholischer Einrichtungen der Jugenderholungs- und Heilfürsorge.

1964 kamen in den Familien des Standesamtsbereichs Michelfeld 18 Kinder zur Welt; acht Buben und zehn Mädchen. Neun Ehen wurden geschlossen. Den Geburten standen 22 Sterbefälle gegenüber. Die Michelfelder Volksschule besuchten in jenem Jahr 156 Kinder. Sie kamen aus genau 100 Familien.

In früheren Zeiten sorgten die Eltern noch für wesentlich mehr Nachwuchs. So gab es um 1800 etwa 230 bis 240 Schüler in Michelfeld. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Währungsreform wuchs der Ort um rund 70 neue Häuser. Die Zahl der Kinder pendelte sich von 1946 bis 1950, bedingt durch den Flüchtlingsstrom, auf rund 200 ein.

Vor fünf Jahrzehnten wandelten sich die sozialen Schichten und die wirtschaftlichen Strukturen. Mit 38 Prozent herrschte die Zwei-Kinder-Familie vor. 19 Prozent kamen aus Familien mit drei, 15 Prozent aus Familien mit vier, zwölf Prozent aus Familien mit fünf und mehr Kindern. 16 Prozent waren Einzelkinder.

Den höchsten Prozentsatz der Kinder stellten die Arbeiterfamilien. Zu ihnen zählten auch landwirtschaftliche Betriebe im Nebenerwerb. Das Bildungsinteresse der Familien machte sich auch dadurch bemerkbar, dass sie ihre Kinder in weiterführende Schulen schickten. Dazu gehörten die Oberrealschule in Pegnitz, die Mittelschule - heute Realschule - in Auerbach und anderen Schulen in Bayreuth und Amberg.

Vor 50 Jahren bewohnten 72 Prozent der Schülerfamilien ein eigenes Heim. Der Rest wohnte in Miete. 36 Prozent der Eltern besaßen ein Auto, 19 Prozent ein Motorrad. 72 Prozent aller Kinder hatten ein eigenes Fahrrad. Ein Radio gab es in jeder Familie, und in 44 Prozent der Haushalte stand ein Fernsehgerät.

"Die Welt der Kinder, ist bedingt durch die Modernisierung der Lebensformen innerhalb der Familien, anders geworden", stellten vor 50 Jahren die Michelfelder Lehrer fest. "Hier liegt es allein in der Hand der Eltern, die Radio- und Fernsehsendungen für die Kinder genauestens und wohlüberlegt zu dosieren", rieten sie den Erziehungsberechtigten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.