Leichenhaus wird nicht beerdigt

Der Bau eines Leichenhauses auf dem Friedhof in Wolfring gerät zur unendlichen Geschichte. Seit Monaten in jeder Sitzung des Gemeinderates diskutiert, steht nun wenigstens fest: Das Projekt befindet sich vor der Realisierung. Auch wenn es möglicherweise rund 200 000 Euro kostet.

Fensterbach. (hwo) Die Architektin Dorle Engels aus Freudenberg war wieder einmal zur Stelle. Sie erläuterte dem im Dürnsrichter Rathaus tagenden Gemeinderat einige vom Plenum gewünschte Änderungen des Plans und äußerte auch eine Kostenschätzung. Ihr ließ sich entnehmen: knapp 130 000 Euro (ohne Steuern) kommen auf die Gemeinde zu. Plus 17 000 Euro für Maßnahmen, die auf einem Areal stattfinden sollen, das der katholischen Kirche gehört. Alles in allem also geschätzte 200 000 Euro.

"Jedes Teil kostet Geld"

Ein Gespräch mit dem Pfarrer habe es unterdessen gegeben, informierte Bürgermeister Hans Schrott. Als Ergebnis aus dieser Unterredung resultierte: "Der Geistliche konnte sich nicht vorstellen, dass die Kirche etwas beisteuern kann." Das rief Widerspruch bei einigen Gemeinderäten hervor. Ähnlich war es dann bei Schrotts Vorschlag, "beim Bau auch etwas Künstlerisches mit einzuplanen." Gemeinderat Peter Neidl hielt dem Bürgermeister entgegen: "Jedes Teil kostet Geld, das wir nicht haben."

Erneutes Gespräch

Zu diesem Zeitpunkt ergriff Gemeinderat Franz Ziegelmeier aus Wolfring das Wort. Er sagte wörtlich: "Das Vorhaben wird hier Stück für Stück beerdigt." Ziegelmeier drängte auf Realisierung. Wie geht es nun weiter? Das Plenum genehmigte die Planänderungen. Es will erneut ein Gespräch mit dem Pfarrer und der Pfarrverwaltung über eine mögliche Kostenbeteiligung führen, dabei auch die endgültige Planung vorlegen.

Damit war die Debatte abgeschlossen. Doch sie entbrannte erneut, als Gemeinderat Dr. Jochen Zaremba den Antrag stellte, das Projekt "Leichenhaus" wegen der prekären Finanzlage bis 2019 auf Eis zu legen. Zarembas Argument: "Alles, was wir ausgeben, läuft auf Pump." Dabei erinnerte er an eine unumgängliche Kanalbaumaßnahme in Dürnsricht, an mögliche Kosten beim Ausbau des Breitbands. Alles kostenträchtige Vorhaben.

Antrag abgelehnt

Der Antrag brachte Gemeinderat Franz Ziegelmeier in Rage. "Wir kriegen heuer 500 000 Euro mehr an Gewerbesteuer", warf er in die Waagschale. Bürgermeister Schrott stellte sich an seine Seite und unterstrich: "Wenn wir jetzt nichts machen, wird es mit dem Bau des Leichenhauses nie etwas." Zarembas Antrag wurde anschließend abgelehnt. Immerhin aber waren vier weitere Gemeinderäte gleicher Meinung wie er.
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