Liebe auf den ersten Blick

Uwe Schimpf, alias Opa Eule, ist auf den Wanderwegen der nördlichen Oberpfalz daheim. Als Wanderwart des Heimat- und Kulturvereins Waldeck zeichnet er zudem für die Orientierung aller Wanderer verantwortlich. Die Beschilderung ist ihm eine Herzensangelegenheit. Das Besondere: Uwe Schimpf ist Berliner.

Auf den ersten Blick scheint man sich verlesen oder sein Gegenüber nicht richtig verstanden zu haben: Ein Berliner ist tatsächlich als Wanderwart des Waldecker Heimat- und Kulturvereins dafür verantwortlich, dass sich auf den Strecken rund um Waldeck niemand verirrt. Sei es im Naturpark Steinwald oder bei der Wallfahrtskirche auf dem Armesberg: Überall hat Uwe Schimpf, den seine Freunde und Bekannten nur Opa Eule nennen, seine Finger im Spiel. Penibel und detailliert pflegt er die Ausschilderung, wobei er großen Wert darauf legt, die Natur so zu belassen, wie sie ist.

___ ___

Wie kommt ein Berliner dazu, sich der Wanderwege in der Oberpfalz anzunehmen? "1968 kam ich erstmals mit meiner Frau und unserer Tochter nach Zwergau zum Urlaub auf dem Bauernhof", erzählt Uwe Schimpf. Die Geselligkeit und die malerische Landschaft hatten es der kleinen Familie sofort angetan. "Bei Menschen würde man vermutlich von Liebe auf den ersten Blick sprechen." Von da an verbrachten sie zweimal jährlich, jeweils zu Ostern und Weihnachten, die Ferien in Zwergau. Dort mietete Opa Eule 1971 für die immer länger andauernden Besuche ein kleines Haus. "Das war mit heutigen Standards und Erwartungen nicht zu vergleichen. Wir hatten kein Bad, mussten zu Nachbarn ausweichen, und die Außenverkleidung ließ ich auf eigene Kosten renovieren."

Doch für Uwe Schimpf und seine Familie stand schon immer die Geselligkeit im Vordergrund. Er veranstaltete jedes Jahr im Sommer ein Scheunenfest, zu dem viele Berliner, die ebenfalls in der Region beheimatet waren, und neue Freunde aus Zwergau und Umgebung kamen. "Wir karrten die Bierfässer aus Friedenfels an und ließen an diesem Abend richtig die Sau raus", verrät Opa Eule. Dabei entstanden Freundschaften, die heute noch Bestand haben. "Zu Beginn wäre ein Dolmetscher oft angebracht gewesen. Mit dem Oberpfälzer Dialekt kamen wir anfangs gar nicht zurecht", gesteht Schimpf. Besonders die hier verbreiteten Hausnamen der Familien hätten ihn vor große Verständnisprobleme gestellt.

Jeweils sonntags erkundeten die Schimpfs mit zwei befreundeten Ehepaaren bei ausgiebigen Wanderungen die Gegend. 1980 kaufte er schließlich ein Haus in Waldeck, ließ es sanieren und zog ein Jahr später ein. Seit 28 Jahren ist das Ehepaar Schimpf nun auch Mitglied beim Heimat- und Kulturverein. "1997 arbeitete ich sowohl in den Ferien als auch im Urlaub an der Burgruine auf dem Schlossberg mit." Alle wussten von der großen Leidenschaft Wandern und von Schimpfs guten Kenntnissen bei Wald- und Felderzugehörigkeiten. "Da kam die Anfrage, ob ich den Posten des Wanderwegewartes übernehmen wolle, nicht wirklich überraschend." Doch bis es soweit war, musste er bei den damaligen Chef-Markierern des Oberpfälzer Waldvereins (OWV) in die "Lehre" gehen. "Ich war gemeinsam mit Erich Hohlrüther und Kurt Heinold markieren und verschaffte mir dabei anscheinend Eindruck und Respekt." Inzwischen ist er dermaßen professionalisiert und behauptet voller Überzeugung: "Bei meinen Markierungen kann man sich nicht verlaufen." 2013 erhielt Schimpf das Ehrenzeichen des Bayerischen Misterpräsidenten als Würdigung der langjährigen, hervorragenden Verdienste im Ehrenamt.

___

Gewissenskonflikt

___

Waldeck hat sich mittlerweile fest als zweite Heimat der Schimpfs etabliert. "Ich bin die Hälfte des Jahres in Spandau nahe Potsdam und die andere Jahreshälfte in Waldeck", sagt der ehemalige Verwaltungsangestellte der Kliniken der Freien Universität Berlin. Meist verbringt er die großen Ferien im jeweiligen Bundesland. Unter dem Strich sei alles eine Frage der Planung. Nur jedes Jahr im Mai steht Uwe Schimpf vor einer Herausforderung. "Da überschneiden sich immer die Jahrestagung des OWV und der Geburtstag meiner Frau."

Seinem Grinsen bei dieser Erzählung ist zu entnehmen, dass er es dennoch immer mit viel Charme und Einfühlungsvermögen schafft, beide Termine unter einen Hut zu bekommen. Uwe Schimpf ist ein großer Freund der neuen Fernreise-Busse. Zwar sei er da jedes Mal sieben Stunden von Berlin nach Waldeck unterwegs, aber beim Fahrpreis von lediglich 30 Euro nimmt er die etwas längere Fahrzeit gerne in Kauf.

Große Leidenschaft des Ehepaares Schimpf sind Reisen ins Land der aufgehenden Sonne. Schon viermal waren sie in Japan. "Besonders die riesigen Nationalparks sind beeindruckend. Da kann man sich wirklich verlaufen. Vielleicht sollte ich dort auch beginnen zu markieren." Auch im fernen Asien entwickelten sich bereits Freundschaften. "Ein befreundetes Ehepaar war zum Geburtstag in Berlin zu Gast. Wir gingen anschließend mit ihnen auf Deutschland-Tour und da durfte ein Besuch in Waldeck nicht fehlen. Inklusive Wanderung versteht sich." Trotz vieler Parallelen schließt Uwe Schimpf aber aus, sich in Japan einen dritten Wohnsitz aufzubauen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.