Liebe ist das stärkste Mittel

Sie kennt sie, singt wie sie, sieht aus wie das Original: Fast echter als "die echte" verkörpert Joan Orleans die Gospel-Königin Mahalia Jackson. Kein Wunder, dass sich die Zuschauer zurückversetzt fühlen in die Zeit der 1950er Jahre. Das Musical vermittelt dabei eine klare Botschaft - und die ist heute noch aktuell.

Amberg.Ihre Karriere beginnt in der Kirche und der bleibt sie auch bis zu ihrem Tod treu: "Ich singe nur Gospel, weil ich nur das singen kann, was ich fühle", sagt Joan Orleans alias Mahalia Jackson. Und genau diese Frömmigkeit zieht sich durch das gesamte Musical, das sich dem Leben und der Karriere der "Queen of Gospel" widmet.

Aufgezogen an geschichtlichen Ereignissen erfahren die Zuschauer im Amberger Stadttheater, wie sich die Sängerin Zeit ihres Lebens gegen die ungleiche Behandlung der schwarzen Bevölkerung in Amerika engagierte, wie sich ihr Leben durch ihre Karriere von einem Tag auf den anderen änderte.

"Lieder stimmen friedlich"

Besonders markant wird dies durch die Garderobe der Hauptdarstellerin, die anfangs noch schlicht und nicht gerade die beste ist - einer ihrer Schuhabsätze ist abgebrochen. Im Laufe ihres Erfolgs werden auch ihre Kostüme feiner. Eingekleidet in weißen Pelz besucht sie ihre Tante Duke, mit der sie als kleines Kind in die Kirche ging. Doch abgehoben wirkt die Sängerin keineswegs. Bodenständig durch ihren Glauben ist sie geblieben, die Königin des Gospel.

Mit "Ihm" steht sie auch immer wieder im Zwiegespräch: Gott ist es, der ihr sagt, dass sie singen soll. "Gott will, dass ich weiter für ihn kämpfe", weiß sie. Ihre Stimme und ihre Popularität verhelfen ihr auch zu Auftritten vor dem damaligen Präsidenten John F. Kennedy. Auch Martin Luther King weiß um den Einfluss der Sängerin: "Ihre Lieder stimmen die Menschen friedlich." "Precious Lord, Take My Hand" ist es dann auch, das Mahalia Jackson bei der Beerdigung des Bürgerrechtlers anstimmt.

Auch ihr berühmtes Konzert in der Carnegie-Hall (1950) darf natürlich im Musical nicht fehlen. Mahalia Jackson war die zweite Schwarze, die dort auftreten durfte. Spätestens jetzt ist das Publikum von der tiefen sanften Stimme der Interpretin gefesselt: "Amazing Grace" und "Nobody Knows The Trouble" singt sie so, dass Gänsehaut garantiert ist.

Das Ensemble - Andrea Barker, Barbara Johnson, Deidra Jones; Melvin Canady, Robert Coverton und Kermit Gray - braucht sich hinter den Gesangskünsten der Hauptdarstellerin nicht zu verstecken. Die siebenköpfige Gruppe und die Live- Band lassen keinen Zuschauer auf den Stühlen sitzen. Besonders beeindruckend ist die berühmte Rede Kings "I have a dream", die auch auf Deutsch nichts von ihrer Schlagkraft verliert.

Gut durchdacht ist das spärlich eingerichtete Bühnenbild: Die wenigen Utensilien - Rednerpult, Bank oder Krankenbett - lenken nicht von der Handlung und der musikalischen Darbietung der Darsteller ab. Fast schon einem Aufruf gleich wendet sich Joan Orleans am Ende des Stückes an das Publikum: "Wenn wir jetzt alle nach Hause gehen und in verschiedene Richtungen fahren, dann sollten wir dennoch alle in die gleiche Richtung gehen." Dass das Thema Ungleichheit und Gleichberechtigung auch heute noch aktuell und ein Thema ist, wird spätestens jetzt jedem im Publikum bewusst.

Erfolg seit 15 Jahren

Dass das Musical nach mehr als 15 Jahren noch immer ein Erfolg ist, beweisen die begeisterten Zuhörer im Stadttheater am Donnerstag Abend: Der Spaß und die Freude, die das Ensemble auf der Bühne verkörpern, überträgt sich auf das Publikum, das drei Zugaben einfordert. Die Botschaft des Abends - "Liebe ist das stärkste Mittel" - klingt einfach. Und ist heute noch aktueller als je zuvor.
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