Lob der Schlichtheit

Zu drei Konzerten kommt der englische Songwrwiter im Oktober nach Bayern. Mit im Gepäck hat er seine neue CD "Golden Arc". Bild: Meyer Originals

Da ist er wieder, dieser staubtrockene, präzise Beat, einem stoischen Herzschlag gleich, der den Hörer bereits zu Beginn von "Golden Arc" in seinen Bann zieht. Es ist das zweite Album, das der englische Musiker Robert Coyne zusammen mit dem "Can"-Drummer Jaki Liebezeit eingespielt hat.

"Golden Arc" (Meyer Records) ist nach "The Obscure Department" ein weiterer Streich innerhalb nur eines Jahres, bei dem Liebezeit (76) dem eigentlichen Protagonisten des Projekts kraft seiner Trommelstöcke zur Hand geht: Robert Coyne. Der Engländer, geboren 1969, ist mehr als 30 Jahre jünger als sein Begleiter.

Dennoch ist der Sänger und Multiinstrumentalist Autor sämtlicher Stücke auf "Golden Arc", er gibt die stilistische Richtung vor. Was nicht zu bedeuten hat, dass Urgestein Liebezeit keinerlei Einfluss auf die Lieder genommen hätte. Coyne mag die Tracks von "Golden Arc" weitgehend ausgearbeitet gehabt haben, ehe Liebezeit zu ihm stieß. "Aber natürlich hat Jaki die Lieder noch um einiges verändert, durch seine bloße Präsenz." Der Wahl-Kölner wiederum erklärt: "Ich konnte noch nie das spielen, was man mir vorgibt. Ich kann nur das zu einem Stück beitragen, was ich empfinde. Außerdem erzielt ein Drummer meiner Ansicht nach erst dann einen Groove, wenn er den gleichen rhythmischen Zyklus stetig wiederholt."

Packende Kooperation

Entstanden ist wie schon beim Debüt eine unaufgeregte, stellenweise gar meditative - und nach mehrfachem Hören schließlich doch packende, anregende Kooperation. Während die Musik lässig und im Fluss ist, sind die Texte wie gewohnt bei Coyne düster, streckenweise verstörend.

"Obwohl ich privat glücklich verheiratet und ein entspannter Zeitgenosse bin, liebe ich es in der Arbeit, mir düstere Geschichten auszudenken", gesteht der Brite. "Vermutlich müsste ich mal einen Psychologen fragen, warum mich das Dunkle so anzieht. Aber vermutlich tue ich das besser nicht, damit ich nicht meinen harmonischen Alltag zerstöre", lacht der eher introvertierte Zeitgenosse.

Robert Coyne sieht seine Musik als "Lob der Schlichtheit", wie er es ausdrückt. "Ich arbeite bevorzugt alleine", fügt er hinzu, "dadurch wird mein Zeug beinahe zwangsweise funktional, es kommt ohne Schnörkel aus. Wobei ich mir neben Jakis Hilfe dieses Mal für einige Lieder erneut Verstärkung geholt habe, nämlich von der wundervollen Cellistin und Sängerin Aglaja Camphausen. Und auf einem Stück nötigte ich sogar meine Gattin Wendy, das sie ihren zarten Feen-Gesang beisteuert. Sie war nicht sehr glücklich darüber, da sie eine scheue Person ist. Aber da muss sie als Ehefrau leider durch."

Inniges Verhältnis

Coyne - dieser Name dürfte Musik-begeisterte ältere Semester speziell aus der Gegend Oberpfalz und Franken aufhorchen lassen. Und richtig: Robert ist in der Tat Filius von Blues-Ikone Kevin Coyne, der 1985 nach Nürnberg gekommen war, wo er im Dezember 2004 mit gerade mal 60 an Lungenfibrose starb. Wobei der Junior eher wenige Parallelen zwischen der eigenen Musik und der seines Erzeugers ausmacht: "Wir hatten zwar ein inniges Verhältnis zueinander, aber ich bin doch in erster Linie den ruhigeren Klängen verbunden, er konnte mit seiner Raspel-Stimme liebend gerne mal laut werden."

"Unterbewusst ist mein Sound vermutlich von Vaters Werk inspiriert", gibt Robert unumwunden zu. "Weil er mir die Liebe zur Kreativität, vor allem aber zur Individualität eingepflanzt hat. Wäre schön, wenn sein unsteter, verwegener Geist in meinen Liedern weiterleben würde. Vor allem auch beim Konzert am 16. Oktober - das spiele ich in Gedanken nur für ihn."
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