Lohnt sich der Aufwand?

Manuel Ziegler mit der Siegerfaust nach seinem DM-Titel in Ulm. Der deutsche Meister im Dreisprung trainiert bei seinem erneuten US-Studium unter dem Ex-Hürdenrekordler Charles Forster. Bild: dpa

Manuel Ziegler, deutscher Meister im Dreisprung, stellt sich öfter die existenzielle Frage. Trotzdem überwiegt der Reiz des Leistungssports, wenn auch ständig Abstriche nötig sind. Auf keinen Fall abschlagen konnte der Neustädter ein erneutes Studienangebot aus den USA.

Neustadt. (pek) Die deutschen Meisterschaften der Leichtathletik haben 2014 eine Reihe von Titelträgern hervorgebracht, die zum ersten Mal in der Aktivenklasse ganz oben auf dem Treppchen bei nationalen Meisterschaften gestanden haben. Zu diesen Aufsteigern des Jahres zählte auch der Neustädter Manuel Ziegler, der für die LG Telis Finanz Regensburg an den Start geht.

Seitdem hat sich für den Studenten der TU Dresden im Wesentlichen nichts geändert: Organisieren und Rechnen. In der Vorbereitungszeit zu seinem goldenen Sprung stand er fünf Monate im Praktikum, bastelte an seiner Bachelor-Arbeit und machte schließlich seinen ersten Uni-Abschluss. Dabei immer die Frage im Hinterkopf: "Lohnt sich mein Aufwand für die Leichtathletik? Wie komme ich mit den Belastungen für meinen Sport über die Runden?"

Der Sommer beantwortete zumindest die Frage nach dem riesigen Aufwand positiv. Bei der "Deutschen" in Ulm brachte er seine Leistung beim Saisonhöhepunkt aufs Brett. Bestleistung, 16,54 Meter und der erste Titel bei den Erwachsenen. "Ich bin umso glücklicher, dass ich in diesem Jahr trotz großer Belastungen eines meiner ganz großen sportlichen Ziele erreichen konnte", erklärte der 24-Jährige, der zuvor im Nachwuchsbereich schon einige nationale Titel eingesammelt hatte.

Dass Leistungssport und Studium auch anders verbunden werden können, hat er bei seinen zwei Semestern in USA 2012 und 2013 kennengelernt. Daher stellte sich für ihn erneut die Frage, wo er für diesen Spagat im Master-Studium die besten Voraussetzungen sieht. Denn Zweiter bei den nationalen US-Studentenmeisterschaften im Jahr 2013 liest sich gut für eine erneute Bewerbung zu einem weiteren Studium in den USA. Es galt mal wieder zu organisieren und abzuwägen, ob er den Sprung über den großen Teich wieder antritt oder bei seinem Erfolgstrainer Jörg Elbe in Dresden bleibt.

Unter Forsters Fittichen

Schließlich überzeugte das Studienangebot der technischen Universität in Virginia und die Unterstützung, die ihm von der US-Leichtathletik zugesprochen wurde. Charles Foster, schnellster Hürdenläufer der Welt im Jahre 1974 und 4. der Olympischen Spiele 1976, wird Manuel Ziegler als erfahrener Sprint- und Sprungtrainer in Virginia zur Seite stehen. Akkreditiert durch den sportlichen Direktor der Virginia Tech wurde auch der Marokkaner und Nordafrikameister El Hajri, der mit 16,10 Metern Bestleistung das Springerteam verstärkt.

Klar ist: Der Leistungssport soll noch professioneller verfolgt werden, die Entwicklung noch nicht zu Ende sein. "Das Jahr 2015 sehe ich als Zwischenjahr, 2016 möchte ich mit aller Kraft angreifen und versuchen, mein sportliches Potenzial maximal auszuschöpfen", lautet die Richtungsvorgabe des deutschen Meisters. Anvisiert sind internationale Normen, über die es hinausgehen soll. Die internationale Norm zur EM in Zürich hatte er 2014 um einen Zentimeter, die zweite DLV-Norm dazu um 11 Zentimeter verpasst. Die Hallen-EM in Prag 2015 mit Norm von 16,55 Metern stehen aber aufgrund seiner Entscheidung für den Weggang nach USA nicht auf dem Plan.

Vom Deutschen Leichtathletikverband (DLV) hätte er sich mehr Unterstützung gewünscht: "Förderung täte gut, anstelle nur zu fordern." Auch die Erfüllung der internationalen Norm ohne extra nochmals angehobene deutsche Norm sollte nach dem Gleichheitsprinzip überdacht werden. Denn es sollte gelten, dass alle Normen für alle Athleten gleich sind.

"Die Oberpfalz ist und bleibt meine sportliche Heimat. Alle US-Ergebnisse werden auch für meinen Verein eingebracht und zur Titelverteidigung im Sommer möchte ich trotz Riesenprogramm in den Staaten auch zu Hause an den Start gehen," fasst Manuel Ziegler seine sportlichen Pläne zusammen.
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