"Los Dos y Companeros" füllen zwei Mal die Schafferhof-Tenne und vermitteln kubanische ...
Oberpfälzisch harmoniert mit Latin-Rhythmen

Die Atmosphäre war heiß und stickig, ähnlich wie man sie sich in einem Club in Havanna vorstellen kann. Alleine was fehlte, war die vom Rauch kubanischer Zigarren geschwängerte Luft. Die Salsa-Musik riss mit ihren Rhythmen in sattem Sound die Zuhörer förmlich fort in eine andere, warme, leichtlebigere Welt, weit weg vom kalten Oberpfälzer Winter. Den Spagat zwischen authentisch lateinamerikanischer Musik und urbayerischer Lebenskultur mit Zoigl und Brotzeit schafften am Freitag und Samstag mühelos auf jeweils ausverkaufter Tenne des Schafferhofs "Los Dos y Companeros".

Aus einer anfänglichen Schnapsidee, die die zwei (Los Dos) Michael Deiml (Gesang, Maracas), alias Don Michon, und Walter Tröster (Gesang, Timbales, Guiro), alias Don Macson, 1996 in Amberg hatten, wurde eine Erfolgsgeschichte, die nunmehr 19 Jahre andauert. Die beiden Musiker begaben sich damals auf das ihnen bis dato unbekannte musikalische Terrain des Latin. Da sie aus den spanischen Texten immer wieder Sequenzen hörten, die der Oberpfälzer Mundart ähnlich waren, schrieben sie ihre Texte in unserem heimischen Dialekt.

Rauschige Vatertage

Und das harmoniert phantastisch mit den ungewohnten Latin-Rhythmen. Davon konnte sich das Publikum überzeugen. Mit ihrer Musik erzählten sie Geschichten, die man hier auch verstand. Bei ihren deutschlandweiten Auftritten mag das nicht immer so sein, aber spanisch versteht ja auch nicht jeder, sagen sie sich. So sangen sie von den Mysterien, die die Frau und den Mann umgeben, von unerfüllten und vergangenen Lieben, von Missgeschicken und Notständen ("... kann mir oina song, wou d' Weiber san, wou hanna döi?"), von coolen Säcken und rauschigen Vatertagen.

Gekleidet hatten sie ihre urigen Texte in mitreißende Musik, die die zehn Companeros auf der Schafferhof-Bühne perfekt in einem satten Sound performten. Daran schuld war ein tolles Bläsertrio mit Pedro Real (Posaune), dem Kubaner Nacho (Trompete) und Ermano Real (Saxofon) alias Markus König, Leiter der King-Size-Bigband. Den kernigen Rhythmus bestimmten die beiden Kubaner Pocho (Latindrums, Bongo) und Isan Torres (Congas) sowie Bassist Norberto. Komplettiert wurde die Band von Jose de la Vida am E-Piano und Akkordeon und Sänger El Maxito. Erkrankt war Gitarrist Don Carlos Lobo Lopez. Neben dem Strophenteil hatten die Musiker genügend Raum für Improvisationen. Den nützte vor allem der Bläsersatz reichlich aus. Heraus kamen Soli, die sich gewaschen hatten.

Mit dem Hintern wackeln

Da sich die Band schon immer gegen die kommerzielle und massentaugliche Musik sträubte, gaben sich die Musiker kämpferische Namen. Die Texte der "Salsa-Guerilleros" hatten Humor und Tiefsinn und ihre Musik höchstes Niveau.

Im zweiten Teil legten die Companeros noch ein "Schepperl" drauf, und das Publikum ging mit. Hin und wieder nahmen sie etwas Tempo raus wie beim melancholischen "D' näxte Rund'n", um dann beim schnellen Merengue vom "Franze" wieder mächtig aufs Gas zu drücken. Da sie ja Tanzmusik machen, lernten sie dem Publikum, wie man dabei in Salsa-Manier kräftig mit den Hintern wackeln kann.

Zwei Mal zurückgeklatscht

Gleich zweimal wurde die Company auf die Bühne zurückgeklatscht. Sie gab am Ende den funkig und von Reggae angehauchten Tipp, alles etwas lockerer zu nehmen ("Rech di niat af"), so wie es die Kubaner trotz aller widrigen Lebensumstände auch machen.
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