Lückenhaft wie Schweizer Käse

Das in der Auflistung aber beispielsweise Körperverletzung fehlt, ist schon diskussionswürdig.

Das erweiterte Führungszeugnis für Ehrenamtliche in der Jugendarbeit sorgt für kontroverse Diskussionen. Vereinsvertreter kritisieren erhöhten bürokratischen Aufwand, viele Ehrenamtliche sehen sich unter Generalverdacht gestellt.

Kastl. (stg) Auf Einladung der Kommunen Kastl, Kemnath, Immenreuth und Kulmain erläuterte die Kommunale Kreisjugendpflegerin Sabine Bauer vor Vereinsvertretern im Schützenhaus Kastl, was es mit dem Führungszeugnis auf sich hat. Anfangs gab sie einen Überblick über das Bundeskinderschutzgesetz und führte die rechtlichen Ausschlussgründe auf, die ein ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit verhindern.

Vereinbarung mit Vereinen

Die Referentin betonte, dass der Grundgedanke richtig sei, einschlägig vorbestrafte Personen vom direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen fernzuhalten. "Das in der Auflistung aber beispielsweise Körperverletzung fehlt, ist schon diskussionswürdig", sagte Bauer. Der Landkreis beziehungsweise das Jugendamt habe die Aufgabe, mit Vereinen Vereinbarungen abzuschließen, in denen sich diese verpflichten, das Bundeskinderschutzgesetz umzusetzen.

Immer wieder artikulierten verschiedene Anwesende ihre Kritik am Thema - und auch Bauer selbst machte keinen Hehl daraus, dass das Gesetz so viele Lücken wie ein Schweizer Käse habe. "Ich kann mich aufregen, aber ich kann das Gesetz nicht ändern", erklärte Bauer. Man müsse eben mit dem Gesetz arbeiten, das aktuell da sei. Sie zeigte sich aber optimistisch, dass es noch Konkretisierungen und Änderungen geben werde.

Bei der Verwendung des erweiterten Führungszeugnisses habe man sich im Landkreis darauf verständigt, das sogenannte "Regensburger Modell" anzuwenden: Dies bedeute konkret, dass der Ehrenamtliche nicht dem Vereinsvorsitzenden Einblick in das erweiterte Führungszeugnis gewährt, sondern einem Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung. Die dortige Amtsperson stelle eine dann Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. "Darin steht, dass bei der betreffenden Person kein Tätigkeitsausschluss nach Paragraf 72a vorliegt", erläuterte Bauer. Vereinfacht bedeute das, dass sich die Person in puncto sexueller Missbrauch, Misshandlung und Verletzung der Fürsorgepflicht nichts zuschulden habe kommen lassen.

Umsetzung der Knackpunkt

In Wortmeldungen wurde auch betont, dass das Gesetz als solches ja nicht schlecht, sondern die Art der Umsetzung das Problem sei und es keinen einheitlichen Leitfaden gebe. Bauer appellierte an die Vereine, bei Fragen und Problemen mit dem Jugendamt Kontakt aufzunehmen. "Viele Unklarheiten können wirklich in einem Telefonat beseitigt werden."
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