Maler Peter Paul Rubens starb vor 375 Jahren
Lebendige Religion

Links der Heilige Georg mit Ritterrüstung und getötetem Drachen, rechts der Heilige Hieronymus in Kardinalstracht und in der Mitte die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind. Das Werk hängt über der Grabstätte von Peter Paul Rubens in der Sankt-Jakobskirche in Antwerpen. Es war eine Auftragsarbeit, die letztlich in der Sammlung des Künstlers verblieb. Rubens, der vor 375 Jahren - am 30. Mai 1640 - im Alter von 63 Jahren nach langem Gichtleiden starb, hat nicht nur in der flämischen Stadt ein reiches künstlerisches Erbe hinterlassen.

Vier Werke im Zentrum

Rubens war einer der Lieblingsmaler der katholischen Kirche. In Antwerpen, wohin er als Zehnjähriger im Jahr 1587 wieder zurückkehrte, zeugen viele Gotteshäuser von seinem Wirken. Die vier Meisterwerke "Die Kreuzaufrichtung", "Die Kreuzabnahme", "Die Auferstehung Christi" und "Die Himmelfahrt Mariens" hängen allein in der Liebfrauenkathedrale im Zentrum der Stadt. Rubens, 1577 als Sohn eines protestantischen Rechtsanwalts im westfälischen Siegen geboren, konvertierte in Antwerpen zum Katholizismus.

Nicht nur deshalb wurde er zum Kirchenmaler par excellence. Durch Licht und Farbe fachte er die weltabgewandte Frömmigkeit seiner Vorgänger wieder an. Er brachte Lebendigkeit in die erloschene Religiosität. "Das Große Jüngste Gericht" oder "Der bethlehemitische Kindermord", beide in der Alten Pinakothek in München, zeugen von dieser dramatischen Formulierungskraft.

Sinnlichkeit, Farbe, Licht, Gewalt und mythologische Symbolik: Rubens' Bildsprache klingt in den Werken von Generationen von Künstlern nach. Pablo Picasso, Rembrandt und Gustav Klimt zum Beispiel haben in den Motiven und ausdrucksstarken Inszenierungen des Malerfürsten Inspiration gefunden. Wie groß sein Einfluss war, wurde erst vor wenigen Monaten in einer Ausstellung in Brüssel illustriert. Der mehr als 200 Jahre nach Rubens geborene Eugène Delacroix, der wegen seines großzügigen Umgangs mit Farbe als Wegbereiter des Impressionismus gilt, ließ sich zu seiner Zeit als "neuer Rubens" feiern.

Unter dem Deckmantel der Kunst trat Rubens als Diplomat im Europa des Dreißigjährigen Krieges auf. Im Rubenshaus in Antwerpen, seiner 1610 erworbenen Wohn- und Werkstätte, begegnet man dem Maler als Privatmann. In dem Anwesen im altflämischen Stil hängen Werke vom Meister und einiger seiner berühmtesten Zeitgenossen wie Anthonis van Dyck und Jacob Jordaens, denn Rubens war ein leidenschaftlicher Sammler. Bis zum 28. Juni ist dort noch eine Werkschau zu sehen, die Porträts seiner vier Kinder und seiner Ehefrauen Isabella Brant (sie starb 36-jährig an der Pest) und Hélène Fourment zeigen. Mit seiner zweiten Gemahlin liegt Rubens in der Sankt Jakobskirche begraben.
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