Mamas Noten machen Eindruck

Zum Team gehören (von links) Siegfried Fischbach, Lars Hackemesser, Azubi Luca Looshorn und Lothar Bernhardt, hier mit ihrer Chefin Gudrun Ebert sowie deren Eltern Helga und Walter Ebert. Bild: swt

"Ich wollte nie ins Büro", sagt Gudrun Ebert (41). Der Beruf der Krankenschwester reizte sie. Deshalb machte sie nach der Schule ein Praktikum im Auerbacher Krankenhaus: "Da merkte ich schnell, das ist nichts für mich." Und dachte an ein Metier, das sie von Kindesbeinen an kannte.

Als Firmenchefin in einer Männerdomäne führt Gudrun Ebert seit 2011 erfolgreich die Autowerkstatt ihrer Eltern weiter. An diesem Samstag feiert Auto Ebert mit Belegschaft und Kunden das 50-jährige Jubiläum.

Zu jener Zeit, als ihre Tochter vor der Berufswahl stand, führten die Eltern Walter und Helga Ebert bereits knapp 30 Jahre eine Opel-Werkstatt. Gudrun war von klein auf dabei, wenn der Papa oder seine Angestellten an den Autos schraubten. Deshalb entschied sie sich für eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin.

Ausbildung in Amberg

"Anfangs war es nicht einfach. Als Frau musst du immer besser sein als die Männer." Aber nach einem halben Jahr hatte sich Gudrun in ihrem Amberger Ausbildungsbetrieb einen festen Platz erobert. Ihren Abschluss schaffte sie vorzeitig mit einem Notenschnitt von 1,25. Das macht Eindruck: "Meine Kinder sagen heute: Wow, Mama, warst du gut!"

Damit stand fest, das Gudrun Ebert in den väterlichen Betrieb einsteigen würde. "Wir waren schon verwundert, aber das hat uns natürlich auch gefreut", denkt Mama Helga zurück. Und die jüngere ihrer beiden Töchter setzte noch eins drauf und lernte in Nürnberg Groß- und Außenhandelskauffrau. "Das war unabdingbar, um eine solche Firma zu führen. Auch diesen Beruf schloss sie mit verkürzter Lehrzeit und Erfolg ab. Ab 1996 stieg Gudrun dann endgültig in den Betrieb ein, den Walter Ebert 1965 gegründet hatte (siehe Infokasten).

Höhen und Tiefen

Die Firma erlebte Höhen und Tiefen. Zum Beispiel in der Opelkrise, die auch die Eberts spürten. Lehrgeld zahlte Gudrun mit einer Website, wie sie schmunzelnd erzählt. Für Erfolgserlebnisse sorgte dagegen die Abwrackprämie: "So viele Autos hab ich noch nie täglich verkauft." Bis spät in die Nacht saß sie an Büroarbeiten. Auch heute erledigt sie oft abends noch wichtigen Schriftverkehr.

Privat ist Gudrun Ebert seit 2000 mit Josef Stiefler-Ebert verheiratet. Sie haben sich über die Arbeit kennengelernt. Ein gemeinsamer Freund brachte seinen VW-Bus zur Reparatur; Josef kam als Vertreter des TÜV zur Abnahme. Da hat es gefunkt. Die beiden haben sich in Nasnitz ein Häuschen gebaut, die gemeinsamen Kinder Paula (13) und Moritz (9) machen die Familie komplett.

In Nasnitz abschalten

Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, macht Gudrun Ebert nichts aus. "Die Kinder kamen nach der Schule ja immer hierher, konnten bei meiner Mutter essen und machten hier auch ihre Hausaufgaben. Ich war also immer da für sie." Das sei in anderen Berufen oft schwieriger, findet sie. Aus der Familie schöpft sie Kraft. Für den aufreibenden Alltag hält sich Gudrun mit viel Sport fit. Und: "In Nasnitz kann ich abschalten, das ist positiv."

Mit den Eltern einen Betrieb führen, sei nicht immer spannungsfrei. Seit 2011 trägt sie die Verantwortung alleine und fühlt sich durch den Erfolg auf ihrem Weg bestätigt. Als gut bezeichnet sie den Draht zu den benachbarten Autobetrieben: "Man hilft sich schon mal gegenseitig."

Stolz auf die Tochter

Mutter Helga ist die gute Seele im Büro und auch als Oma immer da, wenn man sie braucht. Papa Walter nimmt sich nach einer Operation mehr Zeit für seinen Künstlergarten und seine Kreativwerkstatt. Beide sind stolz auf die Tochter und freuen sich, dass der Betrieb weiter geht.
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