Mammutaufgabe für Gemeinde

Hydrodynamische Bestands- und Sanierungsberechnung des Kanalnetzes - so sperrig der Fachausdruck klingt, so beunruhigend sind die Ergebnisse. Ein Ingenieurbüro hat sich der Sache angenommen.

Bechtsrieth. (bgm) Außergewöhnlich starker Regen im Juni 2013 hatte in der Gemeinde für überflutete Keller gesorgt. Das Kanalnetz konnte die Wassermassen nicht schnell genug abtransportieren, Gullys liefen über. Wo ist die Kanalisation unzureichend ausgelegt ? Das hat das Ingenieurbüro Zwick berechnet. Roland Kraus stellte die Ergebnisse im Gemeinderat vor.

Eine entscheidende Größe ist dabei das Oberflächenwasser , also die Wassermenge, die bei Regen nicht im Boden versickert, weil dieser bebaut ist. In der Dorfmitte beträgt der Anteil der befestigten Flächen 51 Prozent, in den Siedlungsgebieten 41 Prozent. Für den Bereich der Weidener Straße hat Kraus die Vorgaben aus dem Bebauungsplan übernommen. Der gibt für Mischgebiete 50 Prozent und für Wohngebiete 30 Prozent an. Da noch einige Parzellen unbebaut sind, werden diese Werte noch nicht erreicht.

Alle zwei Jahre

Den Berechnungen hat das Ingenieurbüro einen zweijährigem Regen, also ein Niederschlagsereignis, das von seiner Stärke her nur alle zwei Jahre vorkommt, zugrunde gelegt. Dabei würde in der Weidener und Höller Straße, in der Loh- und Fliederstraße sowie im Hof- und Tulpenweg und im Breiten Weg Wasser aus Schächten austreten. "Es sind relativ viele Schächte", stellte Kraus fest. "Dann können wir in Bechtsrieth ja praktisch das gesamte Kanalnetz auswechseln", meinte Michael Ederer (Gemeinschaftsliste). Kraus empfahl, Prioritäten zu setzen. Wo die Überlastung am stärksten ist oder dort, wo das Kanalnetz ohnehin saniert werden müsse oder Straßen ausgebaut werden sollen, könnte begonnen werden. "Man kann den Sanierungsplan durchaus über Jahre strecken", erklärte der Ingenieur.

Neben dem zweijährigen Regen schreiben die baurechtlichen Vorschriften auch eine Prüfung mit einem 20-jährigem Regen nach einer Sanierung vor. Auch dabei darf aus dem Kanalsystem kein Wasser austreten. Das Oberflächenwasser aber, das nicht in den Kanal läuft, könnte an einigen Stellen Schäden anrichten. Das ließe sich durch erhöhte Bordsteinkanten regeln. Diese Vorstellung gefiel Karl-Heinz Buchberger (SPD) gar nicht. Irgendwo würde das Wasser, das von den höheren Bordsteinen zunächst abgefangen werde trotzdem hin - womöglich in seinen Keller. "Dann kann ich meinen Keller als Rückstaubecken an die Gemeinde verpachten", empörte sich Buchberger.

"Letztendlich ist das schon eine Mammutaufgabe", resümierte Ederer. "Das ist auch innerhalb von 10 bis 15 Jahren nicht umsetzbar", sagte Bürgermeister Gerhard Scharl. Man würde nur Schwerpunkte angreifen können. Das Wasser- und Kanalnetz müsse kostendeckend betrieben werden. Die unausgesprochene Folgerung wären deutliche Steigerungen bei den Gebühren für die Bürger. "Es kann nicht sein, dass wir einen Kanal austauschen, der noch gut ist. Das kann man letzten Endes nur machen, wenn der Kanal zusammenfällt", so Scharl weiter. Das Bechtsriether Kanalsystem sei überwiegend in gutem Zustand. Etwa im Bereich der Fliederstraße soll zunächst das Außenwasser von den Steilhängen bekämpft werden.

Dorferneuerung

Die Dorferneuerung soll 2016 starten. Der Einleitungsbescheid liegt vor. Jetzt könne der Förderantrag gestellt werden. Als weitere Quelle neben dem Dorferneuerungsprogramm käme für den Dorfplatz Bechtsrieth das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELER) in Frage. Der Haken: Verschiedene Kommunen stehen dabei in einem Wettbewerbsverhältnis. Wer am Ende das Rennen macht und Fördermittel bekommt, ist offen. Wenn es klappt, bliebe aber aus den Mitteln der Dorferneuerung mehr für andere Maßnahmen übrig. Bürgermeister Scharl schlug vor, dass in einem ersten Abschnitt sicherheitserhöhende Maßnahmen, etwa zur Geschwindigkeitsbeschränkung an den Dorfeingängen von Bechtsrieth, angegangen werden, außerdem der Kapellenplatz in Trebsau.

Wer wann und wie bei den Planungen beteiligt wird, diese Frage - aufgeworfen von Buchberger - sorgte für Diskussionen. Bürgerbeteiligung, Vorschläge des Architekten oder aus den Workshops der Trägergruppe - was ist ausschlaggebend? "Was ist, wenn ein Gehsteig kommt? Wer muss dann räumen?", wollte Buchberger wissen. "Dafür haben wir eine Satzung. Das betrifft jeden gleich. Darauf können wir keine Rücksicht nehmen", stellte zweiter Bürgermeister Christian Steiner klar. "Alle hatten die Möglichkeit, an den Workshops teilzunehmen", meinte Ederer. "Ich will die Bürger beteiligen", sagte Bürgermeister Scharl. "Für was gab es die Trägergruppe, die Vorschläge erarbeitet hat? Wieso sollen die Vorschläge vom Architekten kommen?", wunderte sich Reinold Ruf (CSU). Markus Zilbauer (Gemeinschaftsliste) hatte andere Bedenken: "Jeder Bürger sollte die Möglichkeit haben, was zu sagen. Sonst ist die Trägergruppe schuld, wenn etwas nicht passt." Diskussion hin oder her. Am Ende fiel der Beschluss einstimmig, dass die Maßnahmen in Bechtsrieth und Trebsau 2016 starten sollen.

Schreder statt Hella

Die Pirker Straße in Trebsau wird mit Leuchten des Typs Teceo des Herstellers Schreder ausgestattet. Das sehr neue Modell überzeuge durch geringe Blendwirkung, eine breite Lichtstreuung und könne auf sechs Meter hohen Masten installiert werden. So könnten einige Masten eingespart werden, informierte Bürgermeister Scharl. Außerdem dimmen die Leuchten zwischen 24 und 4 Uhr automatisch zurück. Das bringe weiteres Sparpotential. Zunächst waren die Leuchten Streetline des Herstellers Hella vorgesehen.
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