"Man kann schon Misere sagen"

Kaum im Amt, klaffte dem neuen Weiherhammerer Bürgermeister Ludwig Biller im Frühjahr 2014 ein Finanzloch aus dem Rathausneubau entgegen, von dem vorher kaum jemand wusste. Wie viele Millionen es waren, kam nie so richtig raus. Im Interview mit Redakteur Friedrich Peterhans blickt der CSU-Mann aber lieber voraus als zurück.

Herr Biller, Sie sind jetzt ein Jahr Rathauschef. Ist es so gelaufen, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Von einigen Gegebenheiten war ich schon überrascht. Wichtig war aber, dass der Gemeinderat mit großer Mehrheit hinter den Entscheidungen stand. Man kann aber schon sagen, dass es galt, zunächst eine Misere zu bewältigen, auch im personellen Bereich.

Sie meinen die leere Kasse, obwohl Weiherhammer als Gewerbesteuer-Krösus gilt?

So ist es. Wir sind aber jetzt zum Glück wieder in der Lage einen ausgeglichenen Haushalt zu haben und 500 000 Euro Tilgung pro Jahr zu meistern. Erfreulich ist, dass die Gewerbesteuer-Einnahmen von 2,1 auf 3,5 Millionen Euro gestiegen sind und wir trotz Sparkonzept die Steuer-Hebesätze unverändert lassen konnten.

Was haben die personellen Veränderungen damit zu tun?

Es war am Anfang eine Hauptaufgabe, zusammen mit dem Geschäftsleiter wieder klare Strukturen in die Verwaltung reinzubringen. An der einen oder anderen Stelle musste man auch mal Tacheles reden, dass es nicht so weitergehen kann.

Sie meinen die Kämmerei?

Beim Rathausbau haben wir gewisse Auswirkungen bemerkt. Das bedeutete, dass wir plötzlich kein Geld mehr hatten. Das war Sache mangelnder Kommunikation und mangelnder Konzentration.

Sie haben auch Schmerzliches beschlossen, unter anderem weniger Freiwillige Leistungen, mit denen die Weiherhammerer Vereine lange verwöhnt waren.

Das war den Vereinen schon klar. Wir haben ja auch nicht alles gestrichen, sondern um 30 Prozent reduziert. Mir gegenüber haben die Bürger großes Verständnis signalisiert.

Sie kommen aus dem Klinikmanagement. War die Umstellung im Bürgermeistersessel schwierig?

Es gibt Punkte, die sind ähnlich, etwa Personalführung und Organisation. Im Krankenhauswesen war meine Aufgabe jedoch spezialisierter, im Rathaus ist es vielfältiger.

Bahnüberführung, neues Rathaus, Umgehung - Weiherhammer strotzte in den vergangenen Jahren vor Großprojekten. Sie haben weniger Geld zur Verfügung. Wo sehen Sie Möglichkeiten, eigene Akzente zu setzen.

Wir haben uns zunächst ein Sparkonzept auferlegt. Wichtig ist, dass wir nicht in die Lage kommen, nicht mehr investieren zu können. Wir werden weitere Baugebiete ausweisen und haben gerade erst wieder 15 Parzellen geschaffen. Zudem gibt es Anfragen im Gewerbegebiet. Wir werden für die erforderlichen Flächen an die Staatsforsten herantreten, weil die gemeindlichen schon alle belegt sind.

Welche Firmen klopfen denn an?

Eher kleinere, das reicht vom Kfz-Gewerbe über zwei, drei Betriebe aus dem Ort, die erweitern und dazu ins Gewerbegebiet wollen. Auch die Solarfirma Esotec und Schrott-Nasz möchten sich vergrößern.

Aber die erhoffte Edeka-Ansiedlung ist gescheitert. Der Lebensmittelriese dreht Ihnen eine lange Nase und geht nach Etzenricht. Wie erklären Sie das den Bürgern?

Ein Grund ist, dass es in Etzenricht weniger Widerstände gibt. Gewichtiger dürfte allerdings die Standortanalyse von Edeka sein. Die Firma verspricht sich in Etzenricht einfach mehr Umsatz.

Über dieser ganzen Sache vergiftete sich das Klima innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft. Weiherhammer hat sogar wegen Edeka den Flächennutzungsplan der Nachbargemeinde Etzenricht abgelehnt. Hätten Sie da Ihre Gemeinderäte nicht stoppen müssen?

Den Begriff Ablehnung stelle ich in Frage. Wir haben Einwände vorgebracht, wie sie das Gesetz vorsieht. Die haben sich als berechtigt herausgestellt. Fakt ist, dass wir Kaufkraft verlieren und weniger Chancen haben, selbst einen Vollsortimenter zu bekommen. Insofern war es unsere Pflicht, Einwände vorzubringen.

Es entstand aber der Eindruck, die Weiherhammerer sind beleidigt und gönnen Etzenricht den Vollsortimenter nicht.

Es ist unsere Aufgabe, Einkaufsmöglichkeiten in Weiherhammer sicherzustellen. Das konnten wir zum Zeitpunkt der Einwände nicht.

Ihr Kohlberger Kollege Götz hat gesagt "So etwas macht man nicht". Ihr Etzenrichter Kollege Schregelmann hat darauf hingewiesen, dass Weiherhammer das Flachglaswerk nicht hätte, wenn Etzenricht dafür nicht Grund bereitgestellt hätte.

Ich habe mit beiden Kollegen intensiv gesprochen. Wir gönnen jedem Ort seine Einkaufsmöglichkeit. Mit Martin Schregelmann habe ich nach wie vor ein gutes Verhältnis. Ich gehe davon aus, dass er das genauso sieht.

Etzenrichter schrieben schon Leserbriefe, dass sie jetzt nicht mehr nach Weiherhammer zum Einkaufen fahren.

Mir ist kein Fall bekannt, dass es tatsächlich so gekommen wäre. Etzenricht hatte doch die Chance, unsere Einwände aufzuarbeiten. Das haben sie getan. Nun haben sie uns dazu die Analyse vorgelegt. In der ist von verkleinerten Verkaufsflächen in einem für uns verträglichen Rahmen die Rede. Ich kann nun am Dienstag dem Gemeinderat vorschlagen, dass wir keine Einwände mehr haben und zustimmen können.

Sie verhandeln wegen einer Einrichtung für Betreutes Wohnen, wo das BRK mitmachen könnte. Gibt es schon Ergebnisse?

Es gibt zwei Interessenten, die investieren wollen. Es geht um eine Seniorenwohnanlage, die durch das BRK, die Malteser oder eine ähnliche Organisation versorgt werden könnte, allerdings nicht als Betreiber. Es sind zwei bis drei Flächen im Gespräch, einmal neben dem jetzigen Edeka-Markt oder gegenüber vom Fußballplatz. Das Areal dort gehört der Gemeinde.

Was wäre Ihr Favorit?

Das Gelände neben Edeka. Es ist unsere Aufgabe, die durch den Abriss der BHS-Häuser freigewordenen Flächen zu vermarkten. Parallel versucht auch die BHS, das Gelände zu verkaufen. Wir müssen uns da mit dem Unternehmen abstimmen.

Wie soll das Projekt aussehen?

Es ist alles noch in der Anfangsphase ohne Zeitrahmen. Die Investoren reden über Mischformen. Es soll eine Anlage werden, in der man sich schon als Gesunder einkaufen kann, um darin alt zu werden und um darin bis zu einer bestimmten Pflegestufe zu bleiben.

Wie ist der Stand der Dinge beim geplanten Ärztehaus gegenüber der Apotheke auf dem Hopfenmüller-Grund?

In den nächsten Wochen sollen die ersten Pläne vorliegen. Am wichtigsten ist das Signal, dass die Ärzte in Weiherhammer bleiben wollen. Ich gehe davon aus, dass Ende nächsten Jahres alles fertig ist.

Wie viele Ärzte haben Sie?

Zwei Zahnärzte, zwei Internisten und zwei Allgemeinmediziner.

Es heißt, Sie ließen sich seltener als Ihr Vorgänger in Kaltenbrunn und Dürnast sehen.

Wo haben Sie denn das aufgeschnappt? Ich höre es genau andersrum. Ich will alle Ortsteile gleich behandeln. In Kaltenbrunn und Dürnast läuft die Dorferneuerung an. Das erste Projekt ist nächstes Jahr das Gemeindehaus Dürnast. Für Kaltenbrunn wird zurzeit ein Konzept erstellt.

Wie entspannen Sie?

Ich halte mir so weit es geht die Wochenenden frei. Da bin ich nur für bestimmte Leute erreichbar. Erholung verschaffe ich mir an meinem Weiher beim Angeln, da genieße ich die Natur.

Hat sich die Familie schon darauf eingestellt?

Ein Vorteil ist, dass ich jetzt in Weiherhammer und nicht mehr in Wöllershof arbeite. Da kann ich mit meiner Frau gemeinsam zu Mittag essen.

Ihr Vorgänger Werner Windisch war einmal im Jahr an der Nordsee zum Dorschangeln. Waren Sie schon mal gemeinsam beim Fischen?

Nein, ich halte es eher mit Friedfischen und Süßwasser.
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