Markusine Guthjahr: "Der Jahreszeit entsprechend essen"
Gänseblümchen und Löwenzahn im Salat

Bereits zum siebten Mal begeisterte Markusine Guthjahr mit einem Vortrag die Mitglieder des Eschenbacher Obst- und Gartenbauvereins. Diesmal stellte sie unter anderem Wintergemüse - hier Weiß- und Blaukraut - als "Heilkraft vom Acker" vor. Bild: rn
Von Gemüse aus dem Treibhaus hält Markusine Guthjahr gar nichts: "Wegen mangelnder Sonneneinstrahlung speichern die Pflanzen Nitrat. Nach dem Verzehr wandelt es der Körper zu Nitrit um. Und Nitrit ist krebsfördernd."

Vortragsveranstaltungen mit der Kräuterexpertin aus Königstein sind beim Obst- und Gartenbauverein Selbstläufer. Auch als sie für Montag mit "Kochen mit Kräutern und Gemüse im Einklang mit den Jahreszeiten" angekündigt war, war Vorsitzendem Willi Trummer ein volles Haus sicher. Seit er Markusine Guthjahr im Jahr 2005 zum ersten Mal nach Eschenbach geholt hat, ist ihre Fangemeinde konstant gewachsen.

"Heilkraft vom Acker"

Im Gasthof "Weißes Roß" kündigte sie diesmal einen "farbigen Abend" an. Die Expertin hielt es für wichtig, "der Jahreszeit entsprechend zu essen" und sich nicht schon jetzt im Supermarkt Erdbeeren zu holen. "Überschuss fördert Überdruss", hielt sie ihren Zeitgenossen vor. Viele der industriell be- und verarbeiteten Lebensmittel sind für sie ohnehin wertlos - und teuer.

Erfreut zeigte sich die Ernährungsberaterin, dass Wintergemüse "zunehmend Mode" wird. Kraut, Rote Rüben und Wirsing stellte sie als robuste Sorten mit langer Lagerfähigkeit vor. Kraut als "Heilkraft vom Acker" empfahl sie zur Stärkung des Immunsystems und als sanftes Mittel für angeschwollene Knie. Dem Kren bescheinigte Guthjahr eine desinfizierende Wirkung auf Schleimhäuten, und von der Zwiebel, der "Königin der Küche", stelle bereits eine halbe Knolle täglich "Medizin aus der Natur" dar. Bei ihrem Gang durch den Vorratskeller pries sie mit Zubereitungsvorschlägen auch die Inhaltsstoffe von Erdartischocken - Topinambur genannt -, Schwarzwurzel, Sellerie und Gelben Rüben.

Die Kräuterexpertin überraschte ihre Zuhörer zudem mit Küchenangeboten, die die Natur im Frühjahr liefert. Die Blüten und Blätter der Gänseblümchen bezeichnete sie als ideale Beigaben zum Kartoffelsalat und den Giersch als Ersatz für Petersilie.

Die jungen Blätter des Löwenzahns, gemischt mit anderen Salaten, beschwor sie als Naturheilmittel bei Gallen- und Leberbeschwerden: "Mehrere Wochen lang täglich sechs kleine Blätter sind ein bewährtes Mittel gegen Gallensteine." Sirup aus Löwenzahnblüten - "er hält jahrelang" - empfahl sie als Honig-Ersatz. Vom Bärlauch sollten zur Zeit der Blüte nur noch die kleinen nachwachsenden Blätter in der Küche verwendet werden.

In ihr Frühlingskochprogramm nahm Guthjahr auch den Spitzwegerich auf. Er eignet sich nicht nur für Sirup und Tee. Mit Korn als Tinktur angesetzt, dient er als Mittel bei Erkältungen und in Öl angedämpft ergibt er ein schmackhaftes Suppengericht. Einen besonderen Wirkstoff enthält der Waldmeister: das Kumarin, wertvoll bei Venenerkrankungen. Beim Ansetzen als Bowle sollte jedoch nicht zu viel Waldmeister verwendet werden. "Zu viel ist ungesund", lautete die deutliche Warnung der Referentin.

Kaffeesatz fürs Osterei

Praktische Hinweise gab sie zum Färben von Eiern. Mit einem Korb gefärbter Eier bewies sie den Erfolg des Einsatzes von Kurkuma, Kaffeesatz, Rotholz, Matetee, Zwiebel und Kamille. Vor synthetisch gefärbten Eiern warnte die Kräuterexpertin dagegen. Zum Frühjahrs- und Osterbrauchtum zählte sie die Fasteneier und die Gründonnerstagssuppe mit viel Grün. Aus Zeitgründen - der Abend war bereits fortgeschritten - klammerte die Königsteinerin Sommerpflanzen und -gerichte aus. Ihr Referat schloss mit einer Frühlingsbotschaft: "Kurkuma steht im Verdacht als Vorbeuger gegen Alzheimer."

Dann gab es Gaumengenüsse für die Gartler: Eierbrotaufstrich mit wildem Schnittlauch (er wächst ab Dezember) sowie Zucchinikuchen und Quittenbrot als süßes Betthupferl. Rege Nachfrage bestand nach Guthjahrs ganz speziellem Kochbuch. Willi Trummer dankte der Referentin mit heimischem Honig. Für 8. April kündigte er Brigitte Grieß mit einem Vortrag zum Thema "Grabschmuck" an. Der für diesen Tag vorgesehene Obstbaumschnittkurs wird verschoben.
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