Matthias Kellner stellt am Schafferhof Soloalbum "Hädidadiwari" vor - Lieder und Text aus dem ...
Drei Gitarren, ein Banjo, ein Verstärker

Neuhaus. (gag) Ein Manifest auf der Klobrille. Wer hat schon so was? Matthias Kellner erzählte, wie es dazu kam. Nach einem heftigen Eierlikör- und Backrumaroma-Rausch schwörte er sich zusammen mit Freunden, dass es nie wieder so ausarten dürfe. Diese Erkenntnisse packte er in seine Texte: "Wennst glaubst, dass du woaßt wias geht, dann geht's danebm".

Drei Gitarren, ein Banjo, ein Verstärker und ein Mann auf einem Stuhl: Mehr braucht es nicht, um einen sehr unterhaltsamen Abend am Schafferhof zu gestalten. Kellner singt in niederbayerischer Mundart. Dazwischen erzählt er aus seinem Leben, dass er Schreiner gelernt und mit 20 in einer WG gewohnt hat. Ob lustig, traurig, nachdenklich, melancholisch, seine Lieder decken alle Stimmungen ab. Ergriffen lauschte das Publikum, als er über den Tod sang. "A Anzug, a Bleaml, a Kistn aus Holz".

Hätte, täte, wäre

Eine Freundin sei immer sofort von einer Idee begeistert gewesen. Ohne viel nachzudenken stürmte sie los und fiel oft auf die Nase. Die Antwort auf den gut gemeinten Rat, erst einmal abzuwägen, war der Titel von Kellners neuer CD: "Hädidadiwari", oder für Nicht-Bayern "Hätte ich, täte ich, wäre ich". Viele Menschen würden unter dem "Mittelelend" leiden, seien unzufrieden, obwohl sie alles hätten. "Obwohl wir in dem geilsten Land leben, und dann auch noch im geilsten Teil dieses Landes!" Lautstarker Beifall stimmte ihm zu. Ein besonders nachdenkliches, mit speziellen Effekten seiner Akustik-Gitarre und Loop-Station unterstütztes Lied ermahnte: "Vagiss net s'Lebm".

Auch sein bereits in Bayern 3 vorgestellter Song "Vielleicht, vielleicht" ermahnt, das Leben zu leben. "Mit woartn und woartn hat no nia wer wos erreicht." Manchmal bog sich das Publikum vor Lachen über Pointen in Kellners Geschichten, die er trocken und mit unschuldigem Blick erzählte. Etwa von seinem blauen Fiesta, und weshalb der eine rote Beifahrertür hatte.

Sprecher quatscht rein

Jugenderinnerungen kamen hoch, wenn er von seinen Aufnahmen mit dem Kassettenrecorder erzählte, "Und immer hot da Sprecher vorn oder hintn neigredt". Als der Recorder in seinem Auto kaputt war, musste er immer wieder das gleiche Lied hören, das er auch noch zweimal hintereinander aufgenommen hatte, um einmal den Anfang und einmal den Schluss ohne die "Hineinquatscher" des Sprechers zu haben: "Johnny und Mary" von Robert Palmer.

Genau dieses Lied sang Kellner nun, aber mit niederbayerischem Text. Ergriffen und begeistert lauschte das Publikum den Texten, von denen kein einziger seicht oder belanglos war. Mehrere Zugaben ließen dieses besondere Konzert ausklingen.
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