Mehr als 110 Kilometer

Der Bretterschachten ist aufgrund seiner Höhe nahezu schneesicher.

Er gilt als das schneesicherste Langlaufgebiet Deutschlands - der Bretterschachten. Oberhalb von Bodenmais und unterhalb des Arbers liegt das Eldorado für die nordischen Skisportler. Das Klima treibt hier im Bayerischen Wald solch überraschende Blüten, dass es Szenarien gibt, die man sich in einem Mittelgebirge nicht vorstellen kann.

Es ist keine Legende. "Ja, das stimmt", sagt Otto Freimuth aus Bodenmais schmunzelnd. Das habe es am Bretterschachten durchaus schon mal gegeben. Während unten im Bodenmaiser Freibad die ersten Gäste im Wasser ihre Bahnen zogen, kreiselten oben im Wonnemonat Mai noch Langläufer im Schnee. Freilich ist das eine absolute Ausnahme, die Wintersaison geht eigentlich bis Ostern, doch hier oben fühlt sich der Winter lange wohl. "Ich denke, wir sind das schneesicherste Gebiet Deutschlands", bekräftigt Freimuth. Und der 65-Jährige untermauert dies: "Als im Januar wegen Schneemangels in vielen Gebieten kaum etwas ging, kamen auch Langläufer aus dem Voralpenland zu uns." Am Bretterschachten waren die meisten Strecken gespurt. "Bei uns reichen 10 bis 15 Zentimeter Schnee."

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Freimuth ist mit einem weiteren Kollegen so etwas wie das "Mädchen für alles" im Langlaufgebiet. Der Ex-Banker und jetzige Rentner stellt Parktickets aus, macht die Wege am Eingang frei. "Oder ich helfe Leuten auf die Skier." Denn hier oben auf 1120 Metern machen viele ihre ersten Schritte auf den Langlaufbrettern. Der Übungsbereich hinter dem Gebäudekomplex des Aktivzentrums ist großzügig gehalten. Es gibt eine Übungsloipe von 1,5 Kilometern. Dazu 4er,- 6er,- 9er,- 12er,- 15er- oder 18er-Schleifen - entweder für die Skater gewalzt oder Loipen für die Klassiker. Dazu erstreckt sich die 30 Kilometer lange Auerhahn-Höhenloipe bis nach Eck. Insgesamt werden mehr als 110 Kilometer angeboten. Auf denen öffnen sich auch immer wieder Lichtungen mit grandiosen Ausblicken. Etwa hinunter nach Bodenmais oder hinauf zum König des Bayerwalds, dem Arber. Der ist aber nicht selten in Nebel gehüllt.

Freimuth kennt noch die Zeit, als es den großen Gebäudekomplex mit Loipenstüberl, Wachs- und Umkleideräumen noch nicht gab. Anfang der 1990er Jahre wurde gebaut. Der Skiclub Skadi Bodenmais ist mit seiner Hütte schon länger da. Der Verein veranstaltet am Bretterschachten auch den Skadi-Loppet-Marathon. Mitte März werden wieder etwa 1500 Langläufer erwartet.

Dann wird auch Franz Weinberger wieder für optimale Laufbedingungen sorgen. An diesem Morgen ist der 54-Jährige schon wieder seit 5 Uhr auf seinem 200 PS starken Pistenbully in den Wäldern unterwegs. Alltag im Winter. Das Gelände muss früh präpariert sein. "Es gibt welche, die sind um halb 7 Uhr mit Stirnlampen in den Loipen unterwegs", erzählt Weinberger, der für Feinheiten bei der Präparierung auch schon mal auf seinen Bob umsteigt. An Tagen mit viel Schneefall legt er weit mehr als 100 Kilometer zurück. "Zwischendurch mal tanken und Brotzeit machen, das war's dann", sagt er. Er weiß auch genau, wo Wurzeln oder Baumstümpfe lauern. Der Schnee liegt nicht mehr so hoch wie früher. "Den letzten richtigen Winter gab es 2006", erinnert er sich. "Der Schnee lag vier Meter hoch." Die Gebäude im Eingangsbereich waren völlig verschwunden."

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Nachts um 2 Uhr

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Es stürmt hier heute noch oft, oder der Nebel greift sich die Wälder. Trotzdem sind in der Hauptsaison täglich mehr als 1000 Langläufer im Gelände unterwegs, schätzt Freimuth. Vor kurzem war auch die Royal Air Force aus London zum Langlauftraining da. Der Busverkehr ab Bodenmais wurde verbessert, damit nicht alle Sportler mit dem Auto anreisen. Für die Gemeinde ist der Bretterschachten ein Draufzahlgeschäft. Ein Minus von 180 000 bis 200 000 Euro stehe pro Winter zu Buche, hat Karl Kollmaier von der Gemeindeverwaltung errechnet. Dennoch gibt es keine Überlegungen, irgendetwas zu streichen. Kollmaier: "Der Bretterschachten hat einen großen Werbe-effekt für unseren Tourismus." Auch deswegen wird Weinberger künftig viel zu tun haben. Langweilig, so versichert er, werde ihm auf seinen Fahrzeugen kaum: "Höchstens mal, wenn ich nachts um 2 Uhr hier unterwegs bin."
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