Mehr Flexibilität bei Pflege

Diplom-Soziologin und Mitglied der Kreisgeschäftsführung der Caritas-Sozialstationen, Birgit Kramer, informierte über das Pflegestärkungsgesetz 1. Bild: Schieder

Seit 1. Januar 2015 ist das Pflegestärkungsgesetz 1 in Kraft. Was es genau damit auf sich hat, das zeigte ein Vortrag bei der Jahreshauptversammlung des Krankenpflegevereins Alten- und Neuenschwand. Gleichzeitig wurde der Sinn dieser Neuerung deutlich.

Bereits der Namen "Pflegestärkungsgesetz 1" weise darauf hin, dass noch weitere Regelungen durch den Gesetzgeber vorgesehen seien, schickte Diplom-Soziologin Birgit Kramer ihren Ausführungen voraus. Das Pflegeleistungsgesetz beinhalte höhere Leistungen für Pflegebedürftige und mehr Möglichkeiten zur Betreuung, beispielsweise auch eine größere Flexibilität in der häuslichen Pflege. Kramer sagte, dass die Pflegestufen von 0 bis 3 gleichgeblieben seien, jedoch die Beträge erhöht wurden. Als Alternative zum monatlichen Pflegegeld könnten auch Pflegesachleistungen in Anspruch genommen werden. Eine Kombination aus beiden sei ebenfalls möglich, hier erfolge die Berechnung prozentual.

Selbst nachfragen

Als Beispiel nannte sie einen Patienten mit der Pflegestufe 2. Dem ambulanten Dienst stehen hier bis zu 1244 Euro monatlich zur Verfügung. Wenn 50 Prozent davon verbraucht würden, erhalte der Angehörige die andere Hälfte. Unabhängig von der Pflegestufe würden sogenannte Pflegehilfsmittel bezahlt, dies seien einheitlich bis zu 40 Euro im Monat. Unter diesen Pflegehilfsmitteln sind laut Referentin Dinge gemeint, die zum Verbrauch bestimmt seien, wie beispielsweise Einmalhandschuhe, Hautschutzcreme und Desinfektionsmittel. "Das erhalten Sie nur, wenn Sie etwas sagen, automatisch gibt es das nicht", betonte Kramer. Hier gehe der pflegende Angehörige in die Apotheke oder ins Sanitätshaus seiner Wahl und frage nach. Diese händigten Antrags-Formblätter dazu aus. Allerdings, wenn man statt der 40 Euro nur 25 Euro verbrauche, dann verfalle der Rest. Angespart werden könne hier nichts.

Nicht zu den Pflegehilfsmitteln zählten beispielsweise Inkontinenzmittel wie Windeln oder Einlagen. Diese würden vom Arzt verschrieben und von der Krankenkasse bezahlt. Die Pflegedienste müssten ihre eigenen Pflegehilfsmittel dabei haben und einsetzen: "Ambulante Dienste sind verpflichtet, diese Dinge, die er verwendet, mitzubringen." Wesentlich erweitert wurde der Anspruch auf Tages- und Nachtpflege, so die Sprecherin. Diese Leistungen könnten neben der ambulanten Pflegesachleistung und dem Pflegegeld in vollem Umfang in Anspruch genommen werden. Unter der Tages- und Nachtpflege, der teilstationären Versorgung, verstehe man die zeitweise Betreuung im Tagesverlauf in einer Pflegeeinrichtung. Diese müsse über die entsprechende Zulassung verfügen, die hier in der Gegend ihres Wissens nach alle hätten, betonte Kramer.

"Echte Entlastung"

Es bestehe beispielsweise die Möglichkeit, den Pflegebedürftigen von 9 bis 17 Uhr in der Pflegeeinrichtung unterzubringen. Dies müsse nicht jeden Tag sein, könne zum Beispiel nur an zwei Tagen in der Woche erfolgen. Selber bezahlt werden müsse ein Anteil zur Verpflegung und die Fahrtkosten. "Ich verstehe nicht, warum so Viele dieses Angebot nicht in Anspruch nehmen, denn das ist eine echte Entlastung", so die Referentin. Allerdings wisse sie keine Einrichtung, die über die Zulassung der Nachtpflege verfüge. Wesentliche Änderungen gebe es auch in der Kurzzeitpflege. Bereits ab Pflegestufe 0 bestehe ein Anspruch auf bis zu 1612 Euro für Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für maximal vier Wochen im Kalenderjahr. Auch für die Pflegestufen 1, 2 oder 3 gelte diese Summe. Viele Pflegebedürftige seien nur für eine begrenzte Zeit auf vollstationäre Pflege angewiesen. Bei der Verhinderungspflege gelte die gleiche Summe, jedoch verbleibe der zu Pflegende im häuslichen Umfeld, wie bisher. Hier könnten bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden.

Unterstützung suchen

Erhebliche Neuerungen gelten bei den Wohnumfeld verbessernden Maßnahmen. Seit 2015 betragen die Leistungen bis zu 4000 Euro, wenn mehrere Anspruchsberechtigte zusammen wohnten sogar 16 000 Euro. Hier gebe es das Geld für einen entsprechenden Umbau. Wichtig sei, dass die Reihenfolge eingehalten werde vom Antrag gestellt über die Kostenvoranschläge bis hin zur Genehmigung. Sinn des neuen Gesetzes sei, den pflegenden Angehörigen zu entlasten, damit dieser die Pflege so lange wie möglich aufrechterhalten könne.

"Nutzen Sie diese Angebote", ermunterte sie die Anwesenden. "Ohne pflegende Angehörige geht es nicht, die gehen aber an ihre Grenzen und darüber hinaus." Die Sprecherin riet dazu, sich rechtzeitig unterstützen zu lassen. Wenn es fünf nach zwölf ist, müssten schnelle Lösungen gefunden werden, die meist keine guten mehr seien.
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