Mei kloans Kerzl

Eine amüsante Geschichte aus der sogenannten guten alten Zeit - die aber gar nicht so gut war. In der Erzählung erinnert sich ein gestandenes Mannsbild an die Adventszeit seiner Kindheit zurück - aber: Dieser Schlingel war nicht ich selber.

Wenn ich so zruckdenk' an meine Kindheit, dann muss ich sagen, dass die Adventszeit für mich nicht die schönste Zeit des Jahres gwesen ist. Nein, wenn ich ehrlich bin, dann war die eher ein wenig langweilig. Dass das die "staade Zeit" ist, in der man sich jedes Jahr auf das Fest der Geburt des Jesuskinds vorbereiten soll, hat man als Bub noch nicht so verstanden. Für mich hat's halt so lang dauert, bis endlich das Christkindl kommen ist - und ich hab halt soo lang brav sein müssen!

Denn des Dumme an der Gschicht war, dass des Christkindl jede kloane Sünd' von dir gwusst hat, und wenn du gar eine mittlere Sach' auf dem Kerbholz ghabt hast, musstest du am Heiligen Abend schon zweimal unter den Christbaum schauen, damit du deine Geschenke gsehen hast. Ja, was red' ich von Geschenken! Ein Spielzeug wenn du kriegt hast, dazu ein paar Äpfel und a Handvoll Nüss', und wenn dann gar noch ein paar selbergebackene Lebkuchen dabei warn, dann warst glücklich! Nein, das bisserl Zeug hast nicht auch noch riskieren können, da hast schon brav sein müssn!

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Langeweile im Rorate

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Und so hab' ich halt gewissenhaft meine kleinen Aufgaben erfüllt, und dazu hat ghört: alle Tage in der Früh ins Rorate gehen. Da hat dich die Mutter schon rausg'schmiss'n aus dem warmen Bett. An Schnee hat's ghabt, so dass ich oft als so kleiner Erstklassler bis zu den Knien in den Schneewehen gsteckt bin. Aber ich hab' mich schon durch'kämpft bis zur Kirchn! Nach einer Weil' ist dann der Herr Pfarrer mit den Ministranten 'kommen und hat das Rorate zelebriert - alles natürlich in lateinischer Sprach und mit dem Rücken zum Volk, so dass man auch kein Wörtl verstanden hat. Für mich war des Ganze viel zu langsam. Da versteht man's schon, dass der Gottesdienst so einem Lausbuben wie mir hat langweilig werden müssen!

Wenn's da nicht in unsrer Kirchn den Adventskranz' geben hätt'. Den hat unsre Pfarrersköchin an so a riesig's Wagenradl einegflochtn, und der war dann vorn im Altarraum mit so einem windigen Strick aufghängt. Ich hab mich allerweil gwundert, dass des lausige Strickl den schweren Kranz halt.

Ich hab' hauptsächlich auf das Kerzl vom ersten Adventsonntag gschaut. Des hat's ja auch viel schwerer ghabt als die andern, es hat ja drei Wochen länger brennen müssen! Da hat des kloane Kerzl schon schaun müssen, dass es auskommen is' mit seim Wachs - und mein größter Wunsch wär's halt gwesen, wenn es mei' kloans Kerzl einmal derpackt hätt'. Die Kerzen waren für mich auch noch deshalb so interessant, weil sich der Kranz an dem Strick ganz langsam gedreht hat. Und wenn des Kerzl das zweite Mal vorbeikommen ist, dann ist die Mess' bald aus gwesen.

Einmal war ich einmal ein bisserl unaufmerksam in der Kirchn und hab' mei kloans Kerzl ein wenig vernachlässigt. Ich hab' da nämlich den Rauchfasslschwinger beobachtet, und ich hab' mir ausgmalt, wie des sein wird, wenn ich mal der Oberministrant bin und des Fassl schwingen darf. Ich hätt' des nicht so langsam hin und her geschwungen, sondern rundum! Doch seit ich beim Schlittenfahrn dem Oberministranten absichtlich einegfahrn bin, dass es ihn drei Meter weit gschmissen hat, bin ich halt in der Ministranten-Rangordnung wieder weit unten gstanden. Denn den Ministrantendienst, den haben wir Buben schon selbst geregelt. Der Stärkste von uns ist immer der Oberministrant gwordn, und gut raufen können hat er auch müssen. Ja, des war schon bei meinem Vater so, hat er mir erzählt. Und einen solchen Brauch haben wir nicht abkommen lassen!

Ja, an dem Tag wars, da hab' ich erst auf des kloane Kerzl gschaut, wie es grad das erste Mal an mir vorbei ist. Mein Gott, bin ich erschrocken! Ganz klein ist es schon gwesn, und es hat auch schon a bisserl geflackert. Da hab' ich genau gwusst: Wenn jetzt der himmlische Vater dazuhilft, dann könnt's heut' mei Kerzl derpackn. So inständig, wie ich damals gebetet hab', so hab' ich in meinem späteren Leben selten mehr beten können.

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Heiliger Florian, hilf!

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Der liebe Gott hat tatsächlich mein Flehn erhört! Und ich garantier' euch, ich war der allererste in der Kirchn, der es gesehen hat, dass der Adventskranz brennt! Und bis es der Mesner gspannt hat, war der halbe Kranz schon runtergebrannt. Aber dann ist er kommen mit seim "Ausdruckerer" und hat patscht und gschlagn, dass die Funken grad' so gflogn sind.

Der Herr Pfarrer hat's dann auch gmerkt, dass hinter ihm was los ist. "Ja, um Gottes Willen, ja, lieber Gott, lass' uns doch d' Kirch' nicht abbrennen!", hat er ganz entsetzt ausgrufen. Ich hab's sofort gmerkt, dass er sich in seiner Aufregung vertan hat: Denn für's Feuer, da wär' doch der Heilige Florian zuständig gwesen! Aber auch der hätt' nichts mehr ausgricht.

Mei kloans Kerzl hat's derpackt und hat den ganzen Adventskranz runterbrennt. Bloß mehr des riesige Wagenradl is noch vorn ghängt im Altarraum. Aber des lausige rote Strickl hat ghalten. Hätt' ich nicht glaubt! In der Kirchn hat's graucht und gstunken, aber mir, mir is' es überhaupt nimmer langweilig gwesen, und gfrorn hat's mich auch nimmer. Und das Christkindl, das ist dann auch bald kommen!
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