Meister der Wort-Verrenkungen

Mal ganz ehrlich: Wissen Sie was eine Reisemaus ist? Und wissen Sie, wieso es an manchen Oberpfälzer Teichen nach frischer Hefe riecht? Letzteres kann sofort erklärt werden: Hier - bei den duftenden Weihern - handelt sich nämlich um die besondere Spezies des "Hefeteiches".

(wro) Was es mit einer "Reisemaus" auf sich hat, das wird wohl ein gut gehütetes Geheimnis einer Zuschauerin im "Gwäxhaus" und ihres Gegenübers Willi Astor bleiben. Besonders mit blühenden Klischees und hartnäckigen Vorurteilen hatte der Wortakrobat Willi Astor am Samstagabend ständig ein Hühnchen zu rupfen. Da gehörten auch ein wenig bekannter, Pantoffelheld dazu, dessen Gattin Kanzlerin ist und natürlich auch die immer wiederkehrenden Niederlagen eines alpenländischen Nationalteams bei Begegnungen mit dem deutschsprachigen Nachbarn. "Immer bist du der "Bestimmer" so der Refrain, der resignierend an längst vergangene Kinderstreitigkeiten erinnerte.

Zwei von vielen Darbietungen aus dem neuesten Programm "Reim Time" von und mit Willi Astor. Land und Leute ließ er ebenfalls, immer auf liebenswürdige Weise, seine spitzen Seitenhiebe spüren: "Ich bin zum ersten Mal in Güttern, ich wusste gar nicht dass es hier noch Ansiedlungen gibt", erstaunte sich der Wortkünstler und Verse-Akrobat über sein neuestes Engagement. Stets genüsslich im "Wörter-See" seiner "Reim Time" badend, surfte er fast pausenlos von einer fröhlichen Schalkwelle zur nächsten, sanft getragen von einer tosenden Schaumkrone aus Lachern und Szenenapplaus.

Gelassen und spontan baute er auch kleine Störungen aus dem Publikum oder den plötzlichen "Piepsalarm" der Gwäxhaustechnik in sein Programm ein. Und weil Not am "Mann" war, ging Chefin Sandra Schinner gleich selber auf bzw. hinter die Bühne, um die Störung an der Heizung persönlich zu beseitigen.

Trotz all der "lieben" Frotzelei blieb der sympathische Künstler stets auf dem Teppich, sein Spaß saß zwar punktgenau, unter die Gürtellinie jedoch ging's nie. Thema Nummer 1 am "Andenkenstand" (Originalzitat Astor) war natürlich der Wunsch vieler Zuhörer nach weiteren Abenden dieser Art. Schließlich wollten die Gäste noch mehr vom "Reh Namens Gister" erfahren, das zur seltenen Sorte der "Hänge-Reh-Gister" gehört.

Mit Recht stellt sich bei Willi Astors Wort-Verrenkungen die Frage: Wo hat dieser Mensch nur die Flausen her, um solche Wortschöpfungen kreieren zu können? Der Münchner Unfug-Unternehmer pflegt einen sauberen und vor allem fairen Umgang mit den spitzen Dornen seiner Vers-Schmiede-Kunst - lästige Widerhaken inklusive! Wenn schon Humor, dann gleich aus dem Erzeugerbetrieb, den er liebevoll "Flunkerbunker" zu nennen pflegt. Seine Kurzgeschichten entstammen einzig und allein dem astoreigenen "Einfallsreich" und lassen Erinnerungen an Karl Valentins Sprachanarchismus aufkommen.

Zweifellos gehören die Veranstaltungen im Schinnerschen "Gwäxhaus" zu den ganz besonderen Highlights der Kunstlandschaft. Bereits im Oktober findet in Güttern das Konzert der Couplet AG "Perlen für das Volk" statt, im März macht die Schmidbauer & Kälberer-Abschiedstournee Station im Gwäxhaus. Einige Freikarten für einen dieser Abende hatte Gwäxhauschef Hans-Joachim Schinner wenige Stunden vor der Veranstaltung unter die Stühle geklebt.
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