Mensch ist kein Konsumgut

Neue Schwerpunkte setzt die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Zwar spricht alle Welt - von der Forstwirtschaft bis zu den Wissenschaften - von "Nachhaltigkeit", der Mensch selbst jedoch bleibe auf der Strecke. Diözesansekretär Markus Nickl widmete die Versammlung diesem grundlegenden Problem.

Kulmain/Kemnath. (bkr) Den Elan der harmonisch verlaufenden Versammlung des Kreisverbands Kemnath im Kulmainer Pfarrheim bremste lediglich die Festlegung der Delegierten für den Diözesantag am 13. Juni in Roding. Die 721 Mitglieder der zehn Ortsverbände entsenden Fritz Fraunholz (Kirchenlaibach), Gabi Söllner (Neusorg) sowie Ingrid Hoffmann, Otti Schönfelder und Josef Hoffmann (alle Kulmain). Trotz längerer Suche fanden sich nur Claudia Porst (Immenreuth) und Ludwig König (Brand) als Ersatzdelegierte.

Der Mensch solle immer schneller und länger arbeiten, beklagte Markus Nickl in seinem Vortrag unter der Überschrift "Nachhaltig wirtschaften". An ihm werde gespart. Pflegenotstand, die Mindestlohndebatte und großzügige Ladenöffnungszeiten, auch sonntags, unterstrichen, dass der Mensch wenig wert sei.

Große Sorglosigkeit

Der Diözesansekretär bestaunte daneben die große Sorglosigkeit der Menschen in sozialen Fragen. Viele glaubten, gut abgesichert zu sein, und verschwendeten keinen Gedanken an die Altersvorsorge. Der extrem zunehmende Bedarf an Beratungen unterstreiche dies, auch deshalb, weil sie besonders in ländlichen Gebieten keine Hilfe mehr bekommen. "Bei der Nachhaltigkeit wurde der Mensch vergessen. Er muss verstärkt in den Mittelpunkt gerückt werden", forderte Nickl, um die "Lebensarbeitszeit anständig zu überstehen".

Der Mensch sei "ein soziales Wesen und kein Konsumgut". Deshalb pochte Nickl auf eine solidarische und gerechte Veränderung der Rahmenordnung des menschlichen und sozialen Lebens. Er verlangte, die Ausbeutung der Schöpfung und der Ressourcen zu beenden, eine Ausbeutung für die Mülltonne: "Produzieren durch Hungerlohn in Entwicklungsländern, um bei uns gleich wieder im Abfalleimer zu landen."

"Wir haben kein Knappheits-, sondern ein politisch verursachtes Verteilungsproblem, das beseitigt werden muss", postulierte der Referent. Ebenso müsse das Tempo aus der Arbeitswelt herausgenommen werden. Sie führe zu einer krank machenden Übernutzung des Menschen.

Kritik übte Markus Nickl an der Rücksichtslosigkeit. Gerade Schwache würden ausgebremst. "Leben wir nicht auf einen zu hohen Materialismus? Kann das funktionieren?", fragte er. Ein gutes Wirtschaften bedinge, den Menschen als solchen anzuerkennen. Der Diözesanverband stelle daher in seiner Arbeit den Menschen verstärkt in den Mittelpunkt.
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