Menschen wie du und ich

Rosemarie Fleischer (von links) im Gespräch mit Pfarrerin Lisa Weniger und Pfarrer Norbert Große. Bild: hfz

25 Asylbewerber wohnen in Floß, Tendenz steigend. In den nächsten Wochen sollen 11 dazukommen. Um sich künftig ausreichend um die Flüchtlinge kümmern zu können, gehen die Helfer nun einen entscheidenden Schritt.

Floß. (esc) Rosemarie Fleischer ist am Ende ihrer Kräfte. Seit 2013 sorgt sie sich um die Asylbewerber in Floß. Sie gibt den Flüchtlingen Deutschunterricht, erledigt mit ihnen Behördengänge und ist ihnen im Alltag eine Stütze. Um allen und allem gerecht zu werden, ist die kaufmännische Angestellte auf Hilfe angewiesen.

Die bekommt sie von Rita Rosner, die sich einer armenischen Familie annimmt, aber auch von Diana Kühner und vielen anderen Helfern, die mit den Asylbewerbern Ausflüge unternehmen oder sie zum Essen einladen. Aber das reicht nicht. "Es wäre schön, wenn sich pro Familie ein Integrations-Pate finden würde", appelliert Fleischer an die Flosser. Alleine kann sie nicht alle betreuen. "Das geht auch an die Substanz."

Kleine Hilfe, große Freude

Deshalb wollen sich die Helfer künftig vernetzen. Unterstützung bekommt Fleischer von Pfarrerin Lisa Weniger. Am Mittwochabend trafen sich auf Initiative Wenigers 15 Interessierte, bereits Helfer und auch Neue, um einen Arbeitskreis Asyl zu gründen. "Es war ein guter Austausch", freut sich die Seelsorgerin. "Wir haben uns zum ersten Mal gegenseitig über unsere Arbeit informiert." Wer sich engagieren will, hat im Arbeitskreis vier Ansprechpartner: Pfarrer Norbert Große und Elisabeth Lehner von der katholischen Kirche sowie Weniger und Fleischer von der evangelischen Gemeinde. Sie alle wollen Integrations-Paten anwerben.

Auf dem Plan stehen unter anderem Öffentlichkeitsarbeit, weitere Treffen und die Einrichtung eines Links auf der Homepage des Marktes Floß mit einer Bedarfsliste für die Asylbewerber. Einiges ist bereits im Fluß. Der Sportverein bietet den Flüchtlingen die Möglichkeit, bei allen Angeboten mitzumachen - ohne Mitgliedsbeitrag. "Das wird bereits wahrgenommen", weiß die Pfarrerin. Viele spielen schon mit den Flossern Fußball. "Ich bin wirklich froh, dass der Austausch stattgefunden hat." Die künftigen Helfer erfuhren, dass die Asylbewerber aus Tschetschenien, Armenien, Weißrussland, Syrien und Albanien kommen. Sie sind in drei Häusern untergebracht.

Die armenische Familie, die Rosner betreut, hat ein einziges Zimmer für sich: Mama, Papa und die beiden Söhne, zehn und vier Jahre alt. "Ich übernehme für sie Ämter-Fahrten und habe sie schon zu mir zum Essen eingeladen. Ich versuche, einen Familienanschluss zu schaffen", erzählt Rosner. "Es macht Spaß, wenn man sieht, wie man mit kleinen Sachen Freude bereiten kann."

Dass es zwischen den Asylbewerbern auch mal "scheppern" kann, wie Fleischer erzählt, ist ganz normal. Schließlich sei das nur menschlich, wenn man auf so engem Raum zusammenwohnt und verschiedene Nationen aufeinandertreffen. "In einem Haus sind drei Familien und ein Ehepaar untergebracht. Sie müssen sich zwei Bäder und eine Wohnküche teilen." Bisher hat Fleischer mit etwa 40 Asylbewerbern zu tun gehabt. Zweimal die Woche unterrichtet sie die Flüchtlinge in Deutsch. "Es gibt in jeder Sprache tolles Material. Das wird auch vom Staat gefördert. Im ersten Jahr habe ich das noch von meinem Geld bezahlt." Mit dem AK Asyl "ist endlich mal ein Anfang gemacht", freut sie sich über das Engagement. Zum Beispiel sucht sie jemanden, der sich um sechs junge Männer kümmert, die in einem anderen Haus untergebracht sind. "Die sind momentan auf sich alleine gestellt", bedauert Fleischer.

Keine Sachspenden

Wichtig sei es, die Flüchtlinge auch ins kulturelle Leben einzubinden, sagt Fleischer. Ob das der Kinderfasching oder ein Besuch bei einer Ausstellung ist. "Wir brauchen keine Sachspenden, sondern Leute, die helfen", betont sie. "Das sind Menschen wie du und ich."
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