Messer-scharfsinniger Barnabas

Not macht erfinderisch: Als die Fastenpredigerin kurzfristig passen musste, hatte die SPD keinen Bock, ihr Starkbierfest deshalb ins Wasser fallen zu lassen. Sie sandte einen Hilferuf aus, der in einer anderen Fraktion Gehör fand.

Noch vor einer Woche wusste Christoph Kasseckert nicht, dass er der neue Barnabas der SPD sein wird. Das Mitglied der Freien Wähler/Aufschwung Auerbach brilliert seit Jahren in der politischen Bütt der Faschingsgesellschaft Stadtgarde. Da lag es nahe, ihn zu bitten, für die erkrankte Gerti Thumbeck einzuspringen. Und das tat der Rektor der Realschule Pegnitz mit einem Paukenschlag.

Witzig, frech und ohne Hemmungen, teilte er gegen Schwarz, Rot, Grün und Orange aus. So machte er Drohnen in der CSU aus: "Sie haben ihre Königin befruchtet und warten nun auf deren Tod!" Herbert Appl sei das Paradebeispiel für die papierlose Generation der CSU: "Die sitzen mit Handy und Tablet in der Stadtratssitzung, lesen nicht mehr, sondern wischen am Samstagvormittag über die Zeitung und wundern sich, dass die sich nicht umblättert."

Aber nicht alle seien "Wischer". Auerbach verfüge auch über Stadträte aus dem Premium-Segment, frei nach Franz Josef Strauß' Motto: "Auf Knopfdruck drei Funktionen gleichzeitig ausführen: kläffen, bellen, Stöckchen holen!"

Fröhlich und hoffnungslos

Den Gastgeber SPD bewunderte Barnabas für die fröhliche Hoffnungslosigkeit, die er zur Schau trage: "Denn die Zahl der brauchbaren SPD-Politiker kann man ja an einer Hand abzählen - wenn man vorher beherzt in die Kreissäge greift!"

Irren sei menschlich, dauernd irren sozialdemokratisch, teilte der Mönch weiter aus. Und ließ auch die Grünen in Auerbach nicht ungeschoren. Der Scheller Bernd, der Nachfolger von Marianne Mimler-Hofmann, verfolge seine Ideen im Stadtrat ohne Rücksicht auf Verluste. "Der hat keinerlei Hemmungen. Wenn es sein muss, läuft er nackt durch den Garten, damit die Biotomaten auch schön rot werden."

Viel zu früh fertig

Auch die große Politik in Berlin ließ Kasseckert nicht ungeschoren. "Im Gegensatz zu Liebe ist Groko russisches Roulette. Und eine Ehe ist russisches Roulette mit vollem Magazin", erklärte er seinen Zuhörern. Diese Vernunftehe sei ein Widerspruch in sich: "So ähnlich wie Urlaub mit Kindern!" Messer-scharfsinnig und viel zu früh fertig - Barnabas Christoph Kasseckert schlug ein wie eine Bombe. Begeistert feierte ihn das Publikum.

Und auch die nächste Programmnummer sorgte für mächtig Stimmung, Norbert Gradl und seine "Männer in den besten Jahren" Robert Schmidt, Wolfgang Popp, Hubert Steger und Rudolf Bradl heizten mit ihren musikalischen Beiträgen kräftig ein. Frei nach STS sangen sie vom letzten Sommer: "Der war sehr schön, ich bin nirgendwo in Urlaub hin. Ich will nicht nach Griechenland, denn der Tsipras raubt mir den Verstand!" Und weiter "Wir mäin die Griechen finanzier'n, dass die mit 50 ihre Rent'n kröing - ja, die Griechen ham a Hirn!"

Der Gassenhauer "Leute bin ich denn ein Kiosk ..." stand Pate für "den Hippie mit zerrissenem Hosenbein, der fragt mich freundlich, kannst du mir nen Fünfer leihn? Ich sag, Mensch, Herbert Appl, was bettelst du mich an? Ich dacht', du bist der Stadtrat, der am besten sparen kann!"

Wiederkehr des Kulthits

Der "Fensterplatz im Himmel mit Aussicht auf das Rathaus und die Stadt" ist die neue Auerbacher Hymne. Damit ließen die fünf Musiker den Saal Kopf stehen. Sie legten noch eins drauf und spielten die Glückauf-Melodie der "Bavaria Boys", eine ehemalige Auerbacher Formation, vielen als Kulthit in Erinnerung.

Unterhalten wurden die Gäste ansonsten von den "Boatzhockan", einer neuen Formation der Knabenkapelle Auerbach. Ihr Repertoire besteht aus zünftigen Wirtshausliedern und Blasmusik.
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