Metzgerhandwerk blutet aus

Auf Qualität und Kundennähe setzen Innungs-Obermeister Toni Landgraf und seine Frau Gabi. Bild: lli

Mal schnell zum Metzger um die Ecke, um noch Bratwürste für den spontanen Grillabend oder Wurst für das Abendessen zu besorgen. Für viele ist das selbstverständlich. Diese kurzfristigen Einkäufe beim "Metzger Ihres Vertrauens" könnten jedoch bald der Vergangenheit angehören.

Tirschenreuth.(lli) Nicht nur in Großstädten ist es bereits normal, im Supermarkt sowohl die täglichen Lebensmittel als auch Wurst und Fleisch einzukaufen. Auch in ländlichen Regionen wird das "Metzgersterben" immer mehr zum Problem: So gab es in Tirschenreuth einst 14 Metzgereibetriebe. Nur fünf davon existieren bis heute. Noch deutlicher wird es, wenn man die Statistiken für den ganzen Landkreis betrachtet: Von einst 86 Metzgereibetrieben sind 48 übrig - und das in nur 24 Jahren.

Toni Landgraf, Obermeister der Metzger-Innung und Inhaber der in Tirschenreuth ansässigen Metzgerei Landgraf, sieht die Problematik vor allem im fehlenden Interesse der Jugend. "Die jungen Leute wollen einen bequemen Bürojob, bei dem man mehr Geld verdienen kann als im Handwerk."

"Oft wird dieser Beruf auch körperlich überschätzt. Dank maschineller Unterstützung wird heute auch in Metzgereien nicht mehr so hart gearbeitet, wie das früher einmal war", fügt Klaus Hertwig vom Fleischergehilfen-Verein hinzu. Auch die Mitgliedszahlen seines Vereins zeigen deutlich, wie groß das Problem der Metzger eigentlich ist. Vor einigen Jahren zählte der Verein noch 94 Mitglieder, aktuell ist die Zahl auf 49 geschrumpft. Das jüngste Mitglied ist 28 Jahre alt und hat den elterlichen Betrieb übernommen - heutzutage fast eine Seltenheit.

Das schlechte Image der Branche trägt dazu bei, dass junge Menschen ihre berufliche Zukunft nicht auf das Metzgerhandwerk stützen wollen. "Für viele Leute steht meine Arbeit für das reine ,Tiere töten', aber eigentlich bedeutet eine eigene Schlachtung doch Qualität. Da können Großbetriebe bei weitem nicht mithalten", erklärt Toni Landgraf. Dennoch greifen viele Konsumenten zu Discounter-Ware, allein schon wegen des Preises.

Dieser kommt durch die Aufteilung in Schlachthöfe, Verarbeitungsbetriebe und Verkaufsstellen zustande. "Dagegen sind wir kleinen Metzgereien Allrounder", so Landgraf. Und das schätzt die Kundschaft auch: "Ich werde oft gefragt, woher meine Produkte stammen. Vielen Leuten ist regionale Ware sogar wichtiger als Bio - regional ist in!"

Um die Zukunft der kleineren Betriebe zu sichern, setzt Toni Landgraf hauptsächlich auf Qualität, Kundennähe und junge Metzger: "Hervorragende Produkte herzustellen: Das ist Handwerk! Das ist Abwechslung! Das ist Arbeiten mit Herzblut!", wirbt er leidenschaftlich um Nachwuchs.
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