Michaelsglocke läutet wieder

60 Jahre lang hat sie im Dornröschenschlaf auf dem Speicher des Mutterhauses geschlummert. Doch am Sonntag darf die Michaelsglocke aus der ehemaligen Dornbacher Kirche St. Michael wieder erklingen.

Zu verdanken ist das einem jungen Mann aus Neusorg bei Bayreuth. Peter Gärtner ist der Neffe von Schwester Gerlinde Lehner und Glockenfan. Der gelernte Fachmann für EDV und Telefonanlagen hat zu Hause auf dem Dachboden selber acht Stück. Bei einem Besuch im Kloster Auerbach erzählten ihm die Schwestern von der Glocke.

Gärtner entwarf einen Plan, wie man die Glocke wieder für ihre eigentliche Bestimmung vorbereiten könnte, ohne die Statik des Mutterhaus-Turms zu beeinträchtigen. Eine andere Lösung musste her, denn: "Die Alternativen, den Turm statisch umbauen zu lassen und zwei oder drei weitere Glocken für ein Geläut anzuschaffen, war einfach zu teuer", erzählt die Provinzoberin.

Gärtner schlug vor, die Glocke in einen Glockenstuhl einzusetzen, sie aber nicht schwingen zu lassen. Mit einem Schlagwerkzeug soll lediglich die Stunde angezeigt werden. Das Geläut zu Gebet und Messen kommt elektronisch aus Lautsprechern, die hinter den Turmfenstern versteckt sind. Gesteuert wird dieses sogenannte Gabrielsystem in der Sakristei. Das aufgenommene Original-Geläute wird elektronisch verarbeitet und ist kaum vom echten zu unterscheiden.

Zwei Zentimeter

Doch zuvor musste die Michaelsglocke erst einmal installiert werden. Und auch die 60 Jahre Ruhezeit hatten optisch ihre Spuren hinterlassen. Zunächst wurde sie mit einem Seilzug gehoben und der Ton getestet, dann in Handarbeit nach oben in den Glockenraum gezogen - kein leichtes Unterfangen. Denn die Glocke hat einen Durchmesser von 87 Zentimetern, der Treppenaufgang misst aber nur 85 Zentimeter.

So musste die Glocke gekippt nach oben gebracht werden. Peter Gärtner ging im zugigen Raum hoch über dem Mutterhaus mit einem Sandstrahlgerät über den Metallkörper. Auch der Schriftzug für den Glockenfriedhof wurde entfernt - eine mühevolle Arbeit, die sich aber gelohnt hat. Ein sanfter Bronze-Ton kam zum Vorschein. Nun hängt sie im Glockenstuhl, den die Schreinerei Mayer aus Tressau angefertigt hat. Die Hängebänder hat Eike Scherler (Glockengießerei in Wiesmoor) bearbeitet. Die Handwerker arbeiteten teils ehrenamtlich. Die elektronischen Leitungen verlegte Gärtner.

Täuschend echt

Wie echt das elektronische Geläut klingt, davon können sich ab Sonntag die Auerbacher überzeugen. Die Gebetsglocke wird um 6, 12 und 20 Uhr zum Angelus läuten, die Wandlungsglocke während der Messe, und die Sterbeglocke täglich nach dem abendlichen Gebetläuten. Drei Glocken erklingen beim Plenum anlässlich großer Kirchenfeste, zu Weihnachten oder Ostern sind es gar vier.

Schwester Lucilla Hauser und ihre Mitschwestern haben sich vorab vom Klang überzeugt und sind sich einig: Man merkt kaum den Unterschied zu echten Glocken. Mutterhauspfarrer Albert Werner und Monsignore Ellmann werden sie im Anschluss an den 10-Uhr-Gottesdienst weihen. Übrigens: Die kleineren Glocken aus der Dornbacher Kirche hängen bereits in Auerbach und tun ihren Dienst. Die Marienglocke ist in der Kapelle in Welluck, die andere in der Gottvaterbergkirche.
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