Michl als Ersatzburg

Die Würdenträger auf dem Thron. Zum Zeremoniell gehörte, die damaligen überheblichen Eliten zu veräppeln. Bild: mbs

Die Schlaraffen gibt es seit Jahren und Schlaraffia sollte man tunlichst nicht mit Matratzen verwechseln. Weltweit haben die Schlaraffen rund 10 000 Mitglieder, aufgeteilt in sogenannte Reyche.

(mbs) Vor rund 25 Jahren hatte man sich schon einmal in Amberg im Hohen Reych am Eysenhammer getroffen. Jetzt stand eine Wiederholung der vor 25 Jahren ersten gemeinsamen Sippung an. Rund 200 Schlaraffen nahmen daran teil, aus dem westfälischen Münster kamen die Ritter des Reyches Mimegarda und aus Österreich die Sassen aus dem Reych an der Pruggen sowie Ritter, Junker und Knappen aus 15 weiteren Reychen der Schlaraffia.

Da der Andrang mit rund 200 Sassen für die eigentliche Burg im Kummert-Bräu in Amberg zu groß war, hatten die Schlaraffen kurzerhand nach einer geeigneten Lokalität Ausschau gehalten - und diese im Gasthaus Michl in Oberleinsiedl gefunden. In seiner ersten Amtshandlung erklärte Ritter Sir Net deshalb die Gaststätte zur Ersatzburg.

Zepter und Orden

Er hieß die zahlreichen Ritter, die eingeritten waren (für Nicht-Schlaraffen: als Gäste gekommen waren). Diesmal hatte der Männerverein auch Burgfrauen (Damen) zum Abend eingeladen. Zunächst wurden die Würdenträger, die vom Thron aus die Sippung leiten, mit den Insignien der Macht ausstaffiert. Der Fungierende (quasi der Chef) erhielt vom Zeremonienmeister das Zepter und den AHA-Orden am Band. Nachdem die Fanfarenbläser den Abend eröffnet hatten, ging es in medias res. Das heißt: Die Fexungen sorgten für entsprechende Unterhaltung der rund 200 Ritter aus dem Amberger Reych und den anderen Reychen.

Ritter Führ-Witz (Dieter Dörner) erläuterte in seinem Beitrag, wie sich die Geschichte des Bergbaus in Amberg und der Region zugetragen hatte. Auch ein Gast beteiligte sich: Ritter Reif (Robert Stolz) gab Melodien auf seinem Akkordeon zum Besten. Ritter Haushan barch als Heinz Rühmann brach musikalisch die Herzen der stolzesten Frauen. Die merkwürdigen Sitten und Gebräuche so wie die eigentümliche Sprache erläuterte der Amberger Ritter Cameral (Rainer Sandner). Die Zeit verging mit rhetorischen und musikalischen Fexungen wie im Fluge - gegen Mitternacht stimmten 200 Sassen mit ihren Burgfrauen das Abschiedslied an.
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